Start Chemnitz Die ersten KRACH-Preisträger:innen stehen fest
Artikel von: Redaktion
14.04.2018

Die ersten KRACH-Preisträger:innen stehen fest

Auch das Holzkombinat (hier Mario Haustein mit einem PC-Gehäuse aus Holz) gehört zu den Preisträgern. Foto: Cindy Haase

Chemnitz. Elf Projekte der Kultur- und Kreativbranche erhalten die ersten Förderpreise „KRACH – Kreativraum Chemnitz“, die mit einem Startbudget von 2.500 Euro, einer kostenlosen Raumnutzung für bis zu drei Jahre und einem umfangreichen Beratungsangebot verbunden sind. Die Preisverleihung fand am 14. April 2018 im Rahmen der zweiten Maker Faire Sachsen statt, die in Chemnitz derzeit ausgetragen wird. Private wie kommunale Vermieter fungieren dabei als Raumgeber für die KRACH-Preisträger:innen.

„Über mehr als 50 Bewerbungen im ersten Programmjahr haben wir uns sehr gefreut. Die hohe Zahl der Einreichungen aus der Region Chemnitz, aber auch aus Deutschland und dem Ausland hat uns gezeigt, dass unser Angebot für junge Macherinnen und Macher sehr attraktiv ist. Für die internationale Jury war es kein Leichtes, unter den vielen qualitativ hochwertigen Einreichungen die Preisträgerinnen und Preisträger auszuwählen“, erklärt Sören Uhle, Geschäftsführer der Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungs GmbH (CWE).

Die mit dem Förderpreis ausgezeichneten Projekte spiegeln die Breite der Kultur- und Kreativwirtschaft wieder: Unter den Preisträgern finden sich zum Beispiel Produzenten und Vermarkter von Kunst, Software-Entwickler, ein Coffee HUB, Theatermacher:innen sowie Hersteller:innen unterschiedlichster Designobjekte von der Lampe über das T-Shirt bis zum Küchenmöbel. „Wir erhoffen uns durch die Projekte viel kreativen Input in den KRACH-Räumen, in den umliegenden Quartieren und darüber hinaus in der ganzen Stadt – und sehen in vielen Vorhaben auch große Entwicklungspotenziale, die weit über Chemnitz hinausstrahlen können“, so Sören Uhle.

Der Innovationsgrad, das Entwicklungspotenzial und die Nachhaltigkeit des Vorhabens, die Kompetenz und Motivation des Gründerteams und der Einfluss des Vorhabens auf die Quartiers- und Stadtentwicklung gehörten unter anderem zu den Kriterien, nach denen die Juror:innen entschieden haben. Einen Förderpreis stiftet das Kulturhauptstadtbüro „Chemnitz 2025“. Weitere Förderpreise stellen Unterstützer:innen aus der Wirtschaft, z. B Haus E / alltag & anders und Digital Color Service GmbH.

Zwischen Oktober 2017 und Januar 2018 waren über 50 Bewerbungen um den Förderpreis „KRACH“ eingegangen, den die Stadt Chemnitz, die CWE sowie der Branchenverband Kreatives Chemnitz e. V. als ein Projekt im Rahmen der Bewerbung der Stadt zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 initiiert haben. Eine internationale Jury wählte zunächst 27 Projekte aus, die ihre künftigen Räumlichkeiten und die Stadt an einem Wochenende kennenlernen konnten. Nach einer Schärfung der der Bewerbungen ermittelte die Jury schließlich die Preisträgerinnen und Preisträger.

Die „KRACH“ Preisträger:innen 2018

Theaterstraße 17: CoBoLights
„CoBoLights“ gestaltet individuelle Lampen im „Industry-Style“ aus gegossenem Beton, Kupferrohren oder Dingen,  die andere Menschen wegwerfen würden – in echter Handwerksarbeit. Gründerin Franziska Dörner studiert in Chemnitz und betreibt ihr seit drei Jahren bestehendes Geschäft derzeit noch weitestgehend von zuhause aus. Im KRACH-Raum will sie ihre Arbeit professionalisieren und künftig neben der Internet- und Flohmarkt- auch dieLaufkundschaft ansprechen, vor allem aber auch erste Anfragen zu Großaufträgen schneller und besser bearbeiten.

