Die passenden Azubis fehlen

Sabine Zimmermann, Vorsitzende DGB Kreisverband Zwickau, lud am Montag Vertreter aus der Wirtschaft zu einem Gespräch zum Thema Ausbildungssituation im Landkreis Zwickau ein. Foto: Alice Jagals

Zwickau. „Arbeitssuchende ohne abgeschlossene Ausbildung haben das fünffach höhere Risiko arbeitslos zu bleiben als ihre Mitstreiter, die einen Berufsabschluss in der Tasche haben.“ Die Aussage vom Chef der Zwickauer Agentur für Arbeit Andreas Fleischer scheint logisch. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass im August das neue Lehrjahr beginnt und noch immer rund 600 Jugendliche ohne einen Lehrvertrag dastehen, lässt nachdenklich werden. Dabei stehen noch 700 Azubi-Stellen im Landkreis offen. Wo liegt also das Problem?

Zunächst die gute Nachricht: „Die Schüler und Schülerinnen sind nicht dümmer geworden. Es sind einfach weniger, die für das entsprechende Angebot geeignet sind“, weiß Fleischer. „Besetzungsprobleme haben vor allem auch die kleinen Betriebe“, fügt IHK-Geschäftsführer Torsten Spranger hinzu.

Gerade in den naturwissenschaftlichen Fächern wurde in technischen Berufen vor allem auf gute bis sehr gute Noten geachtet. „Heute geht auch mal eine Note 3. Das kommt eben auf den einzelnen an“, sagt Gerd Richter, Ausbildungsleiter Technify Motors GmbH in St. Egidien. Bis 2008 sei die Suche nach Azubis ein reiner Selbstläufer gewesen.

Nach der Insolvenz der Firma 2013 ging es wieder bergauf.  Er hat gute Erfahrungen mit Schülerpraktika gemacht. Denn viele wissen vorher gar nicht, dass man vor Ort als Zerspanungsmechaniker im Bau von Flugzeugmotorenbau eingesetzt wird. Somit kann auch er ein Lied davon singen, passende Bewerber zu finden.

Das Problem der Unbekanntheit unter den Jugendlichen ist das eine. Doch umso wichtiger sei es, überhaupt einmal durch die Berufsvielfalt von 350 Ausbildungsberufen durchzublicken. „Und da sollte als erstes Angesetzt werden: Die Berufsorientierung muss zentral angeboten werden und nicht durch einzelne Firmen, die im Endeffekt auf sich aufmerksam machen. Das kommt danach“, so Fleischer.

„Man muss sich auf jeden Fall bekannt machen, beispielsweise durch Messen“, sagt Uwe Klemm, Personalentwickler von GkN Driveline GmbH in Mosel. Auf zwölf Stellen kommen bei ihm derzeit 120 Bewerber. Diese haben sich bereits im Herbst gemeldet. Über einen Eignungstest im FAW wurden sie letztenendes ausgewählt. „Bis April habe ich alle Bewerber zusammen“, so Klemm.

Apropos FAW: In der Fortbildungsbildungsakademie an der Audistraße in Zwickau haben Arbeitnehmer und somit auch –geber die Möglichkeit, Zusatzqualifikationen anzubieten bzw. zu erwerben. „Das ist ein großes Plus, so jemanden vor Ort zu haben“, so Fleischer. Denn oft bestehe das Problem, dass gerade die Azubis noch keinen Führerschein haben.

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