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Artikel von: Sven Günther
21.01.2022

Diese blinde Frau fühlt Brustkrebs

Christine Kanetzki „sieht“ als blinde Frau mit ihren Fingerspitzen. Foto: Frances Enderlein

Mit Fingerspitzengefühl gegen Krebs

Reichenbach. Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Im Jahr 2020 wurden in Sachsen 875 Todesfälle registriert, die auf diese Diagnose zurückzuführen sind. In Deutschland waren es 18.586. Das sind 50 Frauen, die jeden Tag dieser heimtückischen Krankheit zum Opfer fallen.

Experten fürchten, dass die Zahlen steigen, weil während der Corona-Pandemie Patientinnen die Vorsorgeuntersuchungen viel zu wenig wahrgenommen haben.

Dabei sind die Heilungschancen gut, wenn der Brustkrebs rechtzeitig erkannt wird. Denn nicht der Tumor in der Brust ist lebensbedrohlich, sondern seine Metastasen, wenn er bereits in den Körper gestreut hat. Die innovative Diagnosemethode Taktilographie des bundesweit aktiven Sozial- und Inklusionsunternehmens discovering hands hilft, Gewebeveränderungen schon im frühesten Stadium zu erkennen – ab einer Größe von etwa sechs Millimetern.

Christine Kanetzki ist bei discovering hands angestellt und arbeitet seit 2014 als ausgebildete Brusttastexpertin. Seit Anfang letzten Jahres untersucht Frau Kanetzki auch Frauen in der Gynäkologischen Praxis des Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) der Paracelsus Klinik Reichenbach.

Während der bis zu 60-minütigen Untersuchung nach einem standardisierten und evaluierten Verfahren orientiert sich die blinde Tastexpertin mit Hilfe von Spezialklebestreifen an der Brust und tastet das Brustdrüsengewebe in drei Tiefenebenen ab. Die Tastuntersuchung findet unter der ärztlichen Verantwortung von Frau Dr. med. Annett Feist statt. Falls die MTU eine Auffälligkeit ertastet hat, veranlasst die Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe weitere Untersuchungen wie Brust-Ultraschall oder Mammographie. Jede interessierte Frau, egal ob Patientin im MVZ oder nicht, kann die Taktilographie dort wahrnehmen.

„Wir haben mit der Taktilografie ein wirkungsvolles und nebenwirkungsfreies zusätzliches Diagnoseverfahren. Ich sehe in dieser Methode eine hilfreiche und sensible Ergänzung zu der üblichen Tastuntersuchung. Diese Untersuchung stellt keinen Ersatz für das Mammographie Screening oder die Sonographie der Brustdrüse dar, wird aber gerade von Patientinnen mit ‚Apparateangst‘ gern angenommen.“ erklärt Dr. Feist.

Dr. med. Annett Feist und MTU Christine Kanetzki erachten die nebenwirkungsfreie Taktilographie als ideale Ergänzung zur ärztlichen Vorsorge und Früherkennung, die Frauen größtmögliche Sicherheit bietet: Die MTU kann sich viel Zeit für jede Patientin nehmen und ist eine versierte Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um die Brustgesundheit. Die Gynäkologin Feist arbeitet sehr gerne mit der MTU zusammen.

Die Brust wird nach einem festgelegten Schema untersucht

Ergebnisse einer wissenschaftlichen Vorstudie der Universitätsklinik Essen haben gezeigt, dass bei einem Screening von 450 Patientinnen durch Ärzte und MTUs etwa 28 Prozent aller entdeckten Tastbefunde nur durch die MTU entdeckt wurden. Bereits 29 gesetzliche und alle privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten. Anderweitig versicherte Frauen können sie als IGeL-Leistung wahrnehmen.

Laut Robert-Koch-Institut wird etwa eine von acht Frauen im Laufe ihres Lebens mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert, das Risiko für die Erkrankung steigt mit zunehmendem Alter. Im Durchschnitt sind die Frauen bei der Diagnose 64 Jahre alt.
Interessierte Frauen können im Paracelsus MVZ Reichenbach unter der Telefonnummer 03765-54-2415 einen individuellen Termin vereinbaren. Die Taktilographie-Sprechstunde findet immer Mittwoch von 9 – 15 Uhr statt.

www.discovering-hands.de