Der EHV und ein verpasstes Spektakel

Keeper Sveinbjörn „Bubi“ Petursson und HSG-Linksaußen Lasse Seidel bodenlos. Ein Bild, das dokumentiert, was alle Fans verpasst haben, die nicht in der Halle waren: ein Spektakel!
Foto: Manja Gehlert

Besser mittendrin statt nur daheim…

Von Sven Günther
Lößnitz. Schauen Sie sich die Aufnahme genau an. Fotografin Manja Gehlert hielt einen Moment aus dem Spiel der Zweitligahandballer des EHV Aue gegen Tabellenführer Nordhorn-Lingen fest. Zwei Menschen in der Schwebe. Abgehoben. Keeper Sveinbjörn „Bubi“ Petursson und HSG-Linksaußen Lasse Seidel bodenlos. Ein Bild, das dokumentiert, was alle Fans verpasst haben, die nicht in der Halle waren: ein Spektakel!

Natürlich könnten man das Punktspiel emotionslos zusammenfassen und schreiben: „Der abstiegsbedrohte EHV Aue unterlag nach großer kämpferischen Leistung gegen den Aufstiegsaspiranten HSG Nordhorn-Lingen knapp 22:23“. Natürlich wäre auch eine Kritik an der sehenswerten Übertragung auf www.sportdeutschland.tv komplett unangemessen, bietet die doch neben dem Sport auch Interviews mit EHV-Manager Rüdiger Jurke sowie Sportchef Stephan Swat und lässt den Zuschauer wenigstens erahnen, mit welchem Einsatz um jeden Ball gekämpft wurde. Spüren aber kann man es vor der glattkalten Laptop-Scheibe nicht.

Der verletzte EHV-Kreisläufer Bengt Bornhorn formuliert als Co-Kommentator treffend: „683 Zuschauer? Schade. Da geht mehr. Natürlich ist es bequem, das Spiel zu Hause anzusehen. Aber Livesport ist etwas anderes. Kommt zu uns in die Halle.“ Wer es am Mittwoch gegen Nordhorn nicht war, verpasste beeindruckende Gänsehaut-Erlebnisse.

Schon der Auftakt ein Spektakel: Ein brachialer Stemmwurf von Arnar Birkir Halfdansson bringt die Gastgeber in Führung. Anschließen hält Erik Töpfer im EHV-Tor sehenswert von außen, pariert einen von Georg Pöhle vom Siebenmeter-Strich geworfenen Ball, den wiederum Halfdansson im Gegenzug via Stemmwurf am Kopf des Gegenspielers vorbei in die Maschen drischt.

Es folgen weitere beeindruckende Szenen. Halfdansson bedient Maximilian Lux mit einem Schulterpass und der EHV-Rechte trifft zum 3:2. Den Ausgleich besorgt Dominik Kalafut, der mächtige HSG-Kreisläufer (1,94 m, 120 Kilo).

Dann treten drei Spieler ins Rampenlicht, die auf der EHV-Torschützenliste ein eher tristes Dasein fristen. Abwehrstratege Kevin Lux schließt einen Konter mit einem sehenswert frechem Dreher ab, Mittelblock-Hüne Petr Slachta triff und Neuzugang Aki Egisnes wirft ein wichtiges Tor. Aktionen, die es verdient hätten, von deutlich mehr Zuschauern bejubelt zu werden.

Nicht die einzigen. Wäre man in der Halle gewesen, hätte man den traumhaft sicher abschließenden HSG-Rechtsaußen Robert Weber (8 Tore bei 9 Würfen) beklatscht, der 2015 Rekordtorschütze der 1. Bundesliga war.
Tausendfacher Jubel wäre Maximilian Lux (7 Tore) zuteilgeworden, als er in der 34. Minute aus spitzestem Winkel hoch ins lange Eck zum 10:14 schlenzt oder in der 43. Minute zum 14:16 via Dreher trifft.
Die Glanzparaden von Sveinbjörn Petursson gegen Johannes Wasielewski und Nils Torbrügge hätten mehr als 683 Zuschauer verdient, ganz zu schweigen vom 17:17-Ausgleichstreffer, den Gonzalo Ribeiro in der 49. Minute per krachendem Hüftwurf besorgt, der Eingang in die Spieltaghöhepunkte finden müsste.

Unentschieden elf Minuten vor Ultimo. Wer weiß, was mit einer ausverkauften Halle passiert wäre. Wer kann einschätzen, was ein aus 2200 Kehlen gebrülltes „AUE, AUE, AUE“ mit den Nerven der Spieler des Ligaprimus gemacht hätte…

Für HSG-Trainer Daniel Kubes ist klar: „Beim EHV zu bestehen, ist eine der schwierigsten Aufgaben in der 2. Liga. Ich bin froh, dass wir es geschafft haben. Es war sensationell, wie die beiden Abwehrreihen gestanden haben.“
Dem pflichtet EHV-Coach Kirsten Weber bei: „Die Angreifer wurden immer wieder gezwungen, bedrängt abzuschließen. Wir haben immer an uns geglaubt, sind mit Enthusiasmus und Leidenschaft in die letzten 20 Minuten gegangen.“ Beim Spiel gegen die Eulen in Ludwigshafen half das zum Sieg, gegen Nordhorn Lingen fehlt in den letzten Minuten das notwendige Glück.

Der EHV spielt am 9. März 19.30 Uhr in Essen, tritt am 13. März im Sachsenderby in Dresden an und empfängt am 26. März 17 Uhr in der Erzgebirgshalle das Team der SG BBM Bietigheim. Alle Fans, die es möglich machen können, sollten live dabei sein. Sie könnten sonst das nächste Spektakel verpassen…

Investitionen in die Zukunft

Der EHV Aue verlängerte den Vertrag mit Sveinbjörn Petursson (33) bis Juli 2023 und freut sich auf eine weitere Saison mit dem erfahrenen Torhüter!
Stephan Swat: „Wir wissen, was wir an Bubi haben. Er bringt sehr viel Erfahrung mit, ist ein echter Führungsspieler und wird Pascal Bochmann im Tor optimal ergänzen und unterstützen. Wir sind uns sicher, dass Bubi in dieser und auch in der nächsten Saison noch viele wichtige Punkte mit und für uns holen wird.“

Außerdem gibt es einen Neuzugang: Elias Gansau. Der 21-jährige, gebürtige Greifswalder spielt derzeit im U23-Team des SC DHfK Leipzig und erzielte in der laufenden Saison bisher 97 Tore in 17 Spielen. Bundesligaluft konnte er bereits unter anderem gegen den Rekordmeister THW Kiel schnuppern.
Der 1,94 m große und 98 kg schwere Rechtshänder wird die halblinke Position bespielen und somit die Nachfolge für den nach Großwallstadt wechselnden Adrian Kammlodt antreten. Elias Gansau unterschrieb einen ligaunabhängigen Vertrag bis 30.06.2024.

Elias Gansau kommt nach Aue. Foto: EHV Aue

Rüdiger Jurke: „Elias ist ein junger und talentierter Spieler, welcher sein Können in der 3. Liga bewiesen hat. Wir freuen uns darüber, dass wieder ein junger Mann aus der Talentschmiede von Leipzig den nächsten Schritt in seiner Karriere bei uns macht und hoffen, dass in der Zukunft noch weitere dazukommen.“

Stephan Swat: „Wir freuen uns, dass Elias sich trotz anderer Angebote für uns und die Region entschieden hat. Er hat uns im Probetraining und in vielen Spielen in Leipzig überzeugt. Er wird uns im Angriff und Abwehr verstärken. Wir sind uns sicher, dass seine Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist.“

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