Dienst auf Zeit: 77-Jährige vertritt Oberbürgermeister

 

Die kurze Zeit als Stellvertreter des Oberbürgermeisters möchte die 77-jährige Linken-Stadträtin der Großen Kreisstadt Aue nicht missen. Foto: H.-J. Schwochow

Dass eine 77-Jährige die Aufgaben einer Stellvertreterin des Oberbürgermeisters übernimmt, dürfte in der sächsischen Kommunalpolitik eher selten sein. Nicht so bei Heide-Marie Bamler. Die Linken-Fraktionschefin im Auer Stadtparlament erfüllte die Voraussetzungen des Paragrafen 54 der Sächsischen Gemeindeordnung und nahm somit als das „an Lebensjahren älteste, nicht verhinderte Mitglied des Gemeinderats die Aufgaben des Stellvertreters des Bürgermeisters“ wahr.

Die gesetzliche Regelung trat in Kraft, weil durch die Fusion der Großen Kreisstadt Aue mit der Gemeine Bad Schlema zum 1. Januar  die bisherigen Bürgermeister Jens Müller (Bad Schlema) und Heinrich Kohl (Aue) in den Ruhestand versetzt wurden. So gehörte die Abberufung der bisherigen Rathauschefs und ihre Ernennung zum „Beigeordneten mit der Bezeichnung Bürgermeister“ zu den ersten Amtshandlungen des neuen Stadtoberhauptes. Die Ernennungsurkunden mit ihrer Unterschrift tragen das Datum 7. Januar 2019.

„Von dem, was da auf mich zukam, hatte ich keinerlei Vorstellung. Erst im November wurde alles konkreter. Ich habe mich davon leiten lassen, dass es meine Pflicht ist, ein an mich herangetragene Aufgabe zu erfüllen“, so die Ortschefin auf  Zeit. Letzteres trifft deshalb zu, weil ihre Amtszeit am 16. Januar schon wieder endete. An diesem Tag fand in Aue die 1. Sitzung des Stadtrates statt. An ihr nahmen die Abgeordneten beider Kommunen teil. Sie befanden darüber, welche Geschäftskreise die beiden Beigeordneten übernehmen werden. Die Ratsvorlage sah für Heinrich Kohl die Bereiche Hauptamt, Finanzverwaltung, Ordnungs- und Umweltamt sowie die Stabsstelle Wirtschaftsförderung vor. Die Geschäftskreise Amt für Kultur- und Tourismus, Bauamt/Liegenschaften sowie Bildung und Soziales wurden dem Beigeordneten Jens  Müller übertragen. Die Abgeordneten stimmten mit einer Gegenstimmung diesem Beschlussvorschlag zu.

Die Stadtratssitzung brachte zudem Klarheit über den Einsatz eines Amtsverwesers. Hierzu hieß es in der Beschlussvorlage: „Um besonders das laufende Geschäft möglichst ohne Brüche und Verzögerungen zu bewältigen (für die Zeit bis zur rechtskräftigen Feststellung der Gültigkeit der Oberbürgermeisterwahlen), wird dem Stadtrat vorgeschlagen, Steffen Möckel zum Amtsverweser zu bestellen.“  Mit diesem Personalvorschlag wurde berücksichtigt, dass Steffen Möckel als einziger Laufzeitbeamter über langjährige Verwaltungserfahrungen in Bad Schlema verfügt und die Fusion beider Orte von Anfang an begleitet hat. Vor der Abstimmung stellte Stefan Hartung (NPD) den Antrag, gleichfalls auf die Wahlliste gesetzt zu werden. Dem wurde zugestimmt. Im Ergebnis der Abstimmung erfolgte mit einer ungültigen Stimme die Bestellung Steffen Möckels zum Amtsverweser.

Ist Heide-Marie Bamler als „Übergangs-Amtsperson!“ nach dem 16. Januar arbeitslos? Ihre klare Antwort: Nein! Bis zum Termin der Oberbürgermeisterwahl am 26. Mai steht sie an der Spitze der Stadtratsfraktion der LINKEN und wird versuchen, sich für Bürgeranliegen einzusetzen, die in ihrer kurzen, aber sehr interessanten „Regierungszeit“ an sie herangetragen wurde. Dazu gehört beispielsweise die Suche nach einer Alternative für den seit geraumer Zeit geschlossenen ALDI-Einkaufsmarkt an der Damaschkestraße in Aue. Unbedingt möchte sie sich bei den Mitarbeitern der Stadtverwaltung bedanken, die ihr seit dem 1. Januar unterstützend zur Seite stehen.

H.-J. Schwochow

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