Doppel-Tests für Pendler: Handwerker schimpfen auf Regierung!

Scharfe Kritik vom Chef des sächsischen Handwerkstages (SHT) am Sozialministerium. Roland Ermer spricht von unfassbarer Überforderung, einem Schlag ins Gesicht der Handwerker, Entscheidungswirrwar und einer ungebremsten Pannenserie. Foto: Wolfgang Schmidt

„Unfassbarer Überforderung, Entscheidungswirrwarr, Pannenserie“

Region. Scharfe Kritik der sächsischen Handwerker an der Regieung. Roland Ermer, der Chef des Sächsischen Handwerkstages, lässt seinem Unmut freien Lauf, schimpft über die „unfassbare Überforderung des Sozialministerium“, von Entscheidungswirrwarr und einer ungebremsten Pannenserie. Hintergrund sind die ab 11. Januar geltenden Neuregelungen. Nach denen müssen sich Arbeitnehmer aus Tschechien wöchentlich zweimal testen lassen.

Hier seine Kritik im Wortlaut:

„In einer Zeit, in der es wegen verschärfter Corona-Beschränkungen für viele kleine und mittlere Betriebe – darunter viele Handwerker – ohnehin schwer genug ist, den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten, sorgt Sachsens Landesregierung bei einem Teil der Unternehmerschaft mit der neuen Corona-Testpflicht für Berufspendler aus Polen und Tschechien zusätzlich für miese Stimmung.

Es ist einfach unfassbar, wie überfordert unser Sozialministerium in diesen schwierigen Zeiten unterwegs ist. Lediglich per ministerieller Pressemitteilung zu verkünden, dass sich die Betreffenden ab 11. Januar 2021 regelmäßig und auf eigene Kosten (z.B. durch den Arbeitgeber) mindestens zweimal wöchentlich testen lassen müssen, ist ein Schlag ins Gesicht der entsprechenden Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen.

Seit heute Morgen haben mich zahlreiche Handwerker wie Maler, Tischler und Gebäudereiniger angerufen und ihrem Ärger Luft gemacht. Offenbar wurde in Amtsstuben wieder einmal ad hoc entschieden, ohne zugleich klarzustellen, wie das Procedere rund um die Testpflicht konkret und praktisch vonstattengehen soll. Wir brauchen z.B. mobile Anlaufstellen, klare Zuständigkeiten. – Sollte diese Testpflicht also unumgänglich sein, dann erwartet das sächsische Handwerk zumindest, dass das Land wie im Frühjahr 2020 sämtliche Kosten dafür schultert. So, wie dies offensichtlich auch jetzt noch in Bayern geübte Praxis ist.“

Zu den für Sachsen geplanten verschärften Maßnahmen zwecks wirksamer Eindämmung der Corona-Pandemie erklärt der Präsident des Sächsischen Handwerkstages:

„Sachsen ist, was Ausbreitung und Todesfolgen der Corona-Pandemie betrifft, deutschlandweit in einer besonders prekären Lage. Dass dadurch jetzt alle in Frage kommenden Hebel in Bewegung gesetzt werden müssen, um diese Entwicklung endlich zu stoppen und umzukehren, versteht sich wohl von selbst.

Und doch setzt vielen unserer Handwerksunternehmer, die auch Verantwortung für Beschäftigte und Azubis tragen, das Entscheidungswirrwarr unserer Staatsregierung mächtig zu. Die Krönung des Ganzen sind jetzt bekanntgewordene Pläne zu den Winterferien in Sachsen. Diese setzen erneut Arbeitgeber und Arbeitnehmer unter Druck, da betriebliche Kapazitäten jetzt völlig neu geplant werden müssen.

Seit Monaten stehen Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Dauerstress, um trotz Corona einen halbwegs vernünftigen Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. In vielen Betrieben und Familien macht sich mittlerweile Erschöpfung breit – auch deshalb, weil die politische Führung unseres Landes bei Entscheidungen mitunter zu wenig Professionalität an den Tag legt. Man denke hier etwa an das organisatorische Hickhack rund um Impfzentren, an das noch immer ungeklärte Procedere bei der Corona-Testpflicht für Berufspendler aus Polen und Tschechien oder an die ungebremste Pannenserie bei der Online-Plattform Lernsax…

Eben weil der Handlungsdruck zur Eindämmung von Corona auch in den nächsten Wochen hoch bleiben wird: Von politischen Entscheidungsträgern erwarten wir nicht nur deutlich mehr Organisationsgeschick, Transparenz und Verlässlichkeit, sondern zugleich einen Strategie-Fahrplan, wie das wirtschaftliche und öffentliche Leben langfristig wieder normalisiert werden soll.“

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