Diskussion zur Bundestagswahl

Karsten U. Teubner (AfD), Klaus Tischendorf (DIE LINKEN), Alexander Krauß (CDU), Sebastian Walter (Bündnis 90/DIE GRÜNEN), Sören Wittig (SPD) und Tino Günther (FDP) kurz vor der Podiumsdiskussion von Wirtschaftjunionen Erzgebirge und IHK. Dazu stellt sich noch Jörg Held als Einzelkandidat zur Wahl.
Foto: Sven Günther

 

Sie haben die Wahl!

Annaberg-Buchholz. „Der Worte sind genug gewechselt, laßt mich auch endlich Taten sehn…“ Knut Weißflug vom Vorstand der Wirtschaftsjunioren Erzgebirge beendete mit dem bekannten Goethe-Zitat am Montagabend nach rund drei Stunden eine interessante Podiums-Diskussion mit den Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Erzgebirge I. Er ergänzte: „Wir wünschen uns, dass der gewählte Kandidat in Berlin Politik für die Region und nicht nur für seine Partei macht.“
Vorher erlebten die Gäste eine lebhaft-sachliche Gesprächsrunde. Auf Einladung der Wirtschaftsjunioren und der Industrie- und Handelskammer stellten sich – im Bild von links nach rechts – Karsten U. Teubner (AfD), Klaus Tischendorf (DIE LINKE), Alexander Krauß (CDU), Sebastian Walter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Sören Wittig (SPD) und Tino Günther (FDP) fragen des souveränen Moderators Uwe Wicha und aus dem Publikum.

Der erste Themen-Komplex beschäftigte sich mit der Fachkräfte-Problematik.

Karsten U. Teubner (AfD): „Fachkräfte werden zur knappen Ressource und nach den Gesetzen der Marktwirtschaft werden die Preise dafür steigen. Wer einen Altenpfleger sucht, muss ihm mehr bezahlen, damit er ihn bekommt. Deshalb ist der Fachkräftemangel im Prinzip ein Segen für Deutschland, weil er die Schere zwischen Arm und Reich zu schließen hilft.
Wenn sich der Staat nur raus halten würde, fände der Arbeitsmarkt sein Gleichgewicht.“

Alexander Krauß (CDU): „Wir haben im Erzgebirge eine Arbeitslosenquote von fünf Prozent. Besser als der Bundesdurchschnitt. Das ist gut für die Leute in den Jobs, gut für den Staat, gut für die Rentner.
Wir gewinnen Fachkräfte, in dem wir das duale Ausbildungssystem stärken. Nicht jeder gute Schüler muss nach dem Abitur studieren. Entwicklungsmöglichkeiten und Karriere-Chancen gibt es auch im Handwerk. Deshalb sollten wir die Qualifikation zum Meister besser fördern.
Ein Fachkräfte-Potential sehen ich bei den Frauen, denen wir den Einstieg in den Beruf nach der Schwangerschaft erleichtern müssen. Und: Inzwischen arbeiten 1600 Leute aus Tschechien im Erzgebirge. Hier ist die Grenznähe für uns ein Vorteil.

Tino Günther (FDP): „In meiner Branche (Holzspielzeugmacher d.Red) stellt niemand mehr die Frage, wie die Geschäfte laufen oder ob die Kunden die Preise akzeptieren. Man fragt, wer in den Firmen arbeiten oder die Ware auf den Märkten verkaufen kann. Das reguliert nicht allein der Markt. Diese Ansicht ist Käse.
Es gibt zwei Potenziale. Hartz-IV-Bezieher müssen mehr dazuverdienen dürfen, ohne das durch ihren Einsatz mehr erzielte Einkommen wieder abgeben zu müssen. Und wir müssen viel mehr tun, damit ausländische Mitarbeiter schneller zu uns kommen können, benötigen ein modernes Einwanderungsgesetz.“

Sebastian Walther (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): „Fünf Prozent Arbeitslosenquote. Das hört sich gut an, hat aber auch die Schattenseite, dass viele unsere Heimat verlassen haben und es wenig junge Fachkräfte gibt. Wir benötigen eine zielorientierte Berufsausbildung und ich plädiere für eine duale Hochschule im Erzgebirge.
Wir müssen der Erwerb von Meisterprüfungen fördern. Wichtig ist, die Lebensqualität im Erzgebirge weiter zu verbessern und selbstbewusst nach außen zu kommunizieren, dass man hier gut leben kann. So kommen vielleicht auch selbstbewusste junge Menschen zurück.

Klaus Tischendorf (DIE LINKE): „Wir müssen viel mehr für die Ausbildung tun, haben 300.000 Menschen bundesweit in Übergangsmodellen zwischen Schule/Ausbildung und Beruf. Die gilt es in die Wirtschaft zu integrieren. Fakt ist aber auch, dass inzwischen nur noch jeder fünfte Betrieb ausbildet. Da müssen wir den Unternehmen helfen.
Bundesweit gibt es 329 Programme für Jugendliche. Hier müssen wir gründlich ausmisten, um Kräfte zu bündeln. Das duale Ausbildungssystem muss verbessert werden.
Und wir müssen auch ehrlich sagen: Es gibt einige Arbeitslose, die nicht in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren sind.
Zur Wahrheit gehört auch, dass Hochglanzbroschüren keine jungen Menschen zurückbringen. Wir brauche einen intakten öffentlichen Nahverkehr, Kitaplätze, Kultur und anständige Löhne.“

Sören Wittig (SPD): „Es gibt kein Patentrezept, weil die Situation von Branche zu Branche unterschiedlich ist. Es ist unrealistisch zu glauben, wir könnten den Fachkräftemangel mit Menschen aus anderen Teilen Deutschlands, der EU oder gar Drittstaaten kompensieren. Wir müssen es schaffen, dass die Leute hier bleiben. Das schaffen wir nur mit guten Löhnen und guten Perspektiven. Dazu gehört die Förderung – auch von denen, die in den Betrieben schon einen Job haben, sich aber weiterbilden möchten.
Der Mindestlohn hat geholfen, die Löhne anzuheben. Aber wir brauchen mehr Unternehmen mit Tarifbindung. Auch ich habe eine duale Ausbildung, bin Kfz-Mechaniker – und das war sehr gut.
Klar ist auch, dass wir es schaffen müssen, dass Fachkräfte unter den Asylbewerbern und aus dem Ausland schneller bei uns arbeiten können.“

 

Die anschließende Diskussion und die Antworten auf die Fragen aus dem Publikum der Kandidaten finden sie hier im Audio-Mitschnitt der Veranstaltung.

 

 

 

 

 

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