FC Erzgebirge Aue: Einfaltsreichtum…

Die Fans des FC Erzgebirge Aue wollen gegen Erfurt am Sonntag wieder jubeln.

Die Fans des FC Erzgebirge Aue wollen gegen Erfurt am Sonntag wieder jubeln.
Foto: Birgit Hiemer

FC Erzgebirge Aue: Es war einmal vor 59 Jahren…

Von Sven Günther
Aue. Die Zeit der Derbys geht für den FC Erzgebirge Aue weiter. Nach dem 2:0-Sieg beim Nordrivalen Hansa Rostock, erwarten die Veilchen in der 3. Fußball-Bundesliga am Sonntag 14 Uhr Rot-Weiß Erfurt.
FCE-Sportdirektor Steffen Ziffert: „Wir bekommen mit Erfurt einen Gegner, der noch Punkte gegen den Abstieg sammeln muss. Sie haben Selbstvertrauen getankt. Trotzdem sind wir klarer Favorit. Wir werden als Sieger vom Platz gehen, weil wir nicht umsonst so weit oben in der Tabelle stehen und unsere letzten Aufgaben sehr konzentriert erledigt haben. Die Mannschaft hat viel Selbstvertrauen, viel Glauben in die eigene Stärke. Aber die Erfurter werden etwas dagegen haben, haben die letzten zwei Spiele gewonnen. Deshalb wird es eine schwierige Aufgabe, die wir aber lösen können.“

Auch Cheftrainer Pavel Dotchev ist optimistisch, sagt: „Nach dem Sieg gegen Rostock ist es sehr, sehr wichtig, dass wir dranbleiben und nachlegen. Nur dann hat der Sieg gegen Hansa großen Wert für uns. Die Mannschaft von Rot-Weiß Erfurt ist im Aufwind, hat sich stabilisiert. Sie hat Dresden geschlagen, zuletzt zwei Siege in Folge erreicht. Das gibt Selbstvertrauen. Ich erwarte einen hartnäckigen Gegner. Wenn wir unsere Leistung abrufen, können wir als Sieger vom Platz geben. Wir werden kein Spiel auf die leichte Schulter nehmen.“

Vom Aufstieg spricht er nicht. „Die Liga ist ausgeglichen. Jeder kann jeden schlagen. Außerdem sind es noch zwölf Spiele, in denen alles passieren kann. Wir blicken immer auf den nächsten Gegner. Etwas anderes interessiert uns nicht.“

Der nächste Gegner Rot-Weiß Erfurt ist ein alter Bekannter. Schon 89 Mal standen sich die Mannschaften gegenüber. Die Bilanz: 36 Siege für den FCE, 34 Niederlagen. Vom letzten Sieg der Thüringer im Erzgebirge wissen nur Insider. Am 28. April 1957 gewann Rot-Weiß 2:0 beim damaligen SC Wismut Karl-Marx-Stadt. Das letzte Unentschieden in Aue gab es am 2. Dezember 1995 in der Regionalliga Nordost.

Am häufigsten stand für Aue Holger Erler gegen Erfurt auf dem Platz, kam zu 26 Einsätzen, die meisten Tore für die Veilchen in den Derbys schoss Willy Tröger mit acht. Beide Rekorde verbucht bei den Rot-Weißen der schussgewaltige Stürmer Jürgen Heun für sich. 26 Spiele, acht Tor.

Jürgen Heun. Einer der Namen, an den sich die Fans sofort erinnern, wenn sie an Erfurter Fußballer denken. Genau wie an den des katzengewandten Keepers Wolfgang Benkert. Andere rot-weiße Berühmtheiten sind der schnauzbärtige Wirbler Martin Busse, der semmelblonde Uwe Weidemann und die Abwehr-Strategen Carsten Sänger und Rüdiger Schnuphase.
Sogar einen Championsleague-Sieger, Vizeweltmeister, Weltpokalsieger, Uefa-Pokalsieger, fünfmaligen deutschen Meister und dreifachen DFB-Pokal-Gewinner brachte Rot-Weiß Erfurt hervor: Thomas Linke.

Nette Erinnerungen. Für die Thüringer zählt das hier und jetzt. Auf der Homepage des Vereins ist folgendes zu lesen:

Trainer Stefan Krämer lobt die „hohe Qualität des Gegners“ und die Arbeit seines Kollegen Dotchev, aber er sagt auch: „Wir werden nicht nach Aue fahren und „schon vorher die weiße Fahne hissen“. Er verweist zwar darauf, dass schon „viel zusammenpassen muss, um dort zu bestehen“, aber chancenlos sieht er sein Team keineswegs.
Intensiv haben er und seine Co-Trainer sich mit dem häufigen Systemwechsel der Auer beschäftigt. Gegen Würzburg liefen sie im 4-2-3-1 auf, beim Spiel in Rostock im 4-4-2.
Für den Ausflug ins Erzgebirge muss er auf Fabian Hergesell verzichten(Muskelfaserriss) und auch Tugay Uzan fällt weiter aus (Achillessehnenprobleme). Ansonsten sind alle fit. Auch Samir Benamar, der sich gegen Würzburg eine leichte Blessur zugezogen hatte. Luka Odak, der gerade seinen Vertrag beim RWE verlängert hat, strahlte auf der Pressekonferenz große Zuversicht aus: „Wenn du vier Punkte von einem Abstiegsplatz weg bist, fährt es sich schon entspannter nach Aue“.

Und weiter:
Aue geht nicht nur nach den Zahlen der Statistik als klarer Favorit in die Begegnung. Was sie in dieser Saison bislang aufzuweisen haben, ist mittlerweile schon atemberaubend. So haben sie in den 26 Spielen der laufenden Meisterschaft nur 14 Gegentreffer gefangen, was im deutschen Profifußball nahezu beispiellos ist. Nur Rekordmeister Bayern München steht hinten noch sicherer (11 Gegentore). Beim 2-0 Erfolg am letzten Wochenende in Rostock blieb man dabei schon zum 16 Mal ohne Gegentor. Nach Würzburg wartet damit eine noch undurchlässigere „Abwehrmauer“. Man wird sie – wenn überhaupt – weniger mit dem „Presslufthammer“ als mit Finesse durchstoßen können. Hier wird hoher Einfaltsreichtum unserer Mannschaft gefragt sein.

Einfaltsreichtum… Wenn das mal keine Freudsche Fehlleistung ist…

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