FCE-Präsident: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit”

FCE-Präsident Helge Leonhardt und Landrat Frank Vogel freuen sich über das neue Stadion. Foto: Birgit Hiemer

FCE-Präsident Leonhardt über Stadion, Trainer und Zukunft

„Das neue Erzgebirgsstadion ist ein Muss, anders könnte der FC Erzgebirge nicht auf Dauer im Profifußball mithalten. Es wertet unseren Verein, aber auch die Region enorm auf”, sagt Helge Leonhardt und warnt zugleich: „Wir haben nun eine hervorragende Infrastruktur, aber darauf darfst du dich nie ausruhen. Wir müssen die 2. Bundesliga auch in Zukunft halten und Verbesserungen jetzt, wenn es dem Verein gut geht, erzielen. Denn wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.” Mit dem Aue-Präsidenten, seit 2014 an der Vereinsspitze, sprach Olaf Seifert.

Glück auf Helge, was empfindest Du heute zur offiziellen Stadionpremiere?
Ein unglaubliches Glücksgefühl! Dieses langersehnte und hart erarbeitete Stadion wertet unseren Verein, ja die komplette Region enorm auf. Es ist ein Leuchtturm fürs Erzgebirge. Damit haben wir die Basis für den Profifußball der Zukunft gelegt. Das Ergebnis ist eine Kollektivleistung; der Landkreis, die Stadt Aue und der FC Erzgebirge haben dafür gemeinsam an einem Strang gezogen und viel Geld in die Hand genommen. Abgeordnete, Fans und Sponsoren, aber auch die Mitarbeiter im Verein will ich da ausdrücklich hervorheben. Wir haben mehr als drei Jahre lang auf einer Baustelle gespielt und waren sehr erfolgreich, sind mit Pavel Dotchev aufgestiegen und haben mit Domenico Tedesco die Klasse gehalten. Als ich vor vier Jahren Präsident wurde, zählte der Verein kaum 2.000 Mitglieder, aktuell sind es üner 7.100. Es ist doch kein Zufall, dass die Zahl ausgerechnet mit dem Stadionbau so hochgeschossen ist. Wetten, bald sind es 10.000…

Welche Effekte bringt das „New Otto”?
Es ist Wohlfühlarena für Familien und Fans, bietet Sponsoren und Werbepartnern ungleich bessere Bedingungen. Service und Sicherheit sind auf dem Niveau, das im europäischen Profisport verlangt wird. Und ist, so wie der ganze FC Erzgebirge, der beste Botschafter für Sachsen. Ob im Urlaub in Frankreich und Italien, auf Geschäftsreise in Moskau, im Trainingslager in Österreich – überall wurde ich auf die Veilchen angesprochen. Fußball ist Menschen überall auf der Welt wichtig und interessant. Ich weiß, das Spiel gegen Schalke wird wieder eine Eins-a-Werbung für ihn sein.

Und das Wiedersehen bringen mit Domenico Tedesco, dem wir den Klassenerhalt 2017 maßgeblich mit zu danken haben?
Stimmt, und es gilt gewiss auch umgekehrt. Für den jungen Trainer war Aue das Sprungbrett in die Bundesliga, auf die internationale Bühne. Wir halten seither guten Kontakt, es ist sogar so was wie Freundschaft entstanden. An der Stelle will ich auch das unkomplizierte Zusammenwirken beider Vereine betonen, damit dieses besondere Spiel zustande kommt. Das sind eben zwei Kumpelvereine, danke Christian Heidel und Domenico!

Es ist heute nicht selbstverständlich, eine 20-Millionen-Investition im geplanten Zeit- und Kostenrahmen zu schaffen. Wie hieß das Rezept in Aue?
Wie gesagt, es war ein Gemeinschaftswerk vieler Partner, die alle ein Ziel hatten. Jeder sagt, das habt ihr super geplant und gebaut. Die Nutzer wurden permanent einbezogen, ob Zuschauersitze, Sauna, Fanshop, Catering; bis zu den „Katakomben”, welche Fans mit Wismut-Graffities bemalten. Ich wüsste nicht, was wir hätten anders machen sollen, du fühlst dich einfach wohl hier. Bei allem Teamwork gab es immer auch kreative Köpfe, fleißige Malocher und präzise Rechner, deren Namen sich mit dem Erfolgswerk verbindet. Für den FCE muss ich da unbedingt Michael Voigt, den Verantwortlichen für den Bau im Vorstand, loben. Genauso wie Landrat Frank Vogel, den Beigeordneten Andreas Stark, Projektleiter Matthias Meyer, Chefplaner Ronny Erfurt.
Wenn du so ein Stadion hinsetzt, sollte freilich auch alles andere im Verein rund laufen. Auch das wurde geschafft: 2. Liga gehalten, wirtschaftlich solide, immer die Lizenz ohne Probleme bekommen, die anderen Abteilungen und die eigenen Talente nie vernachlässigt. So hat unser Nachwuchsleistungszentrum vor einigen Tagen den zweiten Stern vom DFB bekommen. Das ist nicht hoch genug zu schätzen, zumal wir dafür seit vielen Jahren arbeiten. Bloß, gerade weil es beim FC Erzgebirge sehr gut läuft, liegt darin auch eine Gefahr.

Heißt?
Jetzt bloß nicht nachlassen, sich nicht ausruhen! Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Beispiele gibt es viele im Profifußball. Deshalb mache ich Druck, gerade in guten Zeiten Schwachstellen zu beseitigen, Kritik ernst zu nehmen, unerbittlich für den Klub und den Klassenerhalt zu rackern. Wie wir das machen entscheidet, wohin der Proficlub marschiert. Ich halte nichts von aufgeblähten Strukturen. Wenige Leute müssen mehr arbeiten, okay. Aber das schafft weniger Reibungspunkte, sichert kurze Entscheidungswege. Der Erfolg spricht dafür.
Ich habe mir genau angeschaut, wie der neue Trainer das auf seiner Strecke macht. Ich erkenne bei Daniel Meyer Kompetenz, Durchsetzungskraft, Kollektivgeist. Sein Ziel ist, die Entscheider rund ums Profiteam stärker zusammenzuführen. Ergebnis ist ein Pool aus Trainerteam, Videoanalyse, Medizin, Physiotherapie, Führungsspielern – mit Meyer Kopf und dem Vorstand, der die Linie vorgibt. Künftig soll das Spielsystem des Profikaders auch für die U-19- bis U-15-Junioren gelten. Bei den Transfers halten wir an der bisherigen Praxis fest, gestandene Profis für Aue zu gewinnen und Talente über die 2. Liga zu entwickeln.

Mit dem Risiko, sie an Spitzenclubs zu verlieren wie eben Pascal Köpke?
Das war ein sehr guter Transfer, der größte in der Vereinsgeschichte. Pascal kam als No-Name-Mann und hat sich bei uns optimal profiliert. Das spricht also für unsere Strategie, die uns ohnehin vom Budget diktiert ist. Und dann ist ja noch das eigene Nachwuchszentrum, von dort Local Player hoch zu führen ist überhaupt das Beste, was uns passieren kann.

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