Dierks: Die AfD ist ein politischer Gegner

Sachsens CDU-Generalsekretär Alexander Dierks auf dem Parteitag, auf dem er im Amt bestätigt wurde. Foto: Florian Gaertner/photohek

Es mangelte an Geschlossenheit…

Von Sven Günther
Region. Er ist der Mann im Hintergrund, ein Zusammenbringer, Strippenzieher, Organisator. Alexander Dierks. Geboren in Bietig-Bissigheim (Gründungsort der Band PUR), Abitur in Dresden, Politikstudium in Chemnitz, seit 2013 im Landtag, seit 2017 Generalsekretär der CDU in Sachsen. Jetzt wurde er mit 75,5 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Dierks lebt auf dem Kassberg – und hat einen politischen Marathonlauf vor sich. Das Ziel: Die Christdemokraten im Freistaat zu neuer alter Stärke führen. Dem WochenENDspiegel gab er dieses Interview.

WOCHENENDSPIEGEL:
Die Wahl ging in Deutschland krachend, in Sachsen erdrutschartig verloren. Mit 22,2 Prozent der Erststimmen und 17,2 Prozent der Zweitstimmen lag die CDU klar hinter der AfD 25,7 bzw. 24,6 Prozent. Welche Fehler wurden aus Ihrer Sicht gemacht?
ALEXANDER DIERKS:
Die CDU hat die Wahl in ganz Deutschland verloren und in Ostdeutschland besonders schwach abgeschnitten. Es hat an Geschlossenheit von CDU und CSU und einer klaren thematischen Agenda gemangelt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Kanzlerkandidat speziell im Osten viele Wählerinnen und Wähler nicht überzeugen konnte.

WOCHENENDSPIEGEL:
Veronika Bellmann raus, Alexander Krauß raus, Frank Heinrich raus, Carsten Körber und Marco Wanderwitz nur über die Liste im Bundestag. Allein Yvonne Magwas konnte ihren Wahlkreis gewinnen. Ihnen geht prominentes Personal verloren…?
ALEXANDER DIERKS:
In den beiden Dresdner Wahlkreisen und im Leipziger Norden haben unsere Kandidaten auch direkt gewonnen. Das täuscht natürlich nicht darüber hinweg, dass diese Mandatsverluste schmerzen und es viele Kolleginnen und Kollegen getroffen hat, die in den letzten Jahren entscheidend zu einer guten Entwicklung in ihren Wahlkreisen beigetragen haben.

WOCHENENDSPIEGEL:
Welchem neuen Parteichef trauen Sie persönlich zu, die CDU wieder zu alter Stärke zurückzuführen?
ALEXANDER DIERKS:
Einen personellen und inhaltlichen Neustart der CDU kann kein einzelner Vorsitzender schaffen. Dafür braucht es ein starkes Team. Die Aufgaben, die vor der Partei liegen, verlangen eine Verteilung auf viele Schultern. Aus Sicht der Sächsischen Union ist es wichtig, dass auch im künftigen Bundesvorstand Ostdeutschland wieder stark vertreten ist. Neben den Ministerpräsidenten Dr. Reiner Haseloff und Michael Kretschmer kann gerne noch das ein oder andere Bundesvorstandsmitglied mehr dabei sein.

WOCHENENDSPIEGEL:
Alle sind gut, die Basis soll entscheiden, schauen wir mal…Ist es nicht genau dieses Lavieren um konkrete Antworten, das aus Stamm- Wechselwähler werden ließ?
ALEXANDER DIERKS:
Die Mehrheit der CDU-Mitglieder in Sachsen befürwortet eine Mitgliederbefragung zum Parteivorsitz. Der Entscheidung der Basis möchte ich nichts vorwegnehmen. Es ist wichtig, dass die Partei nach der Vorsitzendenwahl geschlossen an die Arbeit geht, um sich zu erneuern. Nur so können wir wieder ein überzeugendes Angebot liefern, um Wähler zurückzugewinnen und neue Wählergruppen für uns erschließen.

WOCHENENDSPIEGEL:
Sie sind der neue alte Generalsekretär der CDU, wurden mit 75,5 Prozent der Stimmen erneut gewählt. Dazu Gratulation und Beileid. Wie wollen Sie bis zur nächsten Landtagswahl den Trend in Sachsen drehen, Wähler zurückgewinnen?
ALEXANDER DIERKS:
Beileidsbekundungen sind nicht nötig. Ich freue mich sehr, dass ich zwei weitere Jahre für die Sächsische Union als Generalsekretär arbeiten darf. Wir haben im Landtagswahlkampf 2019 sehr viel richtig gemacht und wurden stärkste Kraft. Das lag zum einen am politischen Stil von Michael Kretschmer, und zum anderen, weil wir ganz konkrete Themen gesetzt haben, die für die Menschen im Freistaat wichtig waren.
Ich denke hier beispielsweise an 1.000 zusätzliche Polizisten für Sachsen bis 2024. Dieses Ziel erreichen wir bereits deutlich früher. Auch die von uns im Wahlkampf geforderte Landarztquote und der Ausbau der Medizinerausbildung sind vom Landtag beschlossen. Das bedeutet, dass die CDU zuhört, welche Anliegen den Menschen im Freistaat wichtig sind, konkrete Projekte daraus macht, diese anpackt und umsetzt. Diesen Weg werden wir bis 2024 weiter gehen.

WOCHENENDSPIEGEL:
Es ist ja offensichtlich, dass Ihnen die AfD den Rang abläuft. Müssen Sie vor diesem Hintergrund nicht den Umgang mit dieser Partei überdenken?
ALEXANDER DIERKS:
Parteien wie die SPD, die FDP oder die Grünen sind politische Mitbewerber. An diese Parteien hat die CDU übrigens zur Bundestagswahl viele Wähler verloren. Die AfD ist ein politischer Gegner. Es ist eine zentrale Aufgabe der Christdemokratie, sich nicht mit dieser Partei gemein zu machen und ihr entschieden entgegenzutreten. Wenn der Verfassungsschutz 50 Prozent der AfD-Mitglieder in Sachsen als rechtsextrem einschätzt, sagt das sehr viel über diese Partei Sie ist kein Partner. Nicht jetzt und nicht in Zukunft.

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