FCE gegen Union: Aufstiegsplatz-Verfolgerduell?

Union-Trainer Jens Keller.
Foto: union-foto.de / Hupe

FCE gegen Union: „und Zahlen lügen doch…“

Von Sven Günther
Aue. Ein unkommentierter Blick auf die Tabelle der 2. Fußball-Bundesliga und die Betrachtung nackter Zahlen kann in die Irre führen. Vor dem Spiel des FC Erzgebirge Aue gegen Union Berlin sieht man die Mannschaften nur drei (Aue) beziehungsweise vier (Berlin) Punkte hinter dem dritten Platz rangierend. Kommt es am Samstag (30. September) 13 Uhr im Lößnitzgrund zu einem Aufstiegsplatz-Verfolgerduell?

Die realistische Antwort lautet: Nein! Richtig ist, dass die Veilchen als Außenseiter, die Eisernen als Aufstiegs-Aspirant herausfordern. In Aue gilt weiter: Ziel ist der Klassenerhalt.

Unions-Trainer Jens Keller spricht dagegen im Interview mit dem Veilchenecho vom Sprung in die Fußball-Bundesliga, sagt: „Unser Anspruch ist es, uns im Vergleich zur Vorsaison weiter zu verbessern. Da waren wir Vierter, also weiß jeder, was das bedeutet.“ Dann schränkt er ein: „So etwas fällt nicht vom Himmelt und kann auch nicht herbeigeredet werden. Dafür muss man konzentriert arbeiten – in jedem Training und in jedem Spiel. Insgesamt haben wir viel zu wenig aus unseren Möglichkeiten gemacht und Punkte leichtfertig in den Schlussminuten vergeben. Das entspricht nicht unseren Vorstellungen.“

Seine Vorstellung zum Spiel verrät er auch. Keller: „Es ist immer etwas seltsam, auf einer Baustelle zu spielen. Davon dürfen wir uns nicht irritieren lassen. Aue ist das gewohnt und hat sich darüber hinaus gut in die Saison hineingebissen. Sie werden versuchen, den Schwung der letzten Spiele mitzunehmen. Da müssen wir von Beginn an hellwach sein.“

Sicher ist: Von Beginn an werden die befreundeten Fan-Lager für Gänsehaut-Stimmung im ausverkauften Stadion sorgen. Rund 50 Unioner machen sich mit ihren Motorrädern auf dem Weg nach Aue. Inzwischen schon fast Tradition!

Tradition. Die gibt es zwischen den beiden Vereinen. 66 Spiele (davon 36 in der DDR-Oberliga) wurden absolviert, 28 gewannen die Veilchen, 15-mal trennte man sich unentschieden. Die meisten Partien für Aue gegen Union? Holger Erler mit 16. Die meisten Tore? Harald Mothes (5).
Erler und Mothes. Zwei Namen, die Fans in die Fußball-Vergangenheit reisen lassen. Und auch auf Berliner Seite gab es Fußballer, die sich ins Gedächtnis eingebrannt haben. Hört man Union, denken Kundige an Lutz „Meter“ Hendel. Der nur 1,69 m große Mittelfeldspieler macht mit 15 Spielen die meisten für die Berliner gegen Aue. Noch bekannter, auffallender, polarisierender war Ralf Sträßer. Der rotmähnige Stürmer wurde 1984 vom BFC Dynamo zu Union in die 2. Liga zwangsdelegiert – eroberte die Herzen der Fans und ballerte den Verein wieder ins Oberhaus.
Bis 1987 blieb er im Verein, wechselte dann nach Jena. Jahre, in denen er vorn ballerte und Torhüter Wolfgang „Potti“ Matthies hinten hechtete. Der schnauzbärtige Keeper erlangte Kult-Status, wurde zum „Wertvollsten Unioner aller Zeiten“ gekürt.
Die Liste bekannter Spieler ließe sich fortsetzen: Reinhard „Mäcki“ Lauck, Olaf Seier, Norbert Trieloff oder Karsten Heine, später Sergej Barbarez, Christian Beek, Marko Rehmer, Jörg Heinrich, Martin Pieckenhagen und Steffen Baumgart. Dazu kommen einige „Eiserne Veilchen“, die in beiden Klubs gespielt haben: Andre Barylla, Sven Beukert, Daniel Haas, Adam Nemec, Ervin Skela oder Bobby Wood.

Sicher werden einige von Ihnen am Samstag (30. September) ab 13 Uhr das vermeintliche Aufstiegsplatz-Verfolgerduell beobachten.

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