Digitalfunk bereitet vielen Wehren Probleme

Digitalfunk Mittelsachsen Geräte

Wehrleiter Thomas Hellfeuer zeigt das Sammelsurium an alten analogen Funkgeräten und Funkmelde-Empfängern der Freiwilligen Feuerwehr Rochlitz. Die digitalen Funkgeräte und Funkmelde-Empfänger (rechts im Bild) sind ebenfalls bereits seit 2014 da. Nur bleiben diese ungenutzt. Foto: rp

Mittelsachsen/Rochlitz. Deutschland hinkt beim Digitalfunk auch weiter hinterher. Bei der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Rochlitz, Anfang Februar 2016, verlas der Wehrleiter Thomas Hellfeuer seinen Rechenschaftsbericht für das zurückliegende Jahr 2015. Dabei kam er neben vielen positiven Dingen auch auf die Probleme zu sprechen, die mit der Umstellung auf den flächendeckenden Digitalfunk noch immer einhergehen.

„Wir haben in unseren Katastrophenschutzfahrzeugen seit 2014 Digitalfunkgeräte. Diese dürfen wir aber nicht benutzen, weil den Kameraden dafür die entsprechende Ausbildung fehlt“, erklärt Thomas Hellfeuer, Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Rochlitz, gegenüber dem WochenENDspiegel. „Von daher sind diese Fahrzeuge zusätzlich mit analogen Funkgeräten bestückt. Wir fahren hier scheinbar die Technik spazieren, bis die Garantie abgelaufen ist“, erläutert er weiter. „Für die Ausbildung als Einweisungsberechtigter für den Digitalfunk muss ein Kamerad an die Landespolizeischule Sachsen in Dommitzsch delegiert werden. Aber dort sind die Plätze rar, ganz nach dem Motto „Wer zuerst kommt, malt zuerst.“ Seit Ende 2015 haben wir jetzt hier einen Kameraden, einen sogenannten „Multiplikator Digitalfunk“. Der nächste Kamerad geht im April nach Dommitzsch.“

Die analoge Funktechnik der Rochlitzer Feuerwehr wirkt zwar antiquiert und die Modellpalette sowie die Baujahre der Geräte sind vielfältig, jedoch funktioniert die Technik. Noch funktioniert sie. Erstatzteile gibt es – auch aufgrund der Umstellung auf den Digitalfunk – kaum noch.

Digitalfunk Mittelsachsen Feuerwehr Rochlitz

Die Fahrzeuge der Stadtfeuerwehr Rochlitz sind derzeit nur mit analogen Funkgeräten ausgerüstet. Die Umrüstung auf den Digitalfunk und die entsprechenden Gerätschaften erfolgt eventuell gegen Jahresende. Dafür muss die Regional-Leitstelle Chemnitz aber auch digital in Betrieb sein. Foto: rp

Digitalfunk-Probleme auch bei der digitalen Alarmierung der Rettungskräfte

Bei der Digitalen Alarmierung der Rettungskräfte sieht es nicht wirklich anders aus. Die Integrierte Regionallleitstelle Chemnitz, die eigentlich seit 2012 digital funktionieren sollte, hat technische Probleme und ist digital nicht einsatzfähig. Auch dort wird darum noch analog gefunkt und alarmiert.

„Die digitale Technik in den Rettungswagen ist für uns nicht nutzbar“, erklärt Thomas Hellfeuer, der auch für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Feuerwehr Chemnitz verantwortlich ist, weiter. „Die Rettungsleitstellen Leipzig, Dresden, Zwickau funken digital, Chemnitz nicht.“ Demzufolge nutzen die Rettungskräfte weiterhin ihre analogen „Pieper“. „Die Inbetriebnahme der millionenschweren neuen Integrierten Regionalleitstelle Chemnitz verzögert sich auch weiterhin. Man kann sich nur fragen wie lange noch“, so der Rochlitzer Wehrleiter.

Digitalfunk Mittelsachsen alte und neue Funktechnik

Derzeit agiert die Freiwillige Feuerwehr Rochlitz mit doppelt ausgerüsteter Funktechnik. Da die digitalen Geräte nicht nutzbar sind, wird mit den alten analogen Funkgeräten (links hinten) gearbeitet. Auch die Alarmierung erfolgt noch auf analogem Weg, weil die Integrierte Rettungsleitsstelle Chemnitz noch immer nicht über funktionierende Digitaltechnik verfügt. Foto: rp

Zur Alarmierung in Rochlitz sagt Hellfeuer: „Die vom Landratsamt Mittelsachsen seit dem Jahr 2012 viel gepriesene Ersatzbeschaffung der Funkmeldeempfänger lässt weiterhin auf sich warten. Und nicht nur unserer Wehr geht es so. Die alten analogen Funkmeldeempfänger geben Stück für Stück den Geist auf. Und eine Beschaffung von Ersatzteilen für diese Geräte aus dem Jahr 1993 wird immer komplizierter.“ Eine Ersatzbeschaffung der Funkmeldeempfängern wäre zwar möglich, aber ob diese Geräte dann auch den neuen Anforderungen entsprechen, kann derzeitig niemand beurteilen.

Die Systeme der digitalen Alarmierung sind je nach Hersteller auch verschieden und nicht ohne weitere technische Schritte (und damit neuerliche Kosten) untereinander kompatibel. Um keine kommunalen Mittel unnötig zu verschwenden, wurde in Rochlitz entschieden abzuwarten, für welches digitale Alarmierungssystem sich der Landkreis letztendlich entscheidet. Dahingehend warten allem Anschein nach auch noch andere Wehren und die Kameraden der Rettungsdienste auf eine Entscheidung.

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