Jakobstraße 46 (Stadtwirtschaft): Zentrum für Darstellende Kunst
Das „Zentrum für Darstellende Kunst“ (ZfDK) will die Kunst- und Kulturszene auf dem südlichen Sonnenberg verstärken. In seinem KRACH-Raum will das ZfDK lokale und internationale Freie Theatermacher versammeln, sie in Workshops weiterbilden und in Residenz-Programmen an Chemnitz heranführen und ihnen Projekt-, Probe- und auf mittlere Sicht auch Aufführungsorte bereitstellen. Die Gründer des ZfDK sind der in Chemnitz lebende Germanistik-Student und Radio-Journalist Pascal Anselmi sowie Hannah Saar, die in München und London Theater- und Kulturwissenschaften studiert hat und heute selbständig als Regisseur und Produzentin im Theaterbereich arbeitet.

Altchemnitzer Straße 27 (Spinnereimaschinenbau), Büroraum: Ulrike Sorge
Nach mehrjähriger Festanstellung als Regieassistentin – zuletzt am Schauspiel Chemnitz – wagt Ulrike Sorge den Sprung in die Selbständigkeit. Mehrere Theaterprojekte, darunter Regie-Arbeiten und die Gründung einer Theater-AG an einer Chemnitzer Schule, sind bereits in Vorbereitung. Im KRACH-Wettbewerb suchte Ulrike Sorge einen Büroraum, eine Basis, von der aus sie ihre Projekte organisieren, sich aber auch ihrer zweiten Leidenschaft, dem Hörspiel, widmen kann.

Altchemnitzer Straße 27 (Spinnereimaschinenbau), Werkstatt: prekär 017
Dem Design und Bau besonderer Wohn- und Arbeitsmöbel hat sich das Projekt „prekär 017“ verschrieben. Insbesondere kostengünstige, dabei aber flexibel einsetzbare Küchen-, Büromöbel- und Regalsysteme wurden von Rayk Pehlgrimm bereits entwickelt und als Prototyp hergestellt – die Produktlinie „prekär 017“. Der Designer mit Abschluss an der Fakultät für Angewandte Kunst Schneeberg setzt dabei insbesondere auf den Einsatz von Fertigteilen und Halbzeugen, wie sie in den meisten Baumärkten zu finden sind. Darüber hinaus beschäftigt sich Pehlgrimm mit der Entwicklung stromloser Kühlschränke oder mobiler Duschen.

Sebastian-Bach-Straße 16: scorefab
Das Chemnitzer Start-up „scorefab“ will das Musizieren revolutionieren. Statt Noten auf Papier will es digitale Kopien für Tablet oder Handy anbieten – für die Musiker bearbeitbar, spieloptimiert dargestellt und über ein eigens entwickeltes Pedal steuerbar, für die Musikverlage der Eintritt in die digitale Welt. Das Projekt, das durch ein EXIST-Gründerstipendium und ein SAB Technologiegründerstipendium gefördert wurde, entstand an der TU Chemnitz. Für die Gründer Ulrich Halfter und Lukas Heinig soll der KRACH-Raum künftig der Ort sein, an dem Produktentwicklung und Marketing vorangetrieben werden.

Moritzstraße 20 (Das TIETZ): Stroh zu Gold
Dem Trend zu Recycling und Upcycling folgt das Projekt „Stroh zu Gold“. Die in Schneeberg ausgebildete, mehrfach preisgekrönte Modedesignerin und Schneiderin Babette Sperling will ein eigenes Label entwickeln. Für ihren KRACH-Raum plant sie eine Kombination aus Mitmach-Werkstatt, offener Designmanufaktur und Atelier. Hier sollen aus bestehenden bzw. während der textilen Ketten entstehenden Abfällen, aber auch aus Müll neue, einzigartige Produkte entstehen – einerseits in ihrer Arbeit als Designerin, andererseits mit ihrer Unterstützung durch die Besucher ihres Ladengeschäfts selbst.

