Diskussion zu Corona-Äußerungen

Thomas Dietz (AfD) und Simone Lang (SPD). Fotos: AfD/SPD

Lang vs. Dietz: Debatte um Corona-Lage

Region. Nachdem im WochenENDspiegel eine ANZEIGE von Thomas Dietz, dem Bundestagsabgeordneten der AfD aus Lugau, erschienen ist, meldet sich die SPD-Landtagsabgeordneten Simone Lang zu Wort, reagiert auf die Äußerungen des Politikers, der auch AfD-Fraktionschef im Kreistag des Erzgebirgskreises ist.

Die Meinung von Thomas Dietz finden Sie hier

https://www.facebook.com/photo/?fbid=3372953626324433&set=a.1383692108583938

Simone Lang schreibt:

Derzeit hat die 4. Corona-Welle Sachsen fest im Griff. In weiten Teilen des Freistaates ist die Inzidenz mittlerweile auf über 1000 gestiegen. Doch ebenso rasant wie die Infektionszahlen, wächst auch die Verunsicherung in der Bevölkerung. Viele Maßnahmen werden angezweifelt, allen voran die dringend notwendigen Impfungen.

Simone Lang, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, sieht die Gründe dafür unter anderem in der bewussten Verbreitung von Fehlinformationen: „Es wird deutlich, dass durch Versuche der Fehlinformation bezüglich der Impfungen und der Corona-Pandemie, gezielt die Menschen verunsichert werden. Wer mit der Angst und Unsicherheit der Menschen spielt, handelt nicht nur unverantwortlich, sondern verlängert auch die derzeitige Lage.
Information und Kommunikation sind wichtige Bausteine, um diese Unsicherheiten zu beseitigen. Um der 4. Welle zu begegnen, braucht es neben Aufklärung, Impf- und Testangebote auch Solidarität untereinander. Deshalb appelliere ich an alle Sächsinnen und Sachsen: zeigen Sie Teamgeist. Lassen Sie sich impfen, wenn Sie können. Denn eine Impfung verringert nicht nur das Risiko eines schweren Covid-19 Verlaufes, sondern senkt auch die Virenlast deutlich und damit das Ansteckungsrisiko“, so die gelernte Krankenschwester.

Dann geht Sie konkret auf die Meinung des AfD-Politikers ein.

Falschbehauptung 1: Die Impfempfehlung der STIKO hätte sich nach aktueller Interessenlage der Politik gerichtet

Richtig ist: Die Impfempfehlung der STIKO hat sich an wissenschaftlichen Daten orientiert. Wenn sich die Datenlage aufgrund von selten auftretenden Impfnebenwirkungen geändert hat, wurden die Impfempfehlungen angepasst. Von einer Beeinflussung durch die Politik kann daher keine Rede sein.

Falschbehauptung 2: Die mRNA-Impfstoffe seien experimentelle Impfstoffe und wurden durch Notzulassungen auf dem Markt gebracht.

Richtig ist: Im Gegensatz zu Grußbritannien oder den USA, hat die EU keine Notfallzulassung der mRNA-Impfstoffe durchgeführt. Allerdings wurde der Zulassungsprozess durch ein Rolling-Review-Verfahren beschleunigt. Dabei können Arzneimittelhersteller schon vor dem Zulassungsantrag Berichte über Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit des Präparats einreichen. D. h. bereits während der Entwicklung werden neue Erkenntnisse geprüft und nicht erst am Ende. Dadurch ist das Verfahren schneller, aber nicht weniger sicher. Das zeigen auch die hunderte Millionen erfolgreicher Impfungen weltweit.

Außerdem ist die mRNA-Technologie keineswegs neu. Bereits seit über 30 Jahren wird dazu geforscht. Zum Beispiel für den Einsatz in Krebstherapien oder als Impfung gegen Tollwut, Zika oder der saisonalen Grippe. Die Corona-Pandemie hat allerdings dafür gesorgt, dass die entsprechenden finanziellen Mittel zur Verfügung stehen, um einen Durchbruch in der Produktion von mRNA-Impfstoffen zu schaffen.

