Digitale Aufholjagd

Aue-Bad Schlema erhält Fördermittelbescheid für Maßnahmen zum Projekt „Digitale Schulen“

Ein neues Schuljahr hat begonnen – ein Schuljahr, das nicht mit anderen vergleichbar ist. Jedoch gab es nach den Sommerferien die klare Vorgabe, trotz der vielen Urlaubsrückkehrer und dem damit verbundenen Ansteckungsrisiko, wieder zum Regelbetrieb überzugehen. Dagegen spielte vor den Sommerferien das Thema Homeschooling eine bedeutende Rolle. Aus dieser Zeit konnte viel gelernt werden, Improvisation war gefragt und einige Ideen sollen auch weiterhin in den Unterricht integriert werden. Aber eines wurde während dieser ganzen Zeit auch deutlich, wie Staatssekretär Herbert Wolff beschreibt: „Es gab im Vorfeld einen intensiven Meinungsbildungsprozess und umfangreiche Studien, die ein erschreckendes Ergebnis zeigen: Nämlich, dass sich ein Großteil der Schüler durch Homeschooling vereinsamt gefühlt hat. 80 Prozent von ihnen haben gesagt, dass sie wieder zurück in die Schule wollen, wo der direkte Austausch mit Mitschülern und Lehrern gegeben ist. Das Ergebnis hat uns deutlich gemacht, welche Probleme durch Homeschooling entstanden sind, daher haben wir uns entschieden, nach den Sommerferien wieder mit Präsenzunterricht einzusteigen.“

Schulleiterin der Oberschule Aue-Zelle Heike Dietz, Oberbürgermeister Heinrich Kohl, Staatssekretär Herbert Wolff und Grundschulleiter Jörg Prager (v.l.)

Mobile Endgeräte für die Schüler

In diesem Zusammenhang stellte sich die Frage, wie der Kontakt zwischen Lehrern und Schülern während der Quarantäne hergestellt werden könnte, dafür sei der digitale Kontakt essentiell. „Vor allem in dieser akuten Situation zeigten sich die Defizite bei der digitalen Ausstattung in den Schulen. Diese ist nicht auf dem aktuellen Stand. Wir wollen die Krise jedoch auch als Chance wahrnehmen, und das ermöglicht nun einen weiteren Schub in Richtung Digitalisierung der Schulen“, erklärt Wolff. Der Stadt Aue-Bad Schlema wurde dazu am 24. September 2020 ein Fördermittelbescheid in Höhe von 523.000 Euro überreicht. Davon sollen die Oberschule Aue-Zelle sowie die fünf Grundschulen profitieren. Es ist vorgesehen, die Schulen mit WLAN auszustatten, die bestehende Server-Technik zu aktualisieren, interaktive Tafeln in den einzelnen Räumen zu installieren sowie Arbeitsgeräte in Form von Laptops oder Tablets anzuschaffen. Zwei bis drei Geräte sollen dann pro Klasse zur Verfügung stehen. „Diese sind vor allem für die Schüler vorgesehen, die aufgrund von finanziellen oder organisatorischen Gründen keine oder nur eine eingeschränkte Möglichkeit haben, zuhause den Computer zu nutzen“, so Schulleiterin der Oberschule Aue-Zelle Heike Dietz. Die neuen Geräte für die einzelnen Schulen werden gerade beschafft.

250 Millionen Euro für den Freistaat Sachsen

Die Notwendigkeit von Innovationen im Bereich Digitalisierung ist jedoch kein neues Thema, schon länger stand es in der Diskussion. „Die Digitalisierung schreitet überall voran. In den Schulen stehen wir noch ganz am Anfang, daher beginnt jetzt die digitale Aufholjagd“, so Oberbürgermeister Heinrich Kohl. Bereits 2016 beschloss die Kultus-Minister-Konferenz bundesweit einen verbindlichen Kompetenzrahmen zur „Bildung in der digitalen Welt“. Nun erfolgt die Umsetzung des Digitalpakts, bei dem die Schulen und Schulträger vor der Herausforderung stehen, die digitalen technischen Infrastrukturen zu verbessern. Dem Freistaat Sachsen stehen dafür insgesamt 250 Millionen Euro zur Verfügung. Die Maßnahmen werden bis Ende des Jahres 2024 umgesetzt. Im nächsten Schritt soll die Wartung der Geräte durch externe Administratoren gewährleistet werden. „Das bedeutet für die Lehrer eine enorme Entlastung. Dafür stehen Sachsen weitere 25 Millionen Euro zur Verfügung. Im letzten Schritt ist die Ausstattung der Lehrer mit Endgeräten geplant, damit wollen wir auch noch in diesem Jahr beginnen“, berichtet Wolff.

Wie sieht die Zukunft aus?

An der Oberschule Aue-Zelle hat man während der Quarantäne bereits digital gearbeitet. „Wir haben die Plattform LernSax verwendet und mit verschiedenen Apps gearbeitet. Zum Großteil sind die Schüler damit gut zurecht gekommen, sodass wir diese digitalen Möglichkeiten auch zukünftig für den Unterricht vermehrt nutzen wollen. So könnte man beispielweise Hausaufgaben online zur Verfügung stellen und die Erfüllung der Aufgaben auch darüber kontrollieren. Das vereinfacht die Prozesse“, erklärt Schulleiterin Heike Dietz. Zunächst werden die Geräte im Schulbesitz sein, wie aber die Handhabung zukünftig sein soll, wenn die Geräte veraltet oder defekt sind, und dadurch eine Neuanschaffung notwendig wird, ist noch nicht geklärt. „Wir gehen davon aus, dass die Geräte erst einmal drei bis vier Jahre halten, wie es dann weiter geht, werden wir sehen“, erklärt Wolff abschließend.

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