England mit E-Zigaretten rauchfrei bis 2030

E-Zigaretten werden immer beliebter – nicht ohne Grund. Foto: Pixabay

Großbritannien hat die zweitniedrigste Raucherquote in Europa. Während in Deutschland fast jeder dritte Mann und jede fünfte Frau regelmäßig zur Zigarette greift, liegt die Quote auf der britischen Insel bei 15 %. Damit hat sich die Raucherquote in Großbritannien innerhalb von 35 Jahren halbiert. Diese beeindruckende Entwicklung ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Tabakkontrollpolitik.

Dass die Zahlen in den letzten Jahren besonders stark zurückgingen, führen Fachleute darauf zurück, dass sich die britischen Verantwortlichen beim Thema Rauchstopp auf die E-Zigarette fokussieren. Doch die britische Regierung gibt sich nicht mit dem Erreichten zufrieden. Ihr ehrgeiziges Ziel: Bis 2021 soll die Raucherquote auf 12 % sinken und bis 2030 soll England rauchfrei sein. Wer nicht völlig auf seinen Genuss verzichten will, soll innerhalb der nächsten elf Jahre auf die immer populärer werdende E-Zigarette, die hierzulande in lokalen Dampfshops oder online erhältlich ist, umsteigen. Immer beliebter werden vor allem auch Varianten mit einem bestimmten Aroma, sogenannte Aroma Liquids.

Großbritannien verfolgt konsequente Tabakkontrollpolitik

Seit Mitte der 1960er verfolgt die britische Regierung eine sehr konsequente Politik, um die Bevölkerung vor den Gefahren des Rauchens zu schützen. Fernsehwerbung für Zigaretten wurde bereits 1965 verboten. Anfang der 2000er Jahre folgten das Verbot der Printwerbung und das Verbot des Sportsponsorings durch Tabakhersteller. Seit 2007 darf in Großbritannien auf öffentlichen Plätzen und am Arbeitsplatz nicht mehr geraucht werden. Im Unterschied zu vielen anderen Ländern dürfen Zigaretten in Großbritannien seit 2016 ausschließlich in Einheitsverpackungen (“Plain Packaging”) verkauft werden.

Gesundheitsminister legt Grünbuch vor

2019 legte Gesundheitsminister Matt Hancock ein Dokument vor, dass den erreichten Stand dokumentiert und das weitere Vorgehen absteckt. Er konstatiert, dass die britische Tabakkontrollpolitik bereits Früchte trägt, aber es dennoch immer noch viel zu tun gibt. Er sieht es als seine Aufgabe an, auch die letzten 15 % zum Rauchstopp zu bewegen. Schließlich zeigen die Statistiken, dass das Rauchen für viele Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems verantwortlich ist, Krebserkrankungen hervorruft und die Lebenserwartung herabsetzt.

Insbesondere weist er auf die sozialen Unterschiede hin. In bestimmten Regionen Großbritanniens liegen die Raucherquoten erheblich über dem Durchschnittswert. Untersuchungen zeigen, dass der Anteil der Raucher in der Gruppe der Bewohner von Sozialwohnungen bei 31 % liegt. Alarmierend sind auch folgende Zahlen: In einem benachteiligten Gebiet wie Blackpool rauchen 25 % der Schwangeren. In Westmister greifen nur 2 % der werdenden Mütter zur Zigarette. Hancock sieht die Beseitigung solcher Ungleichheiten als die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre an.

Geplante Maßnahmen auf dem Weg zur Rauchfreiheit

Um die Vision vom rauchfreien England wahr werden zu lassen, sind nach Ansicht der britischen Verantwortlichen viele mutige Schritte erforderlich. Vorbeugen ist besser als heilen – das ist der Grundsatz, den die Briten beim Thema Rauchstopp verfolgen. Oberstes Ziel müsse es sein, Jugendliche und Erwachsene davon zu überzeugen, dass es besser ist, gar nicht mit dem Rauchen zu beginnen. Diejenigen, die sich das Rauchen abgewöhnen wollen, müssen effektiv unterstützt werden.

Im Plan der britischen Regierung wird der E-Zigarette beim Thema Rauchentwöhnung eine besondere Bedeutung beigemessen. Sie vertraut auf wissenschaftliche Untersuchungen, in denen nachgewiesen wurde, dass das Inhalieren des Dampfes von E-Zigaretten deutlicher weniger gesundheitliche Risiken birgt als das Rauchen von Tabakzigaretten.

Darüber hinaus sollen die Raucher umfassender als bisher informiert werden. Geplant ist unter anderem eine Gesetzesänderung, mit der Tabakhersteller verpflichten werden, den Zigarettenpackungen Zettel beizulegen, in denen über Wege zum Rauchstopp informiert wird.

  • Aufklärungskampagnen, um Jugendliche und besonders gefährdete soziale Gruppen vom Rauchen abzuhalten
  • Einführung von Beipackzetteln für Zigarettenschachteln, die über Wege zum Ausstieg und Hilfsangebote informieren
  • Einführung einer Abgabe auf Tabakprodukte, um die Hilfe zur Rauchentwöhnung zu finanzieren
  • Unterstützung wissenschaftlicher Untersuchungen zur Wirksamkeit der E-Zigarette beim Rauchstopp und Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit

Die Finanzierung des ehrgeizigen Plans

Dass die Briten so konsequent gegen die Tabakzigarette vorgehen, hat auch mit dem finanziellen Druck auf die lokalen Haushalte zu tun. Die Kosten für Raucherentwöhnungsprogramme werden bisher vom staatlichen Gesundheitssystem NHS (National Health Service) getragen und damit aus Steuermitteln finanziert. Um denjenigen, die sich das Rauchen abgewöhnen wollen, die erforderliche Hilfe zukommen zu lassen, denken britische Politiker über neue Wege der Finanzierung des allgemeinen Rauchstopps nach. Eine Option, die zur Debatte steht, ist die Einführung einer Abgabe, zu der Tabakhersteller verpflichtet würden. In Frankreich und in den USA gibt es solche Abgaben bereits.

Die britische Politik – ein Vorbild für andere Staaten

In Frankreich, Belgien, in der Schweiz und in den Niederlanden setzt man ebenfalls auf die E-Zigarette, um die gesundheitlichen Schäden zu minimieren. Deutschland hingegen hat im Vergleich zu Großbritannien und den genannten Ländern einen deutlichen Nachholbedarf. In der öffentlichen Meinung überwiegt hier die kritische Haltung gegenüber der E-Zigarette. Das Institut für Therapieforschung (IFT) München befragte eine repräsentative Gruppe nach ihrer Haltung zur E-Zigarette. Die Studie zeigte, dass etwa die Hälfte der Deutschen der Meinung ist, dass die E-Zigarette genauso schädlich ist wie die Tabakzigarette oder sogar ein noch höheres Gefahrenpotential hat.

Zu dieser negativen Einstellung hat die öffentliche Berichterstattung in entscheidendem Maße beigetragen. Fachleute sehen nun die Politiker in der Pflicht. Sie müssten neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Kenntnis nehmen, kritisch prüfen lassen und die Ergebnisse propagieren. Anstatt die E-Zigarette zu verteufeln, muss es das Ziel sein, die Verbraucher sachlich über die Vor- und Nachteile der E-Zigarette zu informieren. Es muss klar zum Ausdruck kommen, dass die E-Zigarette im Vergleich zur Tabakzigarette das geringere Übel ist.

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