ERZ trifft ICE

Ein ICE rollte gestern durch das Erzgebirge. Ausgemustert und doch im Auftrag der Zukunft. Foto: André Kaiser

ICE rollt durch Erzgebirge

Von Sven Günther
Annaberg-Buchholz. Klack. Der Zeiger der großen Uhr auf dem Unteren Bahnhof springt mit leichtem Zittern um. 14.08 Uhr. Jetzt sollte er da sein, der ICE, auf den Bahn-Enthusiasten am Donnestag (20. Dezember) warten. Was fehlt, ist der superschnelle Zug, der sich gestern langsam durch das Erzgebirge schlängelte.
Von 13 Uhr bis 13.45 Uhr war er im Bahnhof Wolkenstein zu sehen, bis nach Annaberg-Buchholz bummelte sich der ICE zwei Minuten Verspätung ein. Nicht viel, aber wenn es um das Image geht… Jedenfalls kommt das Fotomotiv mit der aus Richtung Neudorf kommenden Erzgebirgsbahn nicht zustande. Erst 14.10 Uhr klicken Fotoapparate, lächeln die Fans und Interessierte. Ein ICE vor dem maroden Bahnhofsgebäude. Was für ein Anblick!
Sieht man genau hin, hat der Neigetechnik-Zug die besten Zeiten hinter sich. Er stammt aus der Baureihe 605, heißt auch ICE TD für Tilting (Neigung)-Diesel. 19 Stück baute Siemens-Bombardier für je 7,5 Millionen Euro, die ab 2001 u.a. auf der Strecke Nürnberg-Dresden fuhren. Angetrieben wird der Zug von vier je 761 PS starken Dieselmotoren. Aber es gab immer wieder Probleme mit Rädern und Bremsen, sodass der ICE TD wegen technischer Probleme von 2003 bis 2006 aus dem Verkehr gezogen wurde. 2017 folgte die Ausmusterung.

Ausgemustert und trotzdem im Auftrag der Zukunft unterwegs!

Die Deutsche Bahn nutzt den ICE als Testgerät u.a. für autonomes Fahren, führt im nächsten Jahr Versuche auf der Strecke Annaberg-Buchholz-Schwarzenberg durch.
Die 24 Kilometer sind dafür prädestiniert, weil die Gleise nicht im Regelbetrieb genutzt werden, die normale Spurbreite haben. Außerdem gibt es Steigungen, Gefälle und enge Kurven. Auch beschrankte und unbeschrankte Bahnübergänge sind vorhanden. Alles wichtig, um Erkenntnise für den Bahnverkehr der Zukunft zu sammeln, für den sich Annaberg-Buchholz mit seinem digitalen Stellwerk zum führenden europäischen Entwicklungs- und Erprobungsstandort entwickelt.

Klack. Der Zeiger der Bahnhofsuhr springt auf 14.16 Uhr, das Signal auf Grün und der ICE rollt in Richtung Aue davon. Dort ist er 16.20 Uhr. Geplant war 16.23 Uhr! Allerdings kann er nicht halten, stoppt später weit außerhalb des Bahnhofs am Haltesignal.

In Aue ist der ICE sogar zwei Minuten eher, hält aber nicht im Bahnhof sondern stoppt weit außerhalb. Fotos: Daniel Unger

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