Falschbehauptung 3: Arzneimittelhersteller wie Biontech/Pfizer würden den Impfstoff nicht an die aktuellen Mutationen anpassen und die aktuellen Impfstoffe seien nicht wirksam gegen die Delta-Mutation des Coronavirus SARS-CoV-2.

Richtig ist: Die Hersteller der Impfstoffe werten regelmäßig neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus und entwickeln ihre Impfstoffe fortlaufend weiter. Besonders im Hinblick auf entstehende Mutationen. Biontech hat in Studien festgestellt, dass der aktuelle Impfstoff sehr gut gegen die vorherrschende Delta-Variante wirkt, es aber nötig sein wird, eine dritte Impfung nach 6 Monaten durchzuführen, um einen effektiven Impfschutz zu gewährleisten.

Mehr dazu hier: https://investors.biontech.de/de/news-releases/news-release-details/pfizer-und-biontech-geben-vor-dem-hintergrund-der-delta-variante

Falschbehauptung 4: Die Politik hätte bewusst Intensivbetten abgebaut.

Richtig ist: Aufgrund der Belastung in Gesundheitsberufen haben viele Pflegekräfte ihren Beruf beendet oder die Arbeitszeit verkürzt. Dadurch sind ca. 4000 Intensivbetten weniger zur Verfügung als noch im Jahr 2020. Die Behauptung von bewussten politischen Maßnahmen zur Einsparung im Gesundheitswesen oder dem Abbau von Intensivbetten, ist schlicht falsch.

Falschbehauptung 5: Die Impfquote hätte keinen Einfluss auf dem Pandemieverlauf und die Inzidenzzahlen.

Richtig ist: Die Inzidenz bei Geimpften lag in Sachsen am 19. November bei 53. Im Vergleich dazu war die Inzidenz bei Ungeimpften mit 1941 deutlich höher. Wenn man nun noch berücksichtigt, dass Ungeimpfte zehnmal häufiger auf der Intensivstation landen als Geimpfte, wird die Wichtigkeit der Impfung für die Pandemiebekämpfung sehr deutlich. Nur die Impfung kann die Pandemie effektiv überwinden, ohne dabei viele Tote in Kauf zu nehmen und das Gesundheitssystem zu überlasten.

Des Weiteren erhalten Sie Informationen, welche Maßnahmen die Landesregierung ergriffen hat, um allen Menschen die Möglichkeit der Impfung, egal ob Erst- oder Zweitimpfung oder Booster, zu ermöglichen. Um den Impffortschritt weiter voranzubringen, setzt das Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt auf folgende fünf Säulen:

Säule 1: Arztpraxen

Aktuell bieten 2.100 Arztpraxen in Sachsen Impfungen an. Eine Übersicht dazu findet man hier: https://www.kvs-sachsen.de/buerger/corona-virus/impfende-praxen/

Säule 2: Betriebsärzte

Betriebsärzte könnten ca. 10.000 Impfungen pro Tag durchführen.

Säule 3: Krankenhäuser

Krankenhäuser können 10.000 Impfungen pro Tag durchführen. Einige bauen darüber hinaus sogar zusätzliche Impfstationen auf.

Säule 4: Mobile Impfteams

Aktuell können die mobilen Impfteams bis zu 6.000 Impfungen pro Tag durchführen. Ab dem 1.12.2021 werden die Kapazitäten auf bis zu 9.000 Impfungen pro Tag erhöht. In jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt soll es mindestens einen festen Standort der mobilen Teams geben. Eine Terminvergabe wird ab nächster Woche möglich sein.

Säule 5: Kommunale Impfzentren 

Zur Einrichtung kommunaler Impfzentren bzw. Impfteams über den Öffentlichen Gesundheitsdienst erhält jeder Landkreis bis zu zwei Millionen Euro und jede Kreisfreie Stadt bis zu vier Millionen Euro. Momentan sind dazu die Verwaltungsvereinbarungen zu treffen. Die Kommunen sind darüber bereits informiert und angehalten nun schnell in die Umsetzung zu gehen.

 

 

 

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