FDP-Chef Christian Lindner in Chemnitz: Dialog mit einem Entertainer

Chemnitz. Er war gekommen, um Antworten auf Fragen zu Herausforderungen der Zeit zu geben: Christian Lindner, Fraktionsvorsitzender der FDP im Bundestag und Bundesvorsitzender seiner Partei. Auf Einladung des Chemnitzer FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Müller-Rosentritt suchte Lindner heute im Veranstaltungs- und Kongresszentrums LUXOR den Dialog.

Der FDP-Chef weiß sich zu inszenieren und zu unterhalten.

Müller-Rosentritt lobte Lindner als einen der talentiertesten Politiker der Zeit. Der Gehuldigte nahm die überschwänglichen Worte mit einem Schmunzeln und gespielter Bescheidenheit zur Kenntnis. Denn in seinem Vortrag zeigte Lindner, dass er gern im Rampenlicht steht. Gekonnte Wortspiele und Spitzen gegen politische Konkurrenten liegen ihm, Gelächter und Applaus als Zustimmung sind herzlich willkommen. Lindner ist ein Entertainer, deswegen ist er als Redner auch so beliebt.

“Die Menschen fühlen sich von der bestehenden Politik nicht mehr repräsentiert. Und wenn sie unzufrieden sind, suchen sie sich neue Repräsentanten“, warnt er und schreibt der bestehenden Regierung einen Teil der Verantwortung des Erstarkens der AFD zu. „Man macht die AFD nicht klein, wenn man sich auf ihren Stil herab lässt“, mahnte er in Erinnerung an Martin Schulz‘ Rede, wonach die AFD auf den Misthaufen der Geschichte gehöre.

Auch im Umgang mit Umweltbewusstsein forderte er gesundem Menschenverstand. Eine umweltbewusste Hamburgerin, die aufgrund ihres legal gekauften Dieselfahrzeuges ein Fahrverbot fürchten muss, aber gleichzeitig sieht, wie riesige Tanker im Hafen einlaufen und tonnenweise Diesel verbrennen, passten einfach nicht zusammen.

“Wer unzufrieden ist mit der Regierung, hebt keinen Pflasterstein auf sondern geht an die Wahlurne“, so Lindners Demokratieverständnis. Er verwahrt sich aber gegen eine Ungleichbehandlung von linken und rechten Gewalttaten. Sein Apell an die Sachsen: „Es ist nicht gut, unser ganzes Land und Europa kurz und klein zu schlagen.“ Wichtig sei es, die breite Mitte der Gesellschaft wieder abzuholen und sich mit diesen zu beschäftigen.

Die FDP sieht er als Bürgerrechtspartei. „Was privat ist, muss auch privat bleiben.“ Humoresk ausgedrückt sagt Lindner: „Wenn ich nachts nach Andrea Nahles google, dann ist das legal. Aber ich möchte nicht, dass das jeder weiß.“ Selten bringt das Thema Datenschutzgrundverordnung mehrere hundert Menschen in einem Raum zum Lachen. Politiker müssten auch manchmal mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen konfrontiert werden.

Chemnitzer Erinnerungsgeschenke.

Natürlich durfte auch das Thema Asylpolitik nicht fehlen: „Es ist unser Recht zu entscheiden, wen wir rein lassen.“ Integrationserwartungen müssten durchgesetzt werden. Die FDP fordert ein Einwanderungsgesetz, das arbeitswillige und fähige Menschen ermögliche nach Deutschland zu kommen.

Bürokratie senken, Steuerlast senken, Fachkräfte fördern, vernünftige Infrastruktur auf Straßen und Datenautobahnen sieht er als Mittel, um den Mittelstand zu stärken.

“Wir haben in Deutschland so eine Art Lust am Untergang“, beklagt er die Tendenz den wirtschaftlichen Untergang herbei zu reden. Nicht in Konzernen wie VW oder Deutsche Bank sieht er die Probleme sondern in mächtigen Unternehmen wie Google und Amazon, weil sie die Offenheit des Wettbewerbs bedrohten.

Nach einer halben Stunde des humorvollen Referierens widmete sich Lindner den zahlreichen Fragen im Saal: Rente, Bildungssystem, Asyl, Behindertenrechte und vieles mehr. Allumfassende Antworten auf die Herausforderungen der Zeit konnte er vielleicht nicht geben, aber zumindest einen interessanten Dialog gemeinsam mit Gastgeber Frank Müller-Rosentritt und den Chemnitzern führen.

Volles Haus: Das Interesse an Lindner war groß.

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