Extremist im H2O

Dr. Joseph Heß, Leiter des Transferprojektes „TUClab“ an der Technischen Universität Chemnitz plant, den Rhein von der Quelle bis zur Nordsee durchzuschwimmen. Foto: TU Chemnitz

 

Auf Klaus Töpfers Spuren?

Chemnitz. Hört man Rhein-Schwimmer, denken Interessierte an Klaus Töpfer. Am 14. September 1988 war der CDU-Bundesumweltminister bei Kilometer 495 in den Fluss gesprungen.

Als Zeichen, dass der Strom wieder sauber sei, schrieben die Zeitungen.

Weil er eine Wette gegen Rudolf Franzmann (Töpfers Rivale bei der Landtagswahl 1997 im Wahlbezirk Hundsrück) verlor, wissen Insider.

Er, Franzmann, hatte schon 1987 gewettet, dass Töpfer nach Bonn gehen würde. Der CDU-Mann hielt dagegen, ging dennoch in die Bundespolitik, folflich mit seiner Wette baden – und sprang in die fast sauberen Fluten. (2 Milligramm Nitrat, 0,22 Milligramm Phosphor, 97 Mikrogramm Chlorid, 0,2 Mikrogramm Quecksilber, 0,4 Mikrogramm Cadmium und 2 Mikrogramm Chrom pro Liter/Quelle: taz)).

Nach 350 Metern mit Flossen und Neoprenanzug stieg der Politiker aus dem Wasser. 350 Meter, über die ein Chemnitzer Wissenschaftler nur lächeln kann. Dr. Joseph Heß durchschwimmt ab Samstag (11. Juni) den Rhein von der Quelle bis zu Mündung. Der Leiter des Transferprojektes „TUClab“ an der TU ist ein „Extremist im H2O“!

Nachdem er bereits 2016 durch die Straße von Gibraltar und 2017 den 620 Kilometer langen deutschen Teil der Elbe durchschwamm, will er jetzt noch etwas draufsatteln.
„Auf der Suche nach neuen sportlichen Herausforderungen habe ich mir für 2022 das Ziel gesetzt, den gesamten Rhein von der Quelle in der Schweiz bis zur Mündung in den Niederlanden zu durchschwimmen“, berichtet Heß. Der 34-jährige Extremschwimmer will die Strecke von 1.232 Kilometern vom 11. Juni bis zum 6. Juli 2022 in 25 Tagesetappen meistern und damit zugleich eine neue Bestzeit im Rheinschwimmen aufstellen.

„Die Herausforderungen sind dabei gewaltig, etwa in der Ruinaulta, der bis zu 400 Meter tiefen und rund 13 Kilometer lange Schlucht des Vorderrheins in der Schweiz, oder in der Nähe des Rheinfalls und der Loreley“, so Heß.

Einsames Training! Der Chemnitzer TU-Mitarbeiter und Extremschwimmer Dr. Joseph Heß bereitete sich darauf vor, den Rhein von der Quelle bis zu Mündung zu durchschwimmen. Fotos: TU Chemnitz

Natürlich müssen er und sein Team ständig den Schiffverkehr und die Fließgeschwindigkeit sowie die Stromschnellen des Flusses im Auge behalten. Und in der Flussmündung sind Ebbe und Flut zu beachten, die weit bis ins Landesinnere zu spüren sind. „Ich werde jeden Tag zwischen acht und zehn Stunden im Fluss kraulen, etwa jede halbe Stunde an einem Begleitboot etwas trinken und mittags eine kurze Pause einlegen“, beschreibt Heß den Verlauf der Tour.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU Chemnitz, der Universität Leipzig und der Hochschule Furtwangen werden den Chemnitzer Langstreckenschwimmer mit Studien im sport- und naturwissenschaftlichen Bereich begleiten.
„Dazu zählen beispielsweise wissenschaftliche Untersuchungen zu meiner körperlichen Belastung und zur Wasserqualität des Rheins“, berichtet Heß. Zudem werden Medienmanagement-Studierende aus Mittweida die ehrgeizige Aktion verfolgen und dokumentieren. Unter dem Projekt-Titel „Swim4Science“ werden sie in einer sehr umfangreichen Instagram-Kampagne das Vorhaben begleiten und im Anschluss einen Dokumentarfilm produzieren.
Heß wird u.a. an Konstanz, Basel, Karlsruhe, Mannheim, Mainz, Wiesbaden, Koblenz, Bonn, Köln, Düsseldorf, Duisburg und Rotterdamm vorbeischwimmen. Hier wird der Chemnitzer auch als Botschafter für Chemnitz als Europäischer Kulturhauptstadt 2025 unterwegs sein. „Bei Treffen mit Vertretern der Stadt Duisburg werde ich beispielsweise unsere Stadt vorstellen, die auch hervorragende Bedingungen zum Schwimmtraining bietet, für die ich sehr dankbar bin. Auch mit anderen Städten wie Bonn und Köln stehe ich in Kontakt, um Botschaften der Kulturhauptstadt so breit wie möglich zu streuen“, erklärt Dr. Josph Heß. red/sg

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