Der EHV und ein alter Bekanntersson

EHV-Trainer Runar Sigtryggsson war schon von 2012 bis 2016 Trainer im Erzgebirge. Foto: Manja Gehlter/sport-concepte Bad Schlema.

Aue, Isländer und das patronymische System

Von Sven Günther
Lößnitz. Wer erinnert sich nicht gern an die Jahre von 2012 bis 2017, in denen beim EHV nach dem direkten Wiederaufstieg aus Liga 3 die Zeichen auf Islandisierung gestellt waren?

Trainer Runar Sigtryggsson
Bruder Arni Thor Sigtryggsson
Torhüter Sveinbjörn Petursson
Abwehrhüne Bjarki Gunnarsson
Mittelmann Dadi Runarsson.

Der Coach und der Keeper sind wieder in Aue. Der eine hilft aus, weil EHV-Trainer Stephan Swat durch das Corona-Virus schwer krank wurde. Der andere, Petursson, kam, weil ein Kreuzbandriss Torhüter Eric Töpfer während der Reha seiner Schulterverletzung flachlegte.
Sigtryggsson. Petursson. Was ist eigentlich los bei den Isländern, wenn hinten alle gleich heißen? Die Antwort lautet: Es liegt am patronymisches System, dem die Nordmänner bei der Namensgebung folgen.
Erblickt ein Sohn auf der Insel das Licht der Welt, wird an des Vaters Vornamen einfach ein -sson gehängt. Fertig. Beendet sind alle Debatten um mögliche Vornamen, unmöglich unsägliche Selbstfindungs-Phantasien mancher Eltern.
Ein praktisches Beispiel des patronymischen Systems fand sich einst in Aue. Dadi Runarsson war der Sohn von Runar Sigtryggsson. Würde Dadi Vater, bekäme sein Sohn den Nachnamen Dadisson, eine Tochter hieße Dadidottir.

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Wenn der EHV am Freitagabend 19 Uhr in Gummersbach antritt, sitzt einer auf der VfL-Bank, dem das patronymische System vertraut ist: Gudjon Valur Sigurdsson ist seit letztem Jahr Trainer des legendären Klubs. Quasi ein guter alter Bekanntersson des EHV-Trainers.

„Runar und ich kennen uns seit Jahren. Wir haben auf Island gegeneinander und dann später gemeinsam in der Nationalmannschaft gespielt“, verrät der VfL-Trainer und fügt hinzu: „Aue hat eine sehr gute Mannschaft. Sie sind immer von Anfang an hellwach und gehen mit sehr hohem Tempo nach vorne, wenn sie den Ball gewonnen haben. Wir müssen am Freitag sehr diszipliniert spielen.“ Das sieht auch Keeper Matthias Puhle so, der in dieser Saison schon mit 155 Paraden glänzte, hinter Jan Steffen „Bruno“ Redwitz (Großwallstadt, 170) auf Platz zwei der Rangliste liegt. Die Siebenmeter-Killer-Tabelle führt Puhle mit elf gehaltenen Strafwürfen an.
Der Torwart verrät auf der Homepage des Vereins: „Aue ist schon immer eine Mannschaft, die kämpferisch sehr stark ist und das zeichnet sie auch in diesem Jahr wieder aus! Gerade gegen gute Gegner wie Bietigheim und Hamm hat Aue gute Leistungen gebracht.“
Dem VfL fehlen Fynn Herzig, Luis Villgrattner, Joe Schuster und Julian Köster. Köster wurde kurz vor dem Re-Start der Liga aus Dormagen geholt, gilt als eines der größten Talente im deutschen Handball und bekam einen Vertrag bis 2024.
2024. Dann sollte der VfL, ginge es nach den Plänen der Verantwortlichen, längst wieder erstklassig sein. Gummersbach und 1. Liga, das gehört für Handballfans zusammen wie Coca und Cola, wie Mercedes und Benz. Zwölfmal Deutscher Meister, elfmal Europapokalsieger und Spieler, deren Namen heute noch ehrfürchtig geflüstert werden. Da ist der schnauzbärtige Kreisläufer und spätere Weltmeister-Trainer Heiner Brand, Über-Legende Jo Deckarm, der Hexer Andreas Thiel, Erhardt „Sepp“ Wunderlich, Handball-Punk Stephan Kretzschmar. Man könnte schreiben bis zum Horizont…
Auch Gudjon Valur Sigurdsson spielte von 2005 bis 2008 für den VfL, hält mit 1.875 Toren er den Weltrekord für Handball-Länderspieltore und machte erst am 22. Januar 2020 sein letztes (das 364.) Spiel im Trikot der Isländer!
Vor Aue hat er Respekt, sagt dem WochenENDspiegel: „Wir müssen wieder Stabilität in unserer Abwehr finden, damit wir Gegenstöße laufen können und wir müssen einfach diszipliniert im Angriff spielen, damit wir Aue nicht zu einfachen Gegenstößen einladen.“
Respekt. Denn haben auch die Auer, die ohne drei Rückraum-Mitte-Spieler anreisen. Ribeiro (Hand), Paraschiv (Knie) und Schröder (Schulter) sind verletzt. Dafür rückt Kreisläufer Kevin Lux wieder ins Team, hat nach einem Kreuzbandriss aber noch Trainingsrückstand.
Manager Rüdiger Jurke: „Natürlich ist der VfL Favorit. Aber wir werden kämpfen, fahren ja nicht 500 Kilometer durch Deutschland, um die Punkte herzuschenken. Ich bin mir sicher, dass Runar auch das Problem der verletzten Mittelaufbauspieler lösen wird.“

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