„erhalten – erleben – erinnern“ – Wanderausstellung und Buch zu Industriearchitektur in Sachsen im Freiberger Bergarchiv

Freiberg. Industriegeschichte ist ein wichtiger Teil der sächsischen Kultur. Bis heute prägen die oft eindrucksvollen Fabrikgebäude des 19. und frühen 20. Jahrhunderts das Bild der sächsischen Städte und Regionen. Eine Wanderausstellung zur Industriearchitektur in Sachsen im Bergarchiv Freiberg zeigt unter dem Motto „erhalten – erleben – erinnern“ historische Industriebauten aus ganz Sachsen und der Region Freiberg.

Was bleibt jedoch von den Gebäuden, wenn es die ursprüngliche Nutzung nicht mehr gibt? Verfallene und abgerissene Industriebauten hinterlassen vor allem in Sachsen Lücken im Stadtbild, und es geht ein Stück Geschichte verloren. Mit der Umnutzung der alten Bauwerke lässt sich heute aber Vergangenes und Zukünftiges verbinden. Wie das im Ergebnis aussieht, veranschaulicht die Wanderausstellung „Industriekultur in Sachsen“. Die Fotos des Leipziger Fotografen Bertram Kober zeigen restaurierte und nachgenutzte Industriebauten und auch Objekte, um deren Erhaltung noch gerungen wird. Darüber hinaus erinnert die Ausstellung an inzwischen für immer verloren gegangene Industriedenkmäler.

Ein besonderer Teil der Ausstellung widmet sich der Region Freiberg. Dieser ist im Rahmen eines industriearchäologischen Projektseminars des Instituts für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte (ITWG) von Studierenden der TU Bergakademie Freiberg, unter der Leitung von Prof. Dr. Helmuth Albrecht, erarbeitet wurden. Die ITWG-Studenten Anja Pfau, Konrad Grossehelweg, Markus Lippmann und Max Pinkert haben die Objekte für den Freiberger Regionalteil ausgewählt und die Ausstellungs- sowie Broschürentexte dafür erarbeitet.

Industriedenkmale aus der Region Freiberg sind die um 1919/1920 erbaute ehemalige Metallwarenfabrik „Alekto“, der um 1907 erbaute Wasserturm an der Chemnitzer Straße, das 1888/1889 erbaute Porzellanwerk Freiberg, das Kavernenkraftwerk Drei-Brüder-Schacht, das um 1912 erbaute Verwaltungsgebäude der Elite-Automobilfabriken in Brand-Erbisdorf und die bereits abgerissenen Gebäude der 1734 erbauten Lederfabrik Stecher in der Kesselgasse und die Flachsspinnerei Müller & Sohn am Roten Weg. Ermöglicht wurde das Projekt durch die finanzielle Förderung der Sparkassenstiftung Mittelsachsen, des Vereins der Freunde und Förderer der TU Bergakademie sowie durch eine Spende von Dr. Frank-Michael und Marianne Engel.

Die Industriegeschichte ist ein wichtiger Teil der sächsischen Kultur. Durch Verfall und Abbruch verloren gegangene Zeugnisse dieser Geschichte hinterlassen vor allem in Sachsen Lücken in den gewachsenen Strukturen von Stadt und Land sowie gleichermaßen im Erinnerungsspektrum der Bürger. Die Wanderausstellung „Industriekultur in Sachsen. „erhalten – erleben – erinnern“ ist eine Ausstellung des Deutschen Werkbundes Sachsen e.V. und der Sächsischen Landesstelle für Museumswesens/SKD. Die Freiberger Ausstellung wurde in Kooperation mit dem Institut für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte (IWTG) der TU Bergakademie Freiberg organisiert und im Sächsischen Staatsarchiv – Bergarchiv Freiberg gezeigt. Ausstellungskurator ist der Leipziger Architekt Bernd Sikora. Durch die große Resonanz der Besucher wurde die Ausstellung bis zum 3. April verlängert und kostenfrei.

Prof. Helmuth Albrecht, Leiter des Instituts für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte (ITWG) an der TU Bergakademie Freiberg, präsentiert am Eingang der Wanderausstellung das neue Buch zu Sachsens Industriearchitektur. Auch daran haben die Freiberger Studenten mitgearbeitet. Im Hintergrund ist das Porzellanwerk Freiberg zu sehen. Foto: Constanze Lenk

Prof. Helmuth Albrecht, Leiter des Instituts für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte (ITWG) an der TU Bergakademie Freiberg, präsentiert am Eingang der Wanderausstellung das neue Buch zu Sachsens Industriearchitektur. Auch daran haben die Freiberger Studenten mitgearbeitet. Im Hintergrund ist das Porzellanwerk Freiberg zu sehen.
Foto: Constanze Lenk

Die Wanderausstellung im Bergarchiv war zudem am 23. Februar der passende Rahmen für eine Buchpräsentation. „Sachsens Industriearchitektur – Industrial Architecture in Saxony“ ist der Titel des 184 Seiten dicken Buches. Architekturfotografie spielt im umfangreichen Werk des mehrfach international ausgezeichneten Leipziger Fotografen Bertram Kober seit Langem eine wichtige Rolle. Durch seinen Fokus gewinnen die zum Teil dringend erhaltungsbedürftigen Bauten neue Kraft und Würde. Seine Bilder sind geprägt von einer ausgewogenen Balance aus Sachlichkeit und Emotionalität. Sie zeigen den Wert der sächsischen Industriearchitektur und fördern damit das Engagement für ihren Erhalt. Dieses durchgängig zweisprachig gehaltene Buch entstand im Ergebnis der Wanderausstellung, die seit 2011 nahezu in allen Regionen des Freistaates Sachsen präsent war, um einen breiten öffentlichen Diskurs zum Umgang mit Sachsens historischer Industriearchitektur anzuregen und diese weit über Sachsens Grenzen hinaus bekannt zu machen. Das Buch ist erschienen im Verlag der Kunst Dresden und über die ISBN 978-3-86530-220-5 im Fachhandel erhältlich.

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