Der EHV und die englischen Monate

NBA-Fan und Schlecht-Basketball-Spieler Adrian Kammlodt in Aktion. Gegen Rimpar warf er zwei Tore. In der letzten Saison war er mit 118 Treffern bestern Schütze (ohne Siebenmeter) der 2. Handball-Bundesliga. Foto: Manja Gehlert/sport-concepte Bad Schlema

Männer statt Memmen

Von Sven Günther
Lößnitz. Sie werden die Zähne zusammenbeißen, die erlittenen Blessuren wegstecken, Schmerzen ertragen. Männer statt Memmen. Diese Motto muss auf die Zweitliga-Handballer des EHV Aue jetzt mehr denn je zutreffen. Zwölf Spiele in acht Wochen: ein brachiales Programm.
Trainer Stephan Swat spricht von „englischen Monaten“, wird das Training entsprechend dosieren. „Bei so vielen Partien kommt es entscheidend darauf an, mental frisch zu bleiben und sich immer wieder für die nächste Aufgabe zu motivieren“, sagt Swat. „Die körperliche und geistige Regeneration wird noch wichtiger werden, als sie es jetzt schon ist.“

Das weiß auch EHV-Spieler Adrian Kammlodt, der sich intensiv mit seinem Sport beschäftigt, eine Ausbildung zum Heilpraktiker macht und später Osteopathie studieren will. Im Podcast auf www.liquimoly.de spricht er über seine Laufbahn, über dieZeit der Quarantäne und verrät, dass er großer Fan der US-Basketball-Liga NBA ist, von der der Handball aus seiner, Kammlodts, Sicht viel lernen kann. Der Rückraum-Werfer gibt zu, dass er Basketball zwar gern anschaut, selbst aber nicht gut spielen kann.

Stephan Swat: „Ich freue mich, wenn sich Spieler mit ihrem Beruf auseinandersetzen, sich Gedanken darüber machen, wie sie ihre Leistung steigern können. Und da gehört die Regeneration dazu.“

Regeneration! Nach dem Spiel am Samstag gegen die SG BBM (Bietigheim-Bissingen-Metterzimmern) aus der Nähe von Ludwigsburg wird die sicher notwendig sein. Der EHV trifft 17 Uhr auf ein Spitzen-Team der Liga. Stephan Swat: „Bietigheim bringt ganz viel Qualität mit ins Erzgebirge. Sie waren bis zum Abbruch der letzten Saison die Mannschaft der Stunde, wären wohl auch aufgestiegen. Entsprechend hoch motiviert geht der Verein in diese Spielzeit.“

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Der Star wird fehlen: Weltmeister Michael „Mimi“ Kraus hat seinen Vertrag mit der BBM aufgelöst. Swat: „Der Abgang wurde aber unter anderem durch die Verpflichtung von Juan de la Pena kompensiert. Er hat Erstligaerfahrung, spielte in Magdeburg, in Balingen und Wilhelmshaven, wo er erst im März einen Dreijahresvertrag unterschrieben hatte. Die Internetplattform www.handball-world.news kennt den Grund für den Wechsel, meldet: Der WHV steht aufgrund eines Ermittlungsverfahrens gegen einen seiner Geschäftsführer und Großsponsoren vor finanziellen Herausforderungen.

Auf den EHV Aue warten sportliche Herausforderungen. Swat: „Bietigheim ist auf allen Positionen doppelt gut besetzt – und in unserem ersten Geisterspiel werden uns die Fans als achter Mann sicher fehlen.“ Sehen kann man das Match live auf www.sportdeutschland.tv im Internet . Der EHV-Coach hofft, dass die Bank und die verletzten Spieler, die in die Halle dürfen, Stimmung machen. Wie der EHV ist auch die SG BBM durch Corona-Fälle und Länderspielpause vier Wochen ohne Wettkampf, hat sogar erst zwei Spiele absolviert. „Es gibt kaum Videomaterial, das wir analysieren könnten. Aber das geht ja allen Trainern so“, sagt Stephan Swat.

Der Trainer der SG BBM ist Hannes Jon Jonsson. Er gab dem WochenENDspiegel folgendes Interview

Wie hat das Team die Corona-Pause genutzt?

Jonsson: In erste Linie war die Quarantänezeit langweilig. Natürlich war das zuerst ein Schock, dass wir positive Fälle in unseren Reihen hatten, da wir uns alle sehr professionell verhalten haben. Das Wichtigste ist aber, dass es den positiv getesteten Personen jetzt allen wieder gut geht und wir weiter nach vorne schauen können. Unsere Athletiktrainer haben den Spielern ein Programm geschickt und dann lag es in der Verantwortung der Spieler, das zu machen, was möglich war. Sie sind ja Profis und ich bin mir sicher, dass jeder das Bestmögliche rausgeholt hat.

Gibt es aktuell Verletzte?

Jonsson: Tim Dahlhaus hat immer noch Probleme mit seiner Schulter und wird uns fehlen. Martin Macec ist am Ende des Reha-Programms, nach seinem Kreuzbandriss im Dezember. Beide werden in Aue nicht auflaufen – alle anderen sind fit.

Wie schätzt Du den EHV Aue ein, was sind die Schlüssel zum Sieg?

Jonsson: Ich sehe EHV Aue als ein Team, das nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben wird. Wenn es gut läuft, kann Aue bis zum Schluss ganz oben mitspielen.
Sie haben sich im Sommer gut verstärkt, mit sehr individuell starken Spielern wie Gonçalo Ribeiro und Arnar Birkir Halfdánarson. Wenn unsere Abwehr und die Zusammenarbeit mit unseren Torhütern funktioniert, dann haben wir gute Chancen in Aue.

 

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