Faschingsvereine – Kulturträger mit Sorgen und Nöten

Faschingsvereine mit Sorgen und Nöten

Man muss nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Aber die Vereine stehen allesamt vor ähnlichen Problemen und Aufgaben. Foto: Frankenberger Carnevalsverein e. V.

Mittelsachsen. Wir befinden uns gerade mittendrin in der Hochzeit der 5. Jahreszeit, dem Fasching. Doch bei aller Feierei und Festivität sollte man die Sorgen und Nöte der Faschingsvereine nicht vergessen, die in diesen Tagen gern in den Hintergrund rücken.
„Es gibt ein sehr unterschiedliches Bild bei unseren Mitgliedsvereinen. Es gibt Vereine, die haben eine schlechte Nachwuchsarbeit und dies führt soweit, dass sich diese Vereine schon „verabschieden“ mussten. Auch in Chemnitz hat es vor einigen Jahren zwei Vereine getroffen. Andere Vereine beginnen mit der Nachwuchsarbeit bereits im Kindergarten. Gerade in den vielen kleineren Gemeinden sind die Karnevals- und Faschingsvereine die örtlichen Kulturträger. Genutzt werden auch die Angebote in den Ganztagsschulen. Karnevalsvereine bieten hier die Betreuung der Schülerinnen und Schüler in den Arbeitsgemeinschaften „karnevalistischer Tanz“ an“, so Jörg Weiser, Pressesprecher des Verband Sächsischer Carneval e.V. (VSC).

„Bei uns kann man mit Fug und Recht sagen, dass die Situation wie in Chemnitz absolut nicht zutrifft. Weder was den Verein als Ganzes noch die Nachwuchsgewinnung betrifft.Wir sind gegenwärtig knapp über 100 Vereinsmitglieder. Die Männer kommen meist erst ab dem Erwachsenenalter zum Verein. Bei den Mädchen passiert die Nachwuchsgewinnung im Kindesalter. Das geschieht fast immer über Mund-zu-Mund-Propaganda zwischen den Kindern untereinander und auch über Kontakte zwischen den Eltern. Was die Akzeptanz unserer Veranstaltungen betrifft, so spricht schon die Tatsache, dass seit Jahren die zwei Auftaktveranstaltungen im November fast und die vier Abendveranstaltungen sowie der Weiberfasching restlos ausverkauft sind“, äußerste sich Hagen Pfefferkorn vom WCV Wechselburger Carneval Verein e.V.  dahingehend jedoch positiv.

Adolf Otto, Präsident des 1. Mittweidaer Karnevalvereins, sagte: „Aktuell haben wir im Verein 60 Mitglieder. Beim Vereinsnachwuchs haben wir bei den weiblichen Mitgliedern keine Probleme, allerdings männliche Mitstreiter werden dringend gesucht, insbesondere die Altersklasse ab 20 Jahren. Wir versuchen über persönliche Gespräche mit Besuchern, Freunden und Familienmitgliedern Nachwuchs zu gewinnen. Unsere sehr gelungene Auftaktveranstaltung im November in der kleinen aber sehr schönen Bürkelhalle der Fichteschule war mit mehr als 150 Gästen ausverkauft.“

Karin Lohfink, Präsidentin des Frankenberger Carnevalsvereins, sagte zum Thema Faschingsverein und Nachwuchs: „Unser Verein hat 36 Erwachsene und 26 Kinder als Mitglieder. Wir haben eine Funkengarde und eine Nachwuchsgarde. Beide Garden sind im Moment voll belegt. In der Nachwuchsgarde können wir momentan keine weiteren Tänzerinnen aufnehmen. Hier habe ich eine Warteliste, genau wie beim
Faschingsclub Penig. Nach dem 11.11. ist die Nachfrage bei den Kleinen immer besonders groß. Unsere Veranstaltungen sind fast vollständig ausverkauft. In der letzten Saison hatten wir immer ein volles Haus und waren super zufrieden. Kinder und Jugendliche müssen wir nicht werben. Uns fehlen jedoch ein paar Männer im Verein, da ist die Mitgliedergewinnung schwierig.“

Faschingsvereine und die zwei Seiten der Medaille

Die Medaille hat immer zwei Seiten – so auch das Vereinsdasein der Karnevals- und Faschingsvereine. Die Veranstaltungen stemmen die Vereinsmitglieder mit Freunden und Helfern. Foto: Frankenberger Carnevalsverein e. V.

Faschingsvereine und die schwierige Sponsorensuche

„Problematisch für alle Vereine, den VSC, dem Verband Sächsischer Carneval e.V., als Dachverband eingeschlossen, dürfte die Frage des lieben Geldes sein. Angesichts klammer kommunaler Kassen fehlen in Sachsen generell Zuschüsse. Dies wird in anderen Bundesländern anders geregelt. Da gibt es Finanzverträge mit den Lottogesellschaften oder Sparkassenorganisationen oder Sponsorengelder von großen Firmen. Geht man z.B. in Sachsen auf Niederlassungen in der Getränkeindustrie zu, wird man an die Zentrale in den alten Bundesländern weitergeleitet und erfährt dort, dass man schon vor Ort spendet. Das nützt unseren Vereinen leider nichts“, so Jörg Weiser, der Pressesprecher des VSC.

Faschingsvereine und Karneval als Wirtschaftsfaktor

„Das Brauchtum Karneval ist in unserem Freistaat ein nicht zu verachtender Wirtschaftsfaktor. Wir gehen von jährlich mehr als 500.000 Besuchern in den Veranstaltungen zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch aus. Wenn jeder Gast nur etwa 50 Euro Umsatz (Auch das dürfte nach unseren Untersuchungen ein Mittel sein.) in die Kassen der Gastwirte, Caterer, Fleischer, Bäcker oder Eigenversorger bringt ergibt das schon eine beachtliche Summe von 2,5 Millionen Euro. Sie dürften die größten Gewinner an unserem Brauchtum sein“, erklärte Jörg Weiser.
„Weiterhin profitieren Ordenshersteller, Ballonservices, Friseure, Werbeagenturen, Sicherheitsdienste, Kostümverleihe, Taxiunternehmen und andere von unserem Brauchtum. Angesichts knapper kommunaler Kassen entdecken auch die sächsischen Theater unser Brauchtum für die Aufbesserung ihrer Kassen. So führte das Städtische Theater Chemnitz mehrmals einen Verkauf von Kostümen abgespielter Stücke durch und die Theater in Annaberg, Freiberg und so weiter leihen ihre Kostüme in der Faschings- und Karnevalszeit gegen eine Gebühr aus.“

Faschingsvereine exportieren ihr Programm

Die Närrinnen und Narren des Peniger Faschingsclubs sind sozusagen ein Export-Schlager. Foto: Faschingsclub Penig e. V.

Die andere Art und Weise

Und dann gibt es auch noch Gemeinden wie beispielsweise Burgstädt oder Flöha, die wohl aufgrund von Nachwuchs- und Finanznöten andere Lösungen gefunden haben. In Burgstädt haben die Faschingsjünger das Programm des Peniger Faschingsclubs eingekauft. In Flöha gibt es keinen Faschingsverein. Die scheinbar einzige Faschingsveranstaltung findet am 9. Februar im Jugendzentrum „UFO“ statt.

Jobs in Deiner Region

Facebook