Fast 10.000 Gäste beim 49. Wintertreffen auf Schloss Augustusburg

Schlossbetriebe distanzieren sich von provokativem Auftreten des Hitler-Imitator

Über 1.800 Motorradfahrerinnen und Motoradfahrer kamen am 11. Januar zum diesjährigen Wintertreffen im und am Jagdschloss Augustusburg. In den Höfen und rund um die Schlossgebäude präsentierten sie ihre BMWs, MZs, Harley Davidsons und viele andere aktuelle Marken, phantasievoll aufgemotzte Spaß-Bikes sowie ältere Modelle mit viel nostalgischem Charme. Damit machten Bikes und Biker Schloss Augustusburg zum Anziehungspunkt für fast 7.500 Besucher aus Nah und Fern (Stand: 16 Uhr). Das sind insgesamt fast 10.000 Gäste.
Mit einem solchen Zuspruch habe die Augustusburg/Scharfenstein/Lichtenwalde Schlossbetriebe gGmbH nicht gerechnet“, so ein Sprecher. „Wir freuen uns, dass das Wintertreffen nach all den Jahren immer noch so viele Menschen begeistert und nach Augustusburg zieht.“
Eine ganze Reihe von Teilnehmern kam zum wiederholten Mal. Viele nahmen das Angebot zum Campen an, trafen sich mit alten Bekannten oder schlossen neue Freundschaften. Für alle ist das Treffen mehr als nur ein willkommener Insider-Treff außerhalb der Saison. „Das ist einfach ein Muss. Das Wintertreffen ist Kult“, so einer der Camper, die teilweise auch aus dem Ausland kamen – aus Luxemburg etwa oder aus Österreich.
Nicht nur für „Wiederholungstäter“ gab es einige neue Attraktionen. „Bike-Wash mit heißen Girls“ gehörte ebenso dazu wie Live-Zeichnen mit Ralf Alex Fichtner. Ein Teilnehmer präsentierte ein Motorrad aus Eichenholz mit Dieselmotor. Die Angebote sind durchweg sehr gut angekommen worden. Dies gilt auch für den Shuttle-Service, der eigens zwischen Erdmannsdorfer Bad und Augustusburg eingerichtet worden war.
Ausgezeichnet besucht war auch das Motorradmuseum mit der aktuellen Sonderausstellung „Rennsportlegenden – Walter Kaaden (MZ) | Ewald Kluge (DKW)“. Sie ist auch über das Wintertreffen hinaus zu sehen. Die Ausstellung läuft noch bis 1. März.

Einen dunklen Schatten auf das 49. Wintertreffen hatte ein Biker geworfen, der als Hitler-Imitator aufgetreten ist. In einer Erklärung der Schlossbetriebe GmbH heißt es wie folgt:
„Hitler? – Wir stehen hier für etwas ganz anderes“
So unentschuldbar der Auftritt des Hitler-Imitators zum Wintertreffen am Wochenende auch ist, er verzerrt das Bild von Schloss Augustusburg und der Region. „Wir leisten hier eine großartige Arbeit und tragen mit viel Engagement und Liebe zur Bewahrung und Vermittlung des historischen Erbes im Freistaat bei“, sagt Patrizia Meyn, Geschäftsführerin der Augustusburg-Scharfenstein-Lichtenwalde Schlossbetriebe gGmbH.
So wurde in den letzten Jahren ein museumpädagogisches Angebot aufgebaut, das in Quantität und Qualität seinesgleichen sucht und von dem nicht nur Schloss Augustusburg profitiert, sondern auch die beiden anderen historischen Stätten der DIE SEHENSWERTEN DREI, Burg Scharfenstein und Schloss Lichtenwalde. Nahmen 2010 auf Schloss Augustusburg nur 600 Schüler und Schülerinnen an Bildungsangeboten teil, waren es 2018 insgesamt über 3.000 junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Mit Mitteln des Freistaats Sachsen konnte zudem der Sonderausstellungsbereich auf Schloss Augustusburg modernisiert werden. Seitdem ist schon eine ganze Reihe von erfolgreichen, vor allem interaktiven Fami-lienausstellungen gelaufen. Aktuell zeigen die Schlossbetriebe „Ausgetrickst!“ – Die spektakuläre Illusionen-Ausstellung“. Die Schau vermittelt mit VR-Brillen, Handy-Anwendungen und hohem Spaß- und Lern-faktor die Geschichte der Wahrnehmungsforschung. Übrigens: Schon Leonardo Da Vinci experimentierte mit optischen Täuschungen. Eine Ausstellung wie diese ist ein Leuchtturm in der touristischen Land-schaft und zugleich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. In den ersten drei Monaten kamen bereits über 40.000 Besucher.
Chemnitz ist nicht weit. „Aber im Grunde sind wir hier auf dem Land. Für ein vergleichbares Angebot, wie es „Ausgetrickst!“ bereithält, müsse man mindestens nach Leipzig oder Berlin fahren“, so Meyn. Mit der Kulturvermittlung, den Sonderausstellungen und den attraktiven Mitmachangeboten trügen die Schlossbetriebe ihren Teil zur Zufriedenheit der Bevölkerung bei und arbeiteten so proaktiv daran mit, rechtspopu-listischen Tendenzen den Boden zu entziehen.
„Ja, ich schäme mich für den geschmacklosen Auftritt des Hitler-Imitators, den wir nicht verhindert haben, weil wir ihn bedauerlicherweise nicht mitbekommen haben“, so Patrizia Meyn. Das Wintertreffen sei zwar eine wichtige Veranstaltung für Augustusburg, die aber nur einmal jährlich stattfinde. „Die altehrwürdigen Mauern unseres Jagdschlosses stehen keineswegs für braunen Mief, sondern für aufgeklärte Modernität. Deshalb werden wir alles dafür tun, damit sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt.“

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