Helge Leonhardt : „Die positive Serie nahtlos fortsetzen“

Präsident Helge Leonhardt bei seiner Ansprache an die Fans vor dem Spiel gegen Union Berlin am 23. Dezember: „Mit Euch wird das Licht im Schacht niemals ausgehen!“ Foto: Birgit Hiemer

Kurz vor beginn der Rückrunde sprach Olaf Seifert für WochenENDspiegel.de mit FCE-Präsident Helge Leonhardt .

Die Mannschaft hat sich zehn Tage im türkischen Frühling vorbereitet, Helge Leonhardt war mit in Belek. Welche Eindrücke haben Sie gewonnen?
Was wir uns vornahmen, wurde erfüllt. Die Testspiele gegen gute Gegner – die Drittligisten Hallscher FC und Hansa Rostock sowie den Schweizer Erstligisten FC Sion – wurden gewonnen. Wir haben uns effektiv vorbereitet und die Zugänge Louis Samson und Ole Käuper fanden ins Team. Das Wetter kann man leider nicht buchen, aber das Gesamtergebnis passte trotz des vielen Regens.

Stichwort Zugänge, was erwarten Sie von ihnen und sind weitere geplant?
Samson hatte sich in Aue zum Leistungsträger entwickelt. Wir haben ihn heimgeholt ins Erzgebirge. Es gab also null Integrationsprobleme. Er ist technisch versiert und für mehrere Positionen gut; als Sechser, oder in der Dreierkette im Zentrum. Steve Breitkreuz hatte zuletzt ja gesundheitliche Sorgen. Louis kann auch für ihn einspringen. Käuper war vom Typ her ein Wunschspieler im zentralen Mittelfeld. Er hat trotz seiner Jugend das Zeug, sich zu einem Antreiber zu entwickeln. Ole ist willensstark und passt zu uns.
Und ja, wir sind weiter auf dem Markt unterwegs. Das Fenster ist bis 31. Januar offen, wenn sich was ergibt, werden wir reagieren. Gute Spieler wollen inzwischen nach Aue, mit dem neuen Stadion und der positiven Vereinsentwicklung sind wir eine zunehmend geschätzte Adresse, uns liegt eine Vielzahl Anfragen vor.

Wie ist der FCE aufgestellt?
Wirtschaftlich sehr ordentlich, auch wenn es eine Gratwanderung bleibt, im Profifußball zu bestehen. Qualität auf dem Platz hängt halt auch wesentlich vom Geld ab. So ist es im Profifußball. Umso erfreulicher ist das Geleistete – vom Profikader übers Nachwuchsleistungszentrum bis zu jedem Einzelnen in der Geschäftsstelle und den vielen Ehrenamtlichen. Dafür allen mein Dank! In Stadionbau und Infrastruktur hat der Verein selber beträchtliche Mittel investiert, ohne sich zu verschulden. Das ist herausragend und bei manch anderem Verein mag man das gar nicht glauben. Ist aber so.

Das neuen Stadion ist ein enormer Imagegewinn, dort springt der Funke über auf Fans und Mannschaft. Es ist das Wohnzimmer der Spieler, das fast täglich genutzt wird, wo sie alles auf engem Raum haben: Trainingsplätze, Halle, Fitness, Gaststätte, Geschäftsstelle. Ich kenne zig Vereine, wo die Profis nur bei ihren Heimspielen alle 14 Tage im eigenen Stadion zu Gast sind. Das wäre in Aue ein Unding.

Sportlicher Erfolg macht da vieles leichter, lief die Hinrunde positiv?
Unterm Strich ja. Dabei war das Auftaktprogramm extrem. Pech bei Union, nur ein Punkt gegen Magdeburg, dann zwei brutale Auswärtspartien bei den als Aufstiegsanwärter gehandelten Kölnern und Ingolstädtern. Aber wir sind ruhig geblieben und die Mannschaft hat sich gefunden. Auch wenn es zwischendurch mal holperte, die letzten vier Spiele waren dann richtig klasse, speziell die Siege in Fürth und das 3:0 gegen Union.

Was steht vor allem für den Erfolg?
Eine gestandene Stammelf und die Etablierung der Führungsachse Breitkreuz, Hochscheidt, Testroet. Sie nehmen die anderen mit. Das Team spielt inzwischen mutigen, offensiven Fußball aus einer sicheren Abwehr heraus. Es macht Spaß, den Jungs zuzuschauen. Auf unsere gestandenen Profis wie zum Beispiel Clemens Fandrich ist ebenso Verlass wie auf die Zugänge. Sechs Neue schafften es in die Stammelf. Krüger und Iyoha als junge Spieler, die sich bei uns zunehmend entwickeln, sind zurzeit nicht wegzudenken.
Ganz wichtig: der Trainerstab mit Chef Daniel Meyer, der in der Lage ist, mit variablen Systemen zu spielen, was seine Jungs inzwischen gut umsetzen können. Systemvariabilität ist einer unserer großen Trümpfe. Damit sind wir nur schwer berechenbar. Wir als Team mit Präsident, Vorstand, Chefcoach, Trainerstab arbeiten sehr konstruktiv und effektiv miteinander und sind quasi täglich im Kontakt.

