Die Wut der Wirte

Erneuter Aufschrei der Gastronomen im Freitstaat. Über die DEHOGA fordern sie die sofortige Öffnung von Hotels und Gaststätten. Das Motto: Lieber Kneipe als Privat-Party. Foto: pexels.com

Besser Kneipe als Privat-Party

Sachsen. Der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Sachsen fordert einen Strategiewechsel in der Pandemiebekämpfung. Die Politik müsse endlich die richtigen Entscheidungen treffen und sinnvolle Anreize setzen, um die Pandemie effektiv zu bekämpfen. Laut DEHOGA waren und sind die Gäste in den Betrieben jederzeit sicher aufgehoben – auch zukünftig.

Axel Hüpkes, Präsident des DEHOGA Sachsen: „Wir erleben jetzt seit Monaten, dass man das Gegenteil von dem bewirkt, was man erreichen will, wenn man die Bevölkerung einsperrt. Menschen treffen sich dennoch, heimlich in privaten Räumen. Dicht gedrängt am Küchentisch, in kaum gelüfteten Partyräumen oder auf dem Ausziehsofa ist viel gefährlicher als in unseren Betrieben. Dadurch werden die Infektionszahlen weiter nach oben getrieben. Deshalb ist es dringend geboten, die Menschen endlich wieder in die öffentlichen Wohnzimmer der Gastgeber zu lassen.“

Die Gremien des DEHOGA Sachsen haben sieben klare Forderungen formuliert und an die Landespolitik adressiert:

1. Abkehr vom Dogma der Inzidenzen; stattdessen sinnvolle Regeln zur effektiven Pandemiebekämpfung (Testen – Impfen)
2. Sofortige Öffnung von Hotels und Gastronomie – als kontrollierbare Bereiche – für alle Geimpften, Genesenen und Negativ-Getesteten 
3. Umsetzung einer umfassenden Teststrategie mit 48-stündigen personalisierten „Eintrittskarten“
4. Nutzung aller geeigneten digitalen Kontakterfassungsmöglichkeiten statt staatlichem Monopol für die mobile App „LUCA“
5. Dauerhafte Reduzierung der Mehrwertsteuer für alle Leistungen des Gastgewerbes (Speisen und Getränke)
6. Verzicht auf alle branchenspezifischen kommunalen Abgaben, Gebühren und Steuern
7. Entschädigung des kompletten durch die zwangsweise Schließung entstandenen Schadens (gestern, heute, morgen) durch Zuschüsse statt Krediten

Der Verband bangt um die wirtschaftliche Existenz der 10.000 Gastgeber und über 80.000 Beschäftigten in Sachsen. Dreiviertel der Betriebe stünden nach eigener Einschätzung mit dem Rücken zur Wand und seien in akuten finanziellen Nöten. Nicht überall greifen die bundesweiten Finanzhilfen sofort. Daher müssten auch Sonderfonds schnell und unbürokratisch zur Auszahlung kommen. Die Lage sei katastrophal.

Gastgewerbe am Ende der Kräfte – finanziell, physisch und psychisch

Die politischen Entscheidungsträger in Bund und Land müssten jetzt Verantwortung für das Gastgewerbe zeigen und zielgerichtet handeln. Es gehe um nicht mehr und nicht weniger als eine ganz konkrete, verbindliche und dauerhafte Öffnungsperspektive für die Branche.

Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Sachsen, Axel Klein, stellt fest: „Viele von uns sind am Ende ihrer Kräfte, finanziell, physisch und psychisch. Hotellerie und Gastronomie drohen an dem seit nunmehr sechs Monate dauerndem zweiten Lockdown innerhalb eines Jahres zu zerbrechen!“ Es sei bedauerlich, dass die Politik nach 13 Monaten „mit Corona“ aus den gemachten Erfahrungen und Erkenntnissen der Forschung und Wissenschaft so wenig gelernt haben will.

„Wir erwarten von der Politik eine maßvolle und von wissenschaftlichen Erkenntnissen getragene Gestaltung des Infektionsschutzrechtes. Das Grundgesetz und damit auch das Recht der Berufsfreiheit und der unternehmerischen Tätigkeit sind dabei stets zu beachten“, so Hüpkes abschließend.

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