Karl-Liebknecht-Straße 21 (Die Glocke): RWL Creative Coffee Hub
Einen KRACH-Raum mit Energie, Kreativität und Kaffeeduft füllen will das Team von „RWL Creative Coffee Hub“. Basis des Projekts ist eine Kaffeerösterei. Die hier entstehenden Spezialitäten sollen in einem Café ausgeschenkt und in einem Laden verkauft werden – und zugleich weiteren kreativen Köpfen im KRACH-Raum, darunter einer Modedesignerin, einer Tanzchoreographin und Musikern, Energie geben. Insgesamt besteht das international zusammengesetzte Team derzeit aus fünf Köpfen: Perez und Carolin Weigel, David und Janine Rozali sowie Tristan Lodge.

Leipziger Straße 51: Holy Heart Design
Das 2015 gegründete Unternehmen „Holy Heart Design“ gestaltet stimmungsvolle Blickfänger für Raum und Körper: Holzbilder, Poster und Textilien mit selbst entworfenen, Motiven verkaufen sie inzwischen deutschlandweit und ins Ausland. Dabei verbinden sie modernes Design mit christlichem Glauben und bedienen damit eine in ihrer Größe nicht zu unterschätzende Zielgruppe. In ihrem KRACH-Raum wollen die Gründer Samuel Reinig und Jonas Thielemann künftig ihre Produkte auch verstärkt selbst produzieren – und zugleich in einem Ladenlokal der regionalen Kundschaft anbieten.

Brühl 42, Laden 1: Unknown Basics / Unknown Studios / Unknown Sports
„Unknown Basics“ ist ein junges, gleichwohl bereits mit internationaler Anerkennung beehrtes Modelabel aus Chemnitz, das sich auf basketball-affine Streetwear spezialisiert hat. Dabei arbeitet das Label mit nationalen und internationalen Künstler:innen zusammen. „Unknown Studios“ versteht sich als Dienstleister für mittelständische und große Unternehmen, die besonderen Wert auf modernes und fortschrittliches Marketing legen. „Unknown Sports“ ist eine Basketball Management Agentur. Hinter allen drei Konzepten steckt Gründer Andre Zimpel, der nach seinem Studium in Angewandter Medienwirtschaft bereits für internationale Marken wie Adidas, Nike, die FIFA, Sony Music oder Louis Vuitton gearbeitet hat.

Brühl 42, Laden 2: KOMBINAT LUMP
Jungen deutschen und internationalen Künstler:innen eine große Reichweite geben und damit ihren Eintritt in den Kunstmarkt erleichtern – das ist das Ziel von „KOMBINAT LUMP“. Das Projekt plant einen Abo-Service für hochwertige Kunstdrucke, über den die Kunden die noch „frischen“ Künstler:innen kennenlernen – diese partizipieren direkt am Verkauf ihrer Werke über das Abo. Geplant wird das Projekt durch die Dresdenerin Anja Jurleit und den Chemnitzer Marco Henkel, die in ihren KRACH-Räumen sowohl Kunst reproduzieren als auch präsentieren wollen.

Brühl 46: Holzkombinat
Auf dem Brühl ist das „Holzkombinat“ bereits ein etablierter Player: Seit Mai 2015 kann jeder in der offenen Werkstatt an eigenen Holz- und Upcycling-Projekten arbeiten und dabei sowohl das Know-how der Gründer wie auch die vorhandenen Maschinen und Werkzeuge nutzen. Hinzukommen soll nun ein „Natürlichkreativ-Projektladen“, der einerseits zusätzlichen Platz für Workshops, Vorträge und Kreativangebote bereithält und andererseits Flächen zum Verkauf von ökologischen Farben, Holzlasuren und Arbeitsmaterialien bietet. Hinter dem Projekt steht das vierköpfige Team der Holzkombinat GbR, das aus Mario Haustein, Philipp Salzmesser, Sebastian Czebe und Caroline Krügler besteht.