Der EHV und ein klebriges Geheimnis

Eine unglaubliche Szene in der 29. Minute: Bengt Bornhorn wird von Ribeiro angespielt, fängt den Ball instinktiv und vollstreckt. Kleinlich könnte man einschränken: Er nimmt den Ball von der linken in die rechte Hand, was ein technischer Fehler ist. Foto: sportdeutschland.tv/Manja Gehlert/sport-concepte Bad Schlema

Bengt, Bubi und alle anderen

Von Sven Günther
Lößnitz. Wenn Handball-Laien den 30:25-Sieg des EHV Aue gegen den ThSV Eisenach auf www.sportdeutschland.tv gesehen haben, waren sie begeistert und verwundert zugleich.

Begeistert, weil Tempo, Spannung und Attraktivität geboten wurden, sie ein rassiges 96. Traditionsderby („Die Mutter aller Derbys“) miterlebten.
Verwundert, weil sie sich manche Dinge nicht erklären konnten: Weswegen fassen sich die Spieler immer wieder an den Schuh? Warum springt manch geworfener Ball, nachdem er den Boden berührt, um die Ecke?

Die Erklärung ist ein klebriges Geheimnis: Handballer tunken ihre Finger in eine harzige Haftpaste. Früher musste das legendäre Hörnig Baumwachs als Kleister herhalten, das Hallenwarte ob seiner der Wasserresistenz bei der Reinigung der Böden in Rage brachte. Inzwischen bedient man sich modernerer Kleber, die leichter zu entfernen, aber ebenso wirksam sind.
Ein Beispiel war am Dienstag in der 29. Minute zu beobachten. Der EHV ist nach einer überragenden Parade des überragenden Sveinbjörn „Bubi“ Petursson (14 Paraden, über 50 Prozent Quote in der ersten Halbzeit) im Angriff. Goncalo Ribeiro spielt den Ball in Richtung Kreis, wo Bengt Bornhorn zwar lauert, aber abgedrängt wird, das anfliegende Spielgerät nur erahnen kann. Reflexartig zuckt seine linke Hand nach oben, wo sich das Leder an den klebrigen Fingern des mächtigen Kreisläufers verfängt. Drehung. Wurf. Tor. Fängt man solche Bälle, gelingt alles! Zehn Würfe, zehn Tore zeigt die Derby-Statistik für Bornhorn.

Hier finden Sie das Bewegtbild ab Minute 28.

EHV-Manager Rüdiger Jurke, früher selbst Kreisläufer, lobte Bengt, lobte Türhüter Petursson, lobte alle anderen: „Die ganze Mannschaft hat es überragend gemacht. Runar Sigtryggsson und das Trainerteam haben immer wieder durchgewechselt, um die Belastung zu verteilen.“ Sigtryggsson saß für den an Corona erkrankten, im HELIOS Klinikum Aue liegenden Stephan Swat auf der Bank.

Von dort sah der Isländer, wie sich seine Mannschaft in der ersten Hälfte Tor für Tor absetzen konnte. 6:4 hieß es in der 11. Minute, als Maximilian Lux traf, 11:5 in der 18. nach einem Tor von Goncalo Ribeiro. Der EHV-Coach, der schon von 2012 bis 2016 in Aue auf der Bank saß, 2004 bis 2005 in Eisenach spielte und als Trainer arbeitete, konnte eine deutliche 14:9-Führung nach der ersten Halbzeit notieren.

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Handball-Laien könnten da an eine Vorentscheidung gedacht haben, Kenner hoben warnend den Zeigefinger, raunten: „Das Ding ist noch nicht durch!“
Richtig. Nach nur knapp drei gespielten Minuten in Hälfte zwei, las man auf der Anzeigetafel ein 15:13. Umso wichtiger waren in dieser Situation das Tor von Lux zum 16:13, das in er in Unterzahl warf und die folgende Siebenmeter-Parade von Petursson gegen Adrian Wöhler.
Die Auer konnten den Vorsprung ausbauen, ließen sich auch von einigen fragwürdigen 2-Minuten-Zeitstrafen und einer harten Roten Karte gegen Kevin Roch (51. Minute) nicht beirren. Noch einmal konnten die Thüringer in der 53. Minute verkürzen, als Hannes Iffert zum 24:22 traf, dann zog der EHV Tor um Tor davon und die Spieler samt Trainer samt Fans freuten sich am Ende über einen klaren 30:25-Sieg, der alle Handball-Laien Anlass sein sollte, mehr Spiele zu schauen, um zum Insider zu werden.

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