„Dieses Stadion ist nicht selbstverständlich“

Daniel Meyer ist Cheftrainer des FC Erzgebirge Aue. Bild: Foto-Atelier LORENZ Zschorlau

Daniel Meyer heißt der neue Cheftrainer der Auer Veilchen, den Präsident Helge Leonhardt am 14. Juni im Stadion vorstellte. Der 38-jährige Fußballlehrer wechselte vom 1. FC Köln zum FC Erzgebirge. Sein Vertrag läuft bis Juni
2020 und gilt für die 2. Bundesliga. Dem Neuen stehen Co-Trainer Robin Lenk, Torwarttrainer Max Urwantschky, Athletiktrainer Werner Schoupa und Marc Lorius zur Seite.

Erst Leichtathletik, dann Fußball

Marc ist studierter Sportwissenschaftler und begleitet speziell die Themen Leistungsdiagnostik/Sportanalyse. Bei den Geißböcken arbeitete der in Halle an der Saale geborene Meyer in den letzten zwei Jahren als sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, war zudem Trainer der U-21- und U-19-Mannschaften. Mit dem Fußballspielen begonnen hatte er bei der BSG Post Strausberg, wechselte dann innerhalb der Stadt zum ASV Vorwärts, dem heutigen FC Strausberg. Als aktiver Leichtathlet mit Faible für Mittelstrecke, Weit- und Hochsprung war der junge Stürmer auf der rechten Außenbahn schnell unterwegs, lief die hundert Meter unter zwölf Sekunden.

Nach drei Kreuzbandrissen musste der 18-Jährige die Töppen jedoch an den Nagel hängen, übernahm damals mit den B-Junioren sein erstes Team. „Beim FC Strausberg bekam ich dann schon mit 22 Jahren die Chance, die erste Männermannschaft zu trainieren. Dafür bin ich meinem Heimatverein, wo ich weiterhin Mitglied bin, dankbar. Wir sind dann zweimal hintereinander aufgestiegen, bis in die Verbandsliga”, erinnert sich der jetzige Aue-Coach. Den Fußball zum Beruf machen, daran dachte er seinerzeit nicht im Traum. „Jurist war Plan A, ich sollte in der Anwaltskanzlei meines Vaters einsteigen. Dass ich hier als Trainer eines Zweitbundesligisten sitze, ist eigentlich gegen jede Wahrscheinlichkeit”, meint der 38-Jährige.

Den frisch gebackenen Jurist zieht es wieder zum Fußball

Nach erfolgreichem Studium zog es ihn wieder stärker zum Sport. Der erste Schritt auf dem neuen Weg führte zum FC Energie Cottbus, dem Platzhirsch in Fußball-Brandenburg, der seinen Talenten hervorragende Bedingungen bietet. „Ich übernahm das U-17-, dann das U-19-Team in der Bundesliga. Schließlich leitete ich die Nachwuchsarbeit bei den Lausitzern und als Assistent des Sportdirektors waren mir juristische Kenntnisse ab und an ganz nützlich”, fasst er die Zeit von 2011 bis 2014 zusammen. Anschließend ging Meyer in seine Geburtsstadt zum Halleschen FC in die Nachwuchsausbildung. Längst aber hatte er da sein großes Ziel vor Augen, als Cheftrainer im Profibereich zu arbeiten. 2015 erwarb der am 10. September 1979 geborene Hallenser den Fußballlehrerschein an der Hennes-Weisweiler-Akademie des DFB in Köln.

Und in Köln, bei den Geißböcken, sollte er auch den nächsten Karriereschritt nehmen. Unter zahlreichen Bewerbern hatten Headhunter genau ihn als Leiter des Nachwuchsbereichs beim Kultverein ausgewählt. „Die Monate bei dem großen Klub haben meinen Horizont erweitert, ich wurde mit ganz neuen Themen konfrontiert und roch die besondere Fußballluft im Revier an Rhein und Ruhr, wo es so viele Traditionsklubs wie nirgends sonst in Deutschland gibt”, lautet sein Resümee zweier wunderbarer Jahre. Damals hatte Daniel Meyer auch mit den Nachwuchsleuten von Schalke 04 zu tun, inklusive kurzer Kontakte zu Domenico Tedesco. „Ich freue mich, dass er heute nach Aue kommt. Alle hier beim FC Erzgebirge reden sehr, sehr gut über den ehemaligen Veilchen-Trainer.”

Lust auf Fußball in Aue

Man sei sicher, aus den vielen Bewerbern den passenden Mann ausgewählt zu haben, betonte Präsident Leonhardt bei der Vorstellung im Juni: „Wir hatten zuletzt vier, fünf Leute in der engeren Wahl, mit allen gab es sehr gute Gespräche. Im Vorstand und Aufsichtsrat waren wir uns schnell
einig, dass Herr Meyer zu Aue passt. Auch das Bauchgefühl spricht dafür. Wir steigen mit ihm in den Ring.” Der Tipp sei von Insidern und erfahrenen Trainern gekommen, nicht von Beratern, verriet der Veilchenboss noch. Wie schwer die Aufgabe in der, so Leonhardt, stärksten zweiten Liga der Welt wird, weiß der studierte Jurist auf dem Auer Trainersessel wohl: „Mit dem Hamburger SV und meinem letzten Verein Köln kommen weitere große Gegner auf uns zu. Unsere Aufgabe ist, in dieser Liga zu bestehen. Ich habe richtig Lust drauf und denke,
dass es gut wird.”

Das neue Stadion – auch ein starkes Argument

Gewiss hat Meyers Ja zum Auer Kumpelverein auch der Augenschein des neuen Erzgebirgsstadions befördert. „Robin und Max haben es mir gleich nach der Ankunft gezeigt, ich kannte es zuvor nur von Youtube und vom TV. So ein Stadion zu haben ist keine Selbstverständlichkeit. Ich meine, da
hat der FC Erzgebirge einen kleinen Vorsprung gegenüber einigen Vereinen, die ich kenne”, so der erste Eindruck am 14. Juni. Inzwischen ist die Begeisterung noch gewachsen: „Die Mannschaft findet hier rundum herausragende Bedingungen vor. Doch auch das Umfeld passt, alle im Verein und die Fans haben mich absolut herzlich aufgenommen. Ich fühle mich richtig wohl.” Da schmerzt auch nicht so arg, dass die Familie in Strausberg bei Berlin weiterhin recht weit weg ist. Umso mehr genieße er die knappe Zeit mit seiner Partnerin Britta, mit den beiden Mädchen Lotte und Lina, vier- und anderthalb Jahre alt. „Keine Frage, der Job ist familienfeindlich. Umso dankbarer bin ich den Dreien, nur mit ihrer Hilfe kann ich in Aue gut arbeiten.”

Was der Neue unter guter Arbeit versteht, solle jeder beim FC Erzgebirge in der 2. Liga sehen. Nur so viel: „Ich will Prozesse einleiten auf Basis vieler guter Dinge, die ich hier beim FC Erzgebirge sehe. Wir wollen sportlich schwerer ausrechenbar sein, mehr Kontinuität rein bekommen. Dafür schaffen wir in der Vorbereitung die Grundlagen.” Wo könnte die Mannschaft besser zeigen, wie sie dabei vorankommt, als heute gegen das Spitzenteam aus Gelsenkirchen?

Text von Olaf Seifert

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