Ein Grubenunglück vor 150 Jahren und seine Folgen

Heino Neuber erinnerte an das Geschehen vor 150 Jahren und führte in die Ausstellung ein. Foto: Dr. Roland Winkler

An diesem Tag vor 150 Jahren hatte sich in der „Neuen Fundgrube“ in Lugau ein Schachtbruch ereignet, der 101 Bergleuten das Leben durch Ersticken kostete. Der Jüngste war erst 14, der Älteste knapp 60. Unter den Toten waren 45 Ehemänner, die 45 Witwen und 137 Kinder hinterließen.
Daran und an die Folgen des Unglücks erinnern bis zum 26.11. zwölf Tafeln mit Fotos und Texten in der Ausstellung, zu der Wolfgang Streubel, Bürgermeister von Gersdorf, am Eröffnungstag nach einem musikalischen Auftakt durch das Klarinettenquartett des Jugendblasorchesters Bernsdorf e. V. etwa 30 Besucher begrüßte. Im Mittelpunkt des Gedenkens stand eine Einführung von Heino Neuber, seines Zeichens Sammlungsleiter des Bergbaumuseums Oelsnitz/ Erzgebirge und Vorsitzender der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers, die als dessen Förderverein wirkt.. Neuner hatte die Ausstellung inhaltlich erarbeitet. Umgesetzt vom Bergbaumuseum, trugen zur Finanzierung die in der AG Steinkohlenweg zusammengeschlossenen Gemeinden Oelsnitz, Lugau, Gersdorf und Hohndorf bei. Nach der Eröffnung im Bergbaumuseum war die Wanderausstellung bereits in Lugau zu sehen.
Nach Gersdorf werden die anderen beiden Orte nachfolgen. Als Ausgang für seine Ausführungen wählte Neuber den damaligen Umbruch, in dem sich das vom Unglück betroffene Gebiet befand. Von der bisherigen landwirtschaftlichen Prägung ging es mit der Steinkohle in Richtung Industrialisierung. „Das Problem bestand darin, dass es im Zuge dieser Entwicklung zur Vernachlässigung wichtiger Sicherheitsvorkehrungen kam. Dazu hätte gehört, für jede Grube als Fluchtweg für den Notfall einen zweiten Tagesausgang anzulegen, was man aber nicht zuletzt aus finanziellen Gründen unterließ. Erst 1885 wurde eine solche Bestimmung in den sächsischen Berpolizeivorschriften erlassen “, so der Redner.
So schlimm das Unglück für die Betroffenen und ihre Angehörigen auch war, so förderte es andererseits die Solidarität unter den Menschen. Schon am 4. Juli 1867, also noch während der Rettungsarbeiten, die allerdings zu keinem Erfolg führten und deshalb in Absprache mit dem Oberbergamt am 11. Juli eingestellt wurden, erging ein Aufruf zur Sammlung von Hilfsgeldern, der deutschlandweit und darüber hinaus bis nach Russland und den USA Gehör fand, was zur Linderung der Not für die Witwen und Waisen beitrug.
Nicht unerwähnt ließ Neuber ebenfalls die Tatsache, dass im Zusammenhang mit dem Unglück auch die Gewerkschaftsbewegung einen Aufschwung erfuhr. So wurde 1869 in Niederwürschnitz, wo es im dortigen Ottoschacht zu einem weiteren Schachtbruch gekommen war, die erste deutsche Bergarbeitergewerkschaft gegründet. An ihre Stelle trat 1870 bereits eine zweite Organisation dieser Art, die bis ins Ruhrgebiet ausstrahlte und schon mehr als 15.000 Bergleute umfasste.
So gingen letztlich von dem Unglück in Lugau eine Reihe positiver Wandlungen aus, die weit in die Arbeits- und Lebenswelt hineinwirkten. Sie sind mit zu bedenken, wenn es um die Erinnerung an die 101 Opfer von damals geht. Ihre Namen sind in einem Gedenkstein an der Lugauer Kreuzkirche verewigt. ihre sterblichen Überreste in einem gemeinsamen Grab beigesetzt.
Die Ausstellung in der Hessenmühle, Hauptstraße 193 in Gersdorf kann bis 26.11.sonntags von 13.30 bis 18 Uhr und nach Voranmeldung über Tel. 037203-9190 oder 037203-65414 besucht werden.

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