Fachkräfte-Studie kostet 348.125 Euro

Meistgenanntes Geschäftsrisiko in Sachsen ist mit aktuell 61 Prozent der Fachkräftemangel. Foto: pixabay.com

Fachkräftestudie: “Erwartbare Ergebnisse”

Von Sven Günther
Region. Es ist eine Warnung in guten Zeiten. 2.000 Unternehmen mit knapp 40.000 Mitarbeitern befragte die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die  Handwerkskammer (HWK) für die aktuelle Konjunkturumfrage. Das Ergebnis: 95 Prozent bezeichnen ihre Geschäftslage mit gut oder befriedigend.
Aber es gibt Sorgen. IHK-Präsident Hans-Joachim Wunderlich: „Die Geschäftserwartungen trüben sich ein.“ Die Gründe: wachsende Bürokratie, zunehmende Kosten, die Zoll- und Handelskonflikte (USA, Iran, USA-China, Russland), der Brexit, steigende Energie- und Kraftstoffpreise, Streit um Diesel/Fahrverbote.
Dazu kommt laut IHK und HWK: „Mit einer „Wirtschaft 4.0“ und der weiteren Digitalisierung der Arbeitswelt entstehen völlig neue Anforderungen an Wirtschaft und Gesellschaft. Für diesen Wandel sind neben einer guten Infrastruktur qualifizierte Fachkräfte dringend nötig.“
Aber gerade der Fachkräftemangel wird als größtes Problem genannt. „Jedes zweite Unternehmen hat Probleme bei der Stellenbesetzung. Allein in den befragten 2.000 Unternehmen gibt es 1.000 offene Stellen“, so Wunderlich. „Zu 70 Prozent gibt es keine Bewerber oder solche, die das eigentlich nicht leisten können.“
Fest steht, dass dem sächsischen Arbeitsmarkt in zehn Jahren 300.000 Fachkräfte fehlen werden. Dazu kommt, dass es jedes Jahr deutlich weniger Berufseinsteiger gibt als Arbeitnehmer, die aus dem Berufsleben aussteigen.
Auch im Wirtschaftsministerium hat man das Problem erkannt, die Fachkräftestrategie 2030 ausgerufen. Im Unterschied zur ersten sächsischen Fachkräftestrategie aus dem Jahr 2012 bildet jetzt eine externe wissenschaftliche Analyse die Grundlage, die für den gesamten Freistaat erstellt wurde.
Auf 185 Seiten hat die Prognos AG dargelegt, wie die Lage in Sachsen ist und welche Schlüsse zu ziehen sind. Die Kosten: 348.125 Euro.
Die Studie fordert eine praxisnähere und kontinuierlichere Berufsorientierung, eine attraktivere duale Ausbildung, eine generelle Verbesserung der Rahmenbedingungen von Arbeit, die über eine gute Entlohnung weit hinausgeht.
Dazu seien der Ausbau der Qualifizierung und Weiterbildung sowie flexiblere Arbeitszeitmodelle notwendig. Auch auf die bessere Nutzung der Potenziale bei Langzeitarbeitslosen, Menschen mit Behinderung oder Geflüchteten wird verwiesen. Schließlich müsste eine Senkung der hohen Abbrecherquoten bei Ausbildung und Studium erreicht werden.
Martin Witschaß, Referatsleiter Standortanalyse/Arbeitsmarktpolitik der IHK, lobt: „Grundsätzlich sollte vor jeder Strategie eine Analyse stehen. Auf der Grundlage der Analyse mit ihren strategischen Ableitungen wurden auch hier Handlungsbedarfe und Empfehlungen abgeleitet.“
Die gute Analyse sei wichtig für das gemeinsame Problemverständnis der in der Arbeitsgruppe involvierten Akteure (Ministerien, Kommunen, Kammern, Verbände, Arbeitsagentur, Gewerkschaften, etc.).
Witschaß räumt aber auch ein: „Die Analyse hat zumeist erwartbare Erkenntnisse geliefert.“

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