EHV Aue: Queen-Fan stoppt Coburgs Recken

Stopp! Vilius Rasimas hält einen Ball von Florian Billek. Foto: Manja Gehlert

EHV Aue und die Widerlegung der Grundsätze

Von Sven Günther
Lößnitz. Es gibt Handballspiele, die aus dem Rahmen fallen. Begegnungen, die als richtig geltende Aussagen ins Gegenteil verkehren. Spiele, nach denen man glaubt, nicht mehr zu wissen was richtig ist.
Der 33:25-Sieg des EHV Aue gegen den favorisierten HSC Coburg, der in der letzten Saison als Tabellen-Dritter den Aufstieg nur knapp verpasste, war solch ein Match.
Angetrieben von 1100 Fans und animiert vom Bergmanns-Blasorchester Bad Schlema, das vor der Halle, vor dem Anpfiff (Steigermarsch) und in der Halbzeit (Einlage mit den Cheerleaders Karo-Dancers) musiziert und Werbung für das 22. Europäisches Blasmusikfestival / 28. Internationales Musikfest (20./21. September) machte, wuchsen die EHV-Spieler über sich hinaus und widerlegten dabei einige als unumstößlich geltende Grundsätze.

Im Mittelpunkt: Vilius Rasimas, der Queen mag und den Mercury/Bowie-Hit “Under pressure” schätzt. Unter Druck…Wie passend!

1. Rote Karten schwächen ein Team!
Am Sonntag falsch! Als EHV-Keeper Eric Töpfer in der 21. Minute aus seinem Kasten eilte, um einen langen Pass abzufangen, prallte er mit Kevin Roch und Florian Billek (HSC Coburg) zusammen. Eine Aktion, die in ähnlicher Form wenige Minuten vorher schon einmal funktioniert hatte, ging jetzt schief. Die Schiedsrichter Wienrich/Fedtke zogen berechtigt Rot.
Da Radek Musil aufgrund von Magen-Darm-Problemen nicht im Kader war, musste Vilius Rasimas ins Tor. Und der Keeper, der in der letzten Saison nicht immer überzeugen konnte, zeigte sein Potenzial, hielt 34 Prozent der Würfe auch in entscheidenden Phasen.
Zum Beispiel als die Unparteiischen in der 49. Minute EHV-Rückraumspieler Franz Schauer nach einem Griff in den Wurfarm des Gegners die zweite berechtigte Rote Karte gegen die Auer zeigten. Da stand es 24:23 und Kevin Roch saß mit einer Zwei-Minuten-Strafe schon auf der Bank. Rasimas wehrte drei HSC-Angriffe ab und Aue zog auf 27:23 davon.

2. In Unterzahl sind Tore aus dem Positionsangriff schwer
Am Sonntag falsch! Gerade in Unterzahl gelang es dem EHV immer wieder Tore zu werfen. Der Trainer ging volles Risiko, nahm immer wieder den Keeper aus dem Kasten, um mit sechs/fünf Akteuren auf dem Parkett zu stehen. Selbst als man nach einer Zwei-Minuten-Strafe gegen Roch und Rot gegen Schauer in doppelter Unterzahl war, gelang De Santis ein Treffer zum 25:23. Insgesamt warf die Spieler des EHV sechs Tore in Unterzahl!

3. Eric Meinhardt ist nur schwer zu ersetzen
Am Sonntag falsch! Die Aufgaben des Ex-Kapitäns, in der letzten Saison “Wertvollster Spieler der 2. Bundesliga” wurden im Team des EHV gegen Coburg perfekt verteilt. Benas Petreikis führte klug Regie, fand Kreisläufer Bengt Bornhorn (vier Tore) ging oft erfolgreich in 1:1 Situationen, warf fünf Tore und verwandelte einen Siebenmeter. Dazu kam Torgefahr und Übersicht von allen anderen Positionen.

Benas Petreikis warf fünf Tore gegen Coburg. Foto: Manja Gehlert

4. Die Neuzugänge brauchen noch Zeit, um sich zu integrieren
Am Sonntag falsch! Vor dem Spiel hatte HSC-Trainer Jan Gorr dem WochenENDspiegel gesagt: “Mit Kammelodt hat der EHV Torgefahr und mit De Santis eine starke physische Komponente verpflichtet. Bis diese beiden Faktoren optimal greifen, muss die Mannschaft sich durchbeißen.” Die beiden Faktoren griffen bereits gegen Coburg optimal. Adrian Kammelodt warf elf Tore, ist mit 13 Treffern zweitbester Torschütze der Liga. Dazu hatte er immer wieder ein Auge für Bornhorn oder die Außenspieler.
Gabriel De Santis war viermal erfolgreich, machte die wichtigen Tore zum 21:21, 23:22, 24:22 und 25:23.

5. Jan Kulhanek ist nur schwer zu überwinden
Am Sonntag falsch! Schaut man auf die Bilanz des EHV gegen Coburg, liest man, dass der HSC-Keeper Jan Kulhanek (38 Jahre alt, 107 Kilogramm schwer, 1,88 Meter groß) in den beiden Spielen der letzten Saison 24 Auer Würfe entschärft hat. Spielentscheidend!
EHV-Trainer Stephan Swat: “Diesmal haben meine Jungs ihn regelrecht aus dem Tor geschossen.” Kulhanek konnte bis zur 30. Minute nur vier Bälle halten, wurde nach der Pause von Konstantin Poltrum abgelöst. HSC-Coach Jan Gorr: “Wir haben das Abwehr- und Torwart-Duell um Längen verloren. Und das ist für unser Spiel eine ganz wichtige Basis. Und wenn die nicht mehr da ist, dann werden wir auf diesem Level nicht mehr in der Lage sein, auswärts zu gewinnen.”

Kevin Roch verwandelt einen Siebenmeter gegen Jan Kulhanek. Foto: Ingo Wendler


6. Optimisten werden enttäuscht

Am Sonntag falsch! EHV Manager Rüdiger Jurke wusste um die Bilanz seiner Mannschaft gegen die Oberfranken. In acht Spielen gab es nur zwei Siege, den letzten daheim im Februar 2016. Dem WochenENDspiegel sagte er optimistisch: “Seit drei Jahren haben wir nicht mehr gegen Coburg gewonnen. Es wird Zeit, dass es anders wird!”
Gesagt, getan. Die Auer landeten einen spektakulären Erfolg, der, so Jurke, etwas zu hoch ausgefallen ist. Der Manager: “Es war eine tolle Reaktion der Jungs auf das Spiel letzte Woche. Man kann keinen hervorheben, alle haben toll gespielt. Aber ich freue mich besonders für Rasimas, der endlich ein überragendes Spiel gemacht hat.”
Der Manager bleibt optimistisch: “Jetzt geht es nach Ferndorf. Dort wollen wir die ersten Auswärtspunkte der Saison holen.” Scheint möglich: Gegen das noch sieglose Team gewann der EHV in zehn Spielen sieben Mal. Zuletzt mit 29:28 auswärts.

EHV Aue:
Rasimas, Töpfer
Kammlodt 11, Petreikis 5/1, Bornhorn 4, de Santis 4, Naumann 3, Roch 3/1, Ebert 2, Slachta 1, Schneider, Tuminskis, Brykner, Schauer, Schröder, Roth

HSC 2000 Coburg:
Kulhanek, Poltrum
Varvne 8, Billek 5/4, Jaeger 5, Neuhold 4, Lilienfelds 2, Weber 1, Wucherpfennig, Sproß, Schröder, Zetterman, Timm, Zeman

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