Der EHV und die Sache mit der Jugendkraft

Bengt Bornhorn wurde ins Team der Woche gewählt, traf neun Mal. Jetzt geht es nach Ferndorf. Foto: Manja Gehlert/Sport Concepte Bad Schlema

EHV-Petrusson: Ein leichteres Schwergewicht

Von Sven Günther
Lößnitz. Gelungener Auftakt in der 2. Handball-Bundesliga für den EHV Aue. Mit 24:21 (12:8) siegte das Team von Cheftrainer Stephan Swat gegen die DJK Rimpar Wölfe. Einige Fragen, die sich Fans vor der neuen Saison stellten, wurden vorläufig beantwortet:

JA, Goncalo Ribeiro kann den nach Nettelstedt gewechselten Mittelaufbau-Spieler Benas Petreikis ersetzen.
JA, Arnar-Birkir Halfdansson kann auf Halbrechts der gesuchter Shooter werden.
JA, Sveinbjörn „Bubi“ Pétursson ist eine echte Verstärkung des starken Torhüter-Trios (Suljakovic, Bochmann).

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Fragt man dagegen nach des Gegners Namen, herrscht meist Ratlosigkeit. Klar: Rimpar ist eine Kleinstadt bei Würzburg. Das Team nennt sich Wölfe, weil Tiernamen für Sportmannschaften Trend sind, er der Philosophie des Vereins (Echt, wild, treu, gierig) entspricht und sogar mittels einer Studienarbeit gesucht worden war.
Aber DJK? Nee, keine Ahnung. Die Lösung: DJK steht für Deutsche Jugendkraft. Upps!??! Darf man das denn sagen, in Zeiten in denen Zigeunerschnitzel und Negerkuss dem Eifer einiger Enthusiast*Innen zum Opfer zu fallen scheinen?

Der Verein aus Bayern steht dazu, schreibt: „Die DJK weiß: Der über 100 Jahre alte Name der katholischen Sportbewegung wirkt heute manchmal etwas seltsam. Auf eine moderne Weise interpretiert kann „Jugendkraft“ bedeuten: „Jugend“ steht für: dynamisch, lebensbejahend, kreativ, offen sein für Neues, Verkrustungen aufbrechen. „Kraft“ steht für: körperliche und geistige Voraussetzungen für bestimmte Handlungen. So interpretiert zeigt der Name „Deutsche Jugendkraft“ dem Sportverband den Weg in die Zukunft.
Den Fans in der Erzgebirgshalle war es am 3. Oktober egal. Vielleicht, weil die meisten bei Zigeunerschnitzel ohnhin nur an Essen, bei Negerküssen an Süßigkeiten und bei DJK an gar nichts denken, wohl auch keine Lust und keinen Nerv dafür haben, sich über Gentersternch*Innen und andere Nebensächlichkeiten den Kopf zu zerbrechen.

Starker Auftakt

Handball, endlich wieder Handball war das Motto. Und davon zeigte der EHV eine ganze Menge guten. Dass die Erzgebirger gegen Rimpar, immerhin Tabellensiebter der letzten Saison, letztlich sicher gewannen, war keine Selbstverständlichkeit. EHV-Trainer Stephan Swat: „Wir sind froh, den ersten Sieg eingefahren zu haben. Gerade vor dem ersten Heimspiel ist der Druck besonders hoch. Die Abwehr hat im Verbund mit dem Torhüter eine gute Arbeit geleistet, nur 33 Würfe zugelassen. Von denen wurden zwölf gehalten.“
Gehalten von Sveinbjörn Pétursson, der nach seiner Zeit in Aue nach Island zurückgekehrt war, dann einen schweren Autounfall hatte.
Jetzt ist er wieder im Erzgebirge, war von Ex-EHV-Trainer Rúnar Sigtryggsson empfohlen worden. Während der Live-Übertragung auf Sportdeutschland.tv im Internet erfuhr man, dass der Keeper 15 Kilo abgenommen hat, bei 1,86 Metern 107 Kilo auf die Waage bringt, fit und reaktionsschnell wie selten ist.

Sveinbjörn „Bubi“ Pétursson ist eine echte Verstärkung des starken Torhüter-Trios. Foto: Manja Gehlert/Sport Concepte Bad Schlema

„Die Defensive war gut. Auch als für Franz Schauer nach dessen zweiter Zweiminuten-Strafe Petr Slachta neben Kevin Roch im Mittelblock spielte“, freute sich Swat, der aber auch weiß, dass man phasenweise noch zu inkonsequent war, die Spieler eher hätte Freiwürfe verursachen müssen.
Steigerungspotential gibt es auch im Angriff. Swat: „Bengt Bornhorn konnte immer wieder die Lücken nutzen, die im die Wölfe-Abwehr gelassen hatte, wurde Arnar-Birkir Halfdansson und Goncalo Ribeiro gut in Szene gesetzt und verwandelte auch die Siebenmeter sicher.“ Die Wurfeffektivität von den Außenpositionen (Kevin Roch 40 Prozent, Maximilian Lux 50 Prozent) muss besser, Angriffe müssen noch konsequenter finalisiert werden.

Hitzige Atmosphäre in Ferndorf

Denn die nächste Aufgabe wird nicht leichter. Der EHV Aue reist zum TuS Ferndorf, tritt am Samstag 19.30 Uhr im Kreis Siegen-Wittgenstein an. Swat: „Ich rechne wie immer mit einer hitzigen Atmosphäre, freue mich auf ein rasantes Spiel.
Den Abgang von Julius Lindskog Andersson, der im letzten Jahr zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt worden war, scheinen sie gut verkraftet zu haben. Torben Matzken hat ihn beim Auswärtssieg in Großwallstadt sehr gut vertreten, wurde gleich ins Team der Woche gewählt, was auch Bengt Bornhorn gelang.
Wir haben eine harte Nuss zu knacken, wollen aber den ersten Auswärtssieg der Saison einfahren.“

Ein Sieg beim TuS Ferndorf. Beim Turn- und Sportverein. Ein Name, der für nebensächliche Grübeleien keinen Platz bietet…

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