EHV Aue: Swat-Kommando knöpft sich Wiesel vor

Am Samstag startet die stärkste 2. Handball-Bundesliga der Welt. Der EHV Aue muss 19.30 Uhr beim TSV Bayer Dormagen bestehen. Foto: EHV Aue

EHV Aue: Wiesel, Wechsel, Wünsche

Von Sven Günther

Lößnitz. Werksklub! Plastikverein! Chemielaboranten! Als Fan einer Mannschaft, die die Firma “Bayer” im Namen trägt, muss man Aspirin oder Alka-Seltzer zur Hand haben, sieht man sich doch mit spöttischen Sprüchen ständig konfrontiert. 23 Mannschaften sind im Zeichen den Bayer Kreuzes am Start, die Sportler holten 68 olympische Medaillen. 17 davon waren Gold. Dazu kommen 200 WM-, 100 EM und 800 DM-Titel.

Wiesel

Deutscher Meister. Den bekanntesten Bayer-Sportlern, den Fußballern aus Leverkusen, war der trotz Ballack, Kirsten, Thom, Völler, Schuster & Co. nie vergönnt. “Vizemeister” hat sich als Vorname dauerhaft zu Bayer 04 Leverkusen gesellt. Womit wir bei Namensänderungen wären. Weil TSG Bayer Dormagen nicht unbedingt geschmeidig klingt, dachten die Verantwortlichen 2014 nach, kamen auf “Willy Wiesel”, das Vereinsmaskottchen, und nennen sich im Wappen seither “Die Wiesel” Dormagen.
Flink, agil, wendig und durchsetzungsstark – diese Eigenschaften, die auch auf die Handballer zutreffen, soll das Wiesel verkörpern. Attribute, auf die es auch beim EHV Aue ankommt. Noch mehr als sonst, weil mit Eric Meinhardt der Kapitän und “Wertvollste Spieler der 2. Liga” von Bord gegangen ist. Der Mittelaufbauspieler hat sein 1. Staatsexamen für das Lehramt an Oberschulen in den Fächern Biologie und Sport abgeschlossen und beginnt im neuen Schuljahr sein Referendariat an einer Dresdner Schule. Dort wird sich der 33-Jährige beim Perspektivteam des HC Elbflorenz in Dresden in der 3. Liga engagieren.
EHV Trainer Stephan Swat im WochenENDspiegel-Interview: “Eine 1:1-Kopie zu Eric wird es nicht geben können. Benas Petreikis, Bengt Bornhorn, Kevin Roch  oder Ladislav Brykner verfügen über das Potenzial, in diese Rolle hineinzuwachsen.”

Wechsel

Wie das funktionieren kann, zeigte sich in der ersten Runde des DHB-Pokals gegen den Zweitliga-Aufsteiger aus Konstanz. Benas Petreikis führte schnellfüßig Regie, wobei er seine Auftakthandlungen meist von den Halbpositionen startete. So konnte er die Rückraum-Riesen de Santis, Brykner via Positionswechsel ins Spiel bringen, die dann Entscheidungen treffen mussten: Werfen oder die Außenspieler bedienen, von denen sich Kevin Roch gewohnt sicher und Sebastian Naumann erfrischend frech im Abschluss zeigten.
Durch die wieselflinken Wechsel im Aufbau ergaben sich zusätzlich Räume für Bengt Bornhorn am Kreise, der beim Wurf bis kurz vor Schluss souverän war, erst dann zwei Leichtsinnsfehler beging.

Benas Petreikis. Foto: Falk Schulze/Sport Concepte Bad Schlema

Dazu machte Jiri Slachta mit Kevin Roch die Abwehr im Zentrum stabil, überzeugen erst Eric Töpfer und später Radek Musil im Tor. Vilius Rasimas hielt zudem einen Siebenmeter. Schnelle Wechsel, Anspiele auf Außen und Kreis, stabile Abwehr, gute Torhüter. Eine Mischung, die auch bei der Erstrunden-Pokalturnier-Finalniederlage gegen Bundesligisten Ludwigshafen lange erfolgreich war. Eine Mischung, die auch in Dormagen für Punkte sorgen kann.

Dort, bei den Wieseln, will man mehr als nur den Klassenerhalt. Auf der Homepage des Vereins wird Handball-Geschäftsführer Björn Barthel zitiert: “Wir können selbstbewusst sein, immerhin haben wir in dieser starken 2. Liga sieben Mannschaften hinter uns gelassen. Das Ziel heißt denn jetzt auch nicht mehr Klassenerhalt, sondern ‘so schnell wie möglich raus der Abstiegszone’.”

Wünsche

Der Kassenerhalt steht beim EHV ganz oben auf dem Wunschzettel. Das erklärte EHV-Präsident Lutz Lorenz im Interview mit dem WochenENDspiegel, sagte: “Meine Erwartungen orientieren sich an der enormen Leistungsstärke der 2. Liga. Aus meiner Sicht ist sie in der neuen Saison noch höher einzuschätzen. Für mich steht die Frage: Wie schaffen wir es, den Herausforderungen dieser Liga gerecht zu werden und am Saisonende aus dem Feld der 18 Teams die Klasse zu halten. Das wird schwer genug. Dennoch gehe ich voller Zuversicht in die neue Saison.”

Den Kader muss für dieses “Abenteuer” reichen. Lorenz: “Weitere Spielerverpflichtungen können wir uns finanziell nicht leisten. Unsere „Neuen“ Adrian Kammlodt, Julius Schroeder und Gabriel De Santis passen ins Team und verstärken es. Optimistisch stimmt, dass Spieler aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung in die 1. Mannschaft geschafft haben. Unser vor zehn Jahren gemeinsam mit der SG Nickelhütte Aue auf den Weg gebrachtes Konzept einer leistungsorientierten Nachwuchsarbeit trägt Früchte.”

Rechtsanwalt und EHV-Präsident Lutz Lorenz freut sich wie alle Handballfreunde auf die Saison 2019/2020 mit ihren besonderen Herausforderungen. Foto: Gregor Lorenz, Foto-Atelier LORENZ

Finanzielle Experimente wird es beim EHV nicht geben. “Gemessen an den regionalen Möglichkeiten, steht der Verein wirtschaftlich auf sicheren Füßen. Beweis dafür ist die problemlose Lizensierung. Wir müssen aber auch feststellen, dass sich konjunkturelle Schwankungen in unseren Sponsorenfirmen auf deren finanzielle Unterstützung auswirken. Wir sind einerseits sehr froh darüber, dass uns 285 Sponsoren – vom kleinsten bis zum größten – unterstützen. Andererseits müssen wir sehr schnell neue Strategien der Sponsorengewinnung entwickeln. Das ist auch vor dem Hintergrund weiterhin moderater Eintrittspreis für unsere Fans sehr wichtig”, erklärt  Lorenz.

Die Fanarbeit lobt der Präsident explizit, sagt: “Was unser Fanbeauftragter Jörg Meinhardt als Ideengeber und Gestalteter leistet, ist unbezahlbar. Gemeinsam mit Katja Lippmann-Wagner, Detlef Süß, André Gerwig, Mirko Helm und Enrico Alich sichert er die live streaming-Übertragungen, die  bei den Fans und allen Handballfreunden hervorragend ankommen.”
uck gemacht, das muss man sagen, kamen nicht so richtig rein, haben uns dann aber gefangen und ich denke so in der Höhe auch souverän gewonnen, auch wenn wir noch ein oder zwei Tore mehr hätten machen können.

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