Der EHV Aue und die salomonische Warnung

Petr Slachta verlängerte seinen Vertrag beim EHV Aue um ein Jahr. Foto: Manja Gehlert

Der EHV empfängt gerupfte Adler

Von Sven Günther
Lößnitz. Führt man im Sport den Begriff Eagle (dt. Adler) im Namen, gibt es mehrere Möglichkeiten der Erklärung.

1. Man will hoch hinaus, ein Überflieger sein, stolz und erhaben. Dem Anspruch kommen die Philadelphia Eagles wohl am nächsten, die viermal den Super-Bowl, die Meisterschaft im American Football gewinnen konnten. Zuletzt 2018.

2. Der Name wird einem als Persiflage des ewigen Gleiters übergestülpt, so geschehen mit Skihüpfer Michael Edwards. Der bekam von Fans und Medien den Namen „Eddie the Eagle“ verpasst, trat bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary an, obwohl er sprang wie ein Suppenhuhn.

3. Ein Team besinnt sich seiner Traditionen und bringt den Namen Adler in die Zeit des Denglish.

Letzteres ist der Fall bei den Zweitligahandballern „Eagles Krefeld“, deren Verein aus dem DJK SV Adler Königshof 1919 und dessen Fusion mit dem SC Bayer 05 Uerdingen hervorging.

Am Sonntag sind die Eagles Gast des EHV Aue in der 2. Bundesliga und kommen als Tabellenletzter ins Erzgebirge. 2:40 Punkte, minus 144 Tore. Meist gab es böse Klatschen. Die Adler auf dem Boden der Tatsachen. Fest steht: Ein Sieg ist für die Gastgeber Pflicht!

Erinnert man sich des Hinspiels, scheint ein Hinweis auf die Sprüche des, wegen seines Urteils in Erinnerung geblieben, König Salomo nicht unangebracht. „Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall“, wird der Mann in der Bibel zitiert, der drohte, ein Kind mit dem Schwert zu teilen.

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Hochmütig, mindestens aber nachlässig, wurden die Spieler des EHV Aue beim Hinspiel in Krefeld. Schon zur Pause führten sie mit 17:12, in der 36. Minute 21:15 und 15 Minuten vor dem Ende 24:19. Doch dann gings dahin mit dem komfortablen Vorsprung. 26 Sekunden vor Ultimo bejubelten die Zuschauer den 29:29 Ausgleich durch Karl Roosna, ehe Adrian Kammlodt mit dem Schlusspfiff den 30:29 Siegtreffer für den EHV warf.

Ein Szenario, das sich am Sonntag nicht wiederholen soll. Deshalb wird EHV-Trainer Stephan Swat die Seinen vor den Eagles am Tabellenende warnen und die letzte Konsequenz in Abwehr und Angriff einfordern.

Hinter der Abwehr wird erstmals einer zu sehen sein, der schon Erstliga- und Weltmeisterschaftsluft in der Nase hat: Torhüter Anadin Suljakovic. Manager Rüdiger Jurke holte den 21-jährigen Bosnier von der HSG Wetzlar.
Auch Bengt Bornhorn, der mächtige Kreisläufer und Siebenmeter-Verwandler sollte ein Faktor werden, fehlte er doch in Krefeld, sodass die Gegner ihn zwar vom Video, nicht aber leibhaftig kennen.

Nicht zuletzt müssten zwei Personalien den EHV-Spielern Selbstvertrauen geben. Abwehr-Stratege Petr Slachta hat seinen Vertrag um ein Jahr verlängert und der nach Nettelstedt wechselnde Benas Petreikis wird in der neuen Saison durch den Portugiesen Goncalo Ribeiro ersetzt. Rüdiger Jurke: „Goncalo war letzte Woche mehrere Tage zum Probetraining und hat uns überzeugt. Ich denke, er wird mit Sebastian Paraschiv und Julius Schroeder die Lücke schließen, die Benas hinterlassen wird. Wir freuen uns auf ihn, und er sich auf Aue!“

Auf einen EHV Aue, der in der stärksten 2. Handballbundesliga der Welt spielen wird? Dafür ist ein Sieg gegen Krefeld wichtig. Die Spieler sollten die Warnung des Trainers vor den Eagles ernst nehmen. Oder, wie Salomo sagt: „Wer weise ist, der hört zu und bessert sich; wer verständig ist, der lässt sich raten…“

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