Der EHV und die Rädchen des limbischen Systems

Stefan Kneer wechselts vor der Saison von Wetzlar nach Hüttenberg. Foto: TVH

Warum ausgerechnet Kneer?

Von Sven Günther

Lößnitz. Warum ist man Fan von Bayern München und nicht von Borussia Dortmund? Aus welchen Gründen heraus fanden viele Boris Becker toll, andere Michael Stich? Wieso verehrten manche Henry Maske ikonengleich als „Gentleman-Boxer“, während sich andere wünschten, Graciano „Rocky“ Rocchigiani möge ihm ganz einfach die oft ungetroffene Fresse polieren?
Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Psychoanalytiker hauchen bedeutungsschwer die Wörter „Limbisches System“ und erklären, dass in diesem Hirnareal die Gefühls-Zuständigkeits-Zentrale säße. Aber wie die so richtig funktioniert… Schulterzucken.

Kein Mensch kann genau erklären, warum er das eine Team besser als das andere findet, den einen Sportler mehr die Daumen drückt als dem anderen. Geht mir auch so. Aus unerklärlichen Gründen hing ich als Kind dem Fußballer Peter Kotte an, dem Wusel-Stürmer von Dynamo Dresden, den heute kaum noch einer kennt und wenn, dann weil die Mitwisserschaft einer geplanten Republik-Flucht (Gerd Weber) seine Karriere 1981 beendete.

Später wurde ich glühender Verehrer von Paul Breitner und Harald „Toni“ Schumacher, dessen Zusammenstoß mit Patrick Battiston im WM-Halbfinale 1982 ich bis heute als unglückliche Ungewolltheit abtue.

Und beim Handball? Da war es zunächst Ingolf Wiegert, der mir – auf gleicher Position spielend – imponierte. Später, als Beobachter des Sports, faszinierten mich Christian Zeitz und ….. STEFAN KNEER!

Keine Ahnung warum, aber irgendwie drehten sich die Rädchen in meinem limbischen System in den „Macht-mir-Freude-Modus“, wenn ich den rothaarigen Halblinken spielen sah.
Und das, obwohl Kneer eher defensiv überzeugte, nie ein Ballermann war und mit Eisenach, Bahlingen, Großwallstadt und Magdeburg keinen Titel holte, in 73 Länderspielen auch nicht zu internationalen Ehren kam. Erst 2016 wurde er mit Rhein-Neckar Löwen Meister.
Jetzt, am Samstag ab 17 Uhr auf www.sportdeutschland.tv, sehe ich Kneer im Internet wieder. Er war vor der Saison von Wetzlar zum TV 05/07 Hüttenberg gewechselt, quälte sich lange mit einer Rückenverletzung und wird beim Spiel gegen den EHV in der Erzgebirgshalle den coronainfizierten Trainer Johannes Wohlrab vertreten.

Dem WochenENDspiegel gab der Interimstrainer folgendes Interview

WOCHENENDSPIEGEL:
Die Mannschaft war bis zum 5. Mai in Quarantäne. Hoffen Sie trotzdem, dass das Team in Aue eine gute Leistung zeigen kann?

STEFAN KNEER:
„Natürlich gehen wir davon aus, dass unsere Mannschaft eine gute Leistung zeigt. Die Erfahrung aus der 1. und 2.Liga hat gezeigt, dass Mannschaften, die aus der Quarantäne kamen, oft gewonnen haben und ein gutes Spiel gezeigt haben. Das ist auch unser Ziel, jedoch ist uns die Größe dieser Aufgabe bewusst.“

WOCHENENDSPIEGEL:
Welches sind die konkreten Probleme nach einer so langen Pause?

STEFAN KNEER
„Nach so einer langen Pause muss man erst das Gefühl für den Handball zurückgewinnen. Wir haben sehr gut im athletischen Bereich gearbeitet und viel Kraft- als auch Ausdauertraining gemacht. Jetzt heißt es, sich auch wieder an die handballtypischen Bewegungen zu gewöhnen und schnell in den Rhythmus zu kommen. Wir werden nur zwei Tage mit Ball haben, um uns spielerische zu finden, sodass wir diese Einheiten optimal nutzen möchten.“

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WOCHENENDSPIEGEL:
Wie schätzen Sie den EHV Aue ein?

STEFAN KNEER
„Ich schätze Aue als sehr starken Gegner ein. Sie spielen vorne ihre Angriffe sehr diszipliniert aus, haben keinen herausragenden Einzelspieler und kommen eher über die mannschaftliche Geschlossenheit. Es wird ein sehr interessantes Spiel. Wir haben im Hinspiel unentschieden gespielt und damals war Aue in einer ähnlichen Situation, da sie frisch aus der Quarantäne kamen.“

WOCHENENDSPIEGEL:
Welche Spieler werden verletzungsbedingt fehlen?

STEFAN KNEER
„Aufgrund der Corona-Erkrankung werden unser Trainer Johannes Wohlrab und noch zwei weitere Spieler ausfallen, die sich noch in Quarantäne befinden. Des Weiteren wird unser langzeitverletzter Kapitän Moritz Zörb nicht mit von der Partie sein.“

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