Daniel Meyer hat auch einen Kopf für sich.
Und? Gut so, er macht einen guten Job. Ist resolut, wo er Verantwortung trägt und das ist das Angenehme für mich. Daniel sagt, was er denkt. Er ist ein Teamarbeiter, mit dem man immer offen und ehrlich reden kann. Das ist enorm wichtig in einer so verantwortungsvollen Funktion. Die strategische Linie im Verein geben Präsident und Vorstand vor, der Cheftrainer und sein Team setzen sie um.

Bertram und Rapp verlassen den Verein.
Sören wollte eine neue Herausforderung und ich habe seinem Wunsch entsprochen. Er hat Verdienste in Aue, deshalb konnte er ablösefrei gehen. Das mit Nicolai kam plötzlich, aber so ist das Geschäft. Er hat sich mit seinen Leistungen in Aue empfohlen und will den nächsten Schritt gehen. Ich wünsche beiden Jungs alles Gute. Sie werden Aue bestimmt nicht vergessen, da bin ich mir sicher.

Hat Sie die Entwicklung von Pascal Testroet überrascht?
Nein, mein Gefühl von unserem ersten Kontakt an hat sich bestätigt. Er ist vom ersten Tag an in Aue angekommen. Toller Fußballer, toller Charakter. Ich denke, er weiß auch, was er am Verein hat. Pascal passt zu Aue, er kann vollstrecken und vor allem auch führen. Das sieht man an Krüger und Iyoha. Er ist wie ein älterer Bruder für die beiden. Sie geben unermüdlich Gas, legen für Pascal auf und er macht die Dinger rein und die Jungs einwickeln sich an seiner Seite enorm. In dieser Beziehung gibt es nur Gewinner.

Zuletzt nur Kurzeinsätze für Christian Tiffert, plant der Verein weiter mit ihm?
Natürlich. Dazu hatten wir im Dezember ein konstruktives Gespräch. Christian macht ab Ende Januar den A-Trainerschein. Mit welcher Aufgabe er betraut werden soll werden wir gemeinsam ausloten. Es muss für beide passen. Christian ist ein sehr wertvoller Mensch, ich möchte, dass er in Aue bleibt.

Zum ersten Punktspiel 2019 geht es nach Magdeburg. Ihr Wunsch?
Die Serie nahtlos fortsetzen und ans erste Rückrundenspiel, den Sieg gegen Union, anknüpfen. Alle Spiele bis Mai sind knüppelhart, umso wichtiger, gleich zu Beginn hellwach zu sein. Entscheidend ist, in der Liga zu bleiben, dem ordnen wir alles unter.

Womit ist der Präsident unzufrieden?
Das große Ganze passt und wenn es im Profibereich operative Probleme gibt, werden die intern gelöst und nicht nach außen getragen. Doch im Alltag, rund um die Spiele, gibt es immer Dinge, über die sich Leute ärgern. Die muss die Geschäftsstelle, muss jeder Mitarbeiter in seinem Verantwortungsbereich klären. Viel Personal ist nicht die Lösung, ich bin für schmale, klare Strukturen, wo jeder genau weiß, was er vom frühen Morgen bis zum späten Abend macht. Und positive Kritik untereinander und die Lösung dazu, das ist wie in jedem guten Unternehmen die stärkste Triebkraft.

Gründungsjahr 1946, der Präsident sagt ja?
Thema abgehakt, ich stehe zu hundert Prozent dazu. Genauso wie zum Traditionsverein. Solange ich Präsident bin, wird es keine Ausgliederung der Profis geben, weil wir die Problematik nicht emotional, sondern rational und professionell – bezogen auf unseren Verein – mit Fachleuten analysiert haben.

In der Fanszene wird gefordert, die Zäune wie in Dresden „runter zu fahren”.
Was der Verein im Sinne von Fans tun kann, wird er tun. Aber das geht nur im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten und in Kooperation mit DFL und Landkreis. Ich meine, die Kommunikation mit den Fans auch zu diesem Thema funktioniert.

Neues Stadion, aber außer bei Topspielen bleiben zu viele Sitze leer?
Immerhin, es sind im Schnitt wieder über 10.000 Zuschauer und das Erzgebirge und Vogtland sind nicht so dicht besiedelt wie Großstädte. Leider sind nicht wenige Fans genügsam geworden. Bei null Grad und Regen guckst du Aue eben lieber bei Sky und einem Bierchen im Warmen. Umso dankbarer bin ich den Fans, die immer kommen und mit auswärts fahren, namentlich der aktiven Szene und den treuen Fanclubs, quasi „unseren Unsterblichen“!

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