ERZ auch in zehn Jahren lebens- und liebenswert

www.wochenendspiegel im Gespräch Erzgebirgs-Landrat Frank Vogel. Foto: LRA

Interview mit Landrat Frank Vogel zum 10. Geburtstag des Erzgebirgskreises

Annaberg-Buchholz. Vor dem 10. Geburtstag des Erzgebirgskreises gab Landrat Frank Vogel dem WochenENDspiegel ein Interview.

Der Erzgebirgskreis feiert 10. Geburtstag. Was hat sich aus Ihrer Sicht in den zehn Jahren positiv entwickelt?

Frank Vogel: Insgesamt gesehen, haben wir eine erfolgreiche Entwicklung in diesen zehn Jahren genommen. Nachdem wir in den Anfangsjahren die Kreisverwaltung entsprechend strukturiert und zukunftsfähig aufgestellt hatten, bestanden die Herausforderungen darin, das Kreisrecht zu vereinheitlichen, das Jobcenter in eigene Trägerschaft zu übernehmen und die drei Sparkassen zu einer starken, leistungsfähigen Sparkasse – unserer Erzgebirgssparkasse – zu fusionieren.
Die jedoch größte Herausforderung bestand meines Erachtens darin, durch eine solide und effektive Haushaltswirtschaft die Grundlage für das erfolgreiche Zusammenwachsen unseres Landkreises und die Entwicklung unserer Heimatregion zu schaffen. Trotz unterschiedlichster Ausgangsbedingungen in den Altlandkreisen ist uns all das sehr gut gelungen. So konnten wir in diesen Jahren beträchtliche Summen in unsere landkreiseigenen Gymnasien, Berufsschulzentren, Förderschulen, aber auch in Sport- und Kulturstätten und unsere Dienstgebäude investieren.
Auch gelang es uns beispielsweise mit einem Investitionsaufwand von mehr als 80 Mio. Euro  über 40 % unseres Kreisstraßennetzes in einen sehr guten Zustand zu bringen. Und mit dem seit Jahren mit Abstand niedrigsten Kreisumlagehebesatz in Freistaat Sachsen haben wir zudem bewiesen, dass es uns wichtig ist, unseren Städten und Gemeinden soviel Handlungsspielraum wie möglich zu lassen, um deren eigene Entwicklung zu unterstützen.
Vieles könnte man an dieser Stelle noch nennen. Das eigentliche Potential und damit die Stärken für die Entwicklung der Region sind aber die Menschen selbst, die hier leben und arbeiten.
Sie engagieren sich ehrenamtlich in vielfältiger Art und Weise für ihre Heimat – ob in der Feuerwehr oder dem Sportverein, in der Kirchgemeinde oder der soziokulturellen Arbeit, der Brauchtumspflege, im Umweltschutz, der Denkmalpflege, in der sozialen Arbeit und vielem mehr. Ihnen allen will ich an dieser Stelle sehr herzlich danken.

Gibt es auf der anderen Seite Dinge, die hätten besser laufen können? Was ärgert Sie zum Beispiel mehr: Funk- oder Schlaglöcher?

Nichts ist so gut, dass es nicht noch besser sein könnte. Mich ärgern sowohl Funk- wie auch Schlaglöcher. Denn viele, so auch ich, fahren täglich auf ihrem Arbeitsweg. Da ist es gleich, welcher Kategorie diese Straße angehört. Sowohl eine intakte Verkehrsinfrastruktur wie auch ein leistungsfähiges, stabiles Mobilfunk- und Breitbandnetz sind für den Erhalt einer guten Lebensqualität, für unsere Wirtschaft und damit für gleichwertige Lebensverhältnisse im ländlichen Raum im Vergleich zu den Ballungszentren eine unabdingbare Voraussetzung.
Leider ist es uns nicht in ausreichendem Maße gelungen, den Freistaat davon zu überzeugen, dass er deutlich mehr für die Sanierung und den grundhaften Ausbau der Staats- und Bundesstraßen tun muss.
Und, mich stört die zunehmend überbordete Bürokratie. Wir haben in den Jahren zwar viel über Bürokratieabbau geredet, aber vieles bleibt hier noch zu tun.

Was waren für Sie persönlich die schönsten Momente in dieser Dekade?

Da gibt es viele regionale Veranstaltungen und Feste, an denen ich in den vergangenen zehn Jahren in unseren Städten und Gemeinden teilnehmen konnte, die etwas von diesem besonderen Lebensgefühl im Erzgebirge, von dieser Heimatliebe ausstrahlen. Sie hier zu benennen, würde den Rahmen sprengen. An überregionalen Veranstaltungen sind mir insbesondere der Tag der Sachsen und die Landesgartenschau in Oelsnitz/Erzgeb., das Landeserntedankfest in Zwönitz und der Tag der Sachsen in Schwarzenberg in guter Erinnerung geblieben. Aber auch das jährlich stattfindende Europäische Blasmusikfest in Bad Schlema oder unsere traditionellen Bergparaden und Mettenschichten bilden immer wieder unvergessliche Höhepunkte.
Besonders gern erinnere ich mich an den 2. August 2008, den ersten Bergmännischen Zapfenstreich aus Anlass der Gründung des Erzgebirgskreises und an die Begegnungen mit solch erfolgreichen Sportlern wie Erik Frenzel und Richard Freitag oder den vor kurzem geschafften Klassenerhalt des FC Erzgebirge Aue und des EHV Aue. Es waren und sind immer die Begegnungen, die Gespräche mit unseren Erzgebirgern, die mich bewegen und an die ich mich letztendlich sehr gerne erinnere.

Glaubt man Helmut Schmidt, sollte der, der Visionen hat, zum Arzt gehen. Trotzdem: Wie sehen Sie den Erzgebirgskreis in zehn Jahren?

Mittel- und langfristig gilt es, durch die Fortsetzung unserer soliden Haushaltspolitik die Voraussetzungen für die weitere Entwicklung unserer Heimatregion zu schaffen und die Lebensqualität nicht nur zu halten, sondern weiter zu verbessern.
Wir stehen im Wettstreit mit anderen Regionen um die besten Köpfe, um Arbeitskräfte. Der Erhalt und Ausbau unserer Verkehrsinfrastruktur, der zügige Ausbau der Breitbandversorgung, der Erhalt eines effizienten ÖPNV sind ebenso wichtig wie die Sicherung einer guten medizinischen Versorgung, schulischen Bildung und einer modernen Berufsausbildung sowie die Gewährleistung von Ordnung und Sicherheit.
Als eine Herausforderung sehe ich es, auch das sehr breit aufgestellte Vereinsleben und unsere vielfältigen Kulturangebote zu erhalten. Dazu bedarf es, Menschen dafür zu begeistern, dass sie auch künftig bereit sind, mehr zu tun, als andere, gleich ob im Kreistag, in den Stadt- und Gemeinderäten,  in den vielen Vereinen oder Kirchgemeinden .
Ich bin davon überzeugt, dass unser Landkreis auch in zehn Jahren eine lebens- und liebenswerte Region ist, in der sich die Menschen wohl fühlen, zu Hause sind.  Das ist kein Selbstlauf, jeder und jede sollte sich hier nach seinen Möglichkeiten einbringen.
Grundlage des Erfolgs  sind zweifellos die leistungsfähigen, innovativen Unternehmen und Handwerksbetriebe und eine moderne, zukunftsfähige Landwirtschaft. Aber wir sind auch eine Region, in der viele Gäste und Touristen einen erlebnisreichen, zugleich erholsamen Aktivurlaub verbringen wollen.

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