Müller-Rosentritt: „Nach der Reise beginnt die Arbeit“

In seinem Chemnitzer Büro sprach Frank Müller-Rosentritt über seine Asien-Reise. Foto: Cindy Haase

Chemnitz. Der Chemnitzer FDP-Bundestagsabgeordnte Frank Müller-Rosentritt war Ende Juli gemeinsam mit einer Delegation um Bundesaußenminister Heiko Maas zu Gast in Asien. Nach seiner Rückkehr sprach er mit Cindy Haase, stellvertretender WochenENDspiegel-Chefredakteurin, in seinem Chemnitzer Büro über seine Reise nach Japan und Südkorea.

Herr Müller-Rosentritt, was war der Anlass für Ihre Reise nach Asien?
Heiko Maas wollte der erste Europäische Außenminister sein, der nach Abschluss des größten Freihandelsabkommens der Welt, Jefta, nach Japan reist. Von jeder Fraktion sollte ein Abgeordneter dabei sein und ich bin in der Fraktion der gewählte Berichterstatter für den Kontinent Asien.

Treffen mit Shintaro Ito vom Außenministerium.

