Einschulung: Durchgefallen!

Büffeln, Pauken und Lernen, doch bis zu zehn Prozent der potentiellen ABC-Schützen schaffen dieses Jahr nicht den Einschulungstest und müssen noch ein Jahr im Kindergarten verbringen. Foto: PublicDomainPictures/pixabay.de

Büffeln, Pauken und Lernen, doch bis zu zehn Prozent der potentiellen ABC-Schützen schaffen dieses Jahr nicht den Einschulungstest und müssen noch ein Jahr im Kindergarten verbringen. Foto: PublicDomainPictures/pixabay.de

Am 24. August begann für rund 1600 ABC-Schützen der sprichwörtliche Ernst des Lebens. Vor allem scheint es, als würde die Schere zwischen unterentwickelten und schulreifen Kindern immer weiter auseinander gehen. Einen großen Anteil hat das Elternhaus.

Natürlich spielen auch andere soziale Aspekte, wie Wohnumfeld und allgemeine geistige Fähigkeiten eine Rolle. Doch in Zeiten von Smartphone, PC und Spielekonsole fehlt es eigentlich grundsätzlich an Kommunikation und somit an sprachlicher sowie geistiger Entwicklung.

Die Folge, Kinder sind trotz des Schulalters noch nicht bereit bzw. weisen Defizite auf. Natürlich muss man hier deutlich zwischen Defiziten in Folge eines Handicaps und Defiziten durch fehlender Entwicklung unterscheiden. Erschreckend, immer mehr potentielle ABC-Schützen bestehen die Einschulungsuntersuchung nicht.

In der Stadt Chemnitz betrifft dass sieben bis zehn Prozent der Einschüler. Im sächsischen Vergleich steht Chemnitz damit an der zweiten Stelle (6,9 % im Schuljahr 2014/15). Nur in Bautzen (7,3%) werden mehr Schüler zurückgestellt. Im Landkreis Zwickau werden die wenigsten Kinder zurückgestellt (5,9%)

Insgesamt wurden 2013/14 93 Prozent der schulpflichtigen Kinder auch tatsächlich eingeschult. Gleichzeitig geht die Zahl derer zurück, die vorzeitig eingeschult werden. Im angesprochenen Schuljahr waren es nur 0,2 Prozent. Damit ist diese Zahl in den vergangen zehn Jahren deutlich rückläufig.

Morgen erhalten wieder viele Kinder eine Zuckertüte. Irgendwann so kennt man es doch wohl noch aus der eigenen Vergangenheit, freut man sich einfach darauf zu den „Großen“, den Schulkindern, gehören zu dürfen. Ist mächtig stolz auf diesen Schritt und heiß aufs Lernen.

Zugegeben, letztes wird sich sicherlich im Laufe der Schulzeit etwas revidieren. Doch so sehr sich einige auch auf den Beginn freuen, immer mehr Einschüler werden zurückgestellt. Immer häufiger sind einfache Kenntnisse nicht vorhanden.

Eines der größten Mankos, die Sprache

„Im Rahmen der Schulaufnahmeuntersuchungen weisen etwa 30 Prozent der Kinder Auffälligkeiten im sprachlichen Bereich auf. Ursache dafür ist beispielsweise der Mangel an Kommunikation innerhalb der Familien.

Einen wesentlichen Einfluss hat aber auch die zunehmende Ablenkung durch die Medien und die grundsätzliche gesellschaftliche Entwicklung unseres Kommunikationsverhaltens – gerade hinsichtlich Email, Skype, Voicemail, SMS, What`s App usw.“, erklärt Dr. Antje Hönicke, Leiterin der Abteilung Kinder- und Jugendgesundheitsschutz der Stadt Chemnitz.

Auch vor dem Hintergrund steigender Zahlen von Menschen mit Migration ist die Entwicklung zu sehen.

„Doch gerade bei diesen Kindern ist die soziale Integration ebenso wichtig. Umso entscheidender ist es, diesen die Möglichkeit zu geben, ein zusätzliches Jahr im Kindergarten zu nutzen, die sprachlichen Defizite auszugleichen und auch die soziale Integration zu schaffen“, so Dr. Hönicke weiter.

Als schulpflichtig gelten grundsätzlich Kinder, die bis zum 30. Juni ihr sechstes Lebensjahr vollendet haben bzw. von den Eltern an der Schule angemeldet wurden und bis zum 30. September ihr sechstes Lebensjahr vollendet haben.

Die Schultauglichkeit wird durch eine spezielle Untersuchung festgestellt, in der geistige und körperliche Fähigkeiten untersucht werden. Doch sind verzögerte Einschulen nicht immer ein Nachteil.

Denn häufig möchten Eltern ihrem Nachwuchs auch die Chance auf ein Jahr mehr Kindheit bieten. Gleichzeitig spielt das Alter eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung der Eltern.

„Eine Rückstellung kann immer eine Chance sein. Sie bietet den Kindern die Möglichkeit, durch gezielte Förderung Defizite in schulrelevanten Bereichen zu verringern und so besser vorbereitet in den Schulalltag zu starten. Die Enttäuschung, in der Grundschule ein Jahr zurückgestellt zu werden, ist sicherlich größer“, so Dr. Hönicke.

Doch wer entscheidet eigentlich letztlich über ein Einschulung oder gegebenenfalls Zurückstellung?

„Eine Rückstellung sollte nur erfolgen, wenn in Zusammenschau aller erhobenen Befunde die Schulreife noch nicht erreicht wurde und im Rückstellungsjahr mit einer Verbesserung gerechnet werden kann. Auch körperliche Befunde spielen dabei selbstverständlich eine Rolle.
Grundsätzlich geben wir anhand der Einschulungsuntersuchung lediglich eine Empfehlung ab. Am Ende liegt die Entscheidung beim Schuldirektor der Grundschule, an der das Kind angemeldet wurde im Einverständnis mit den Eltern. Natürlich stimmten die Einschätzungen häufig überein“, erklärt Dr. Hönicke das Prozedere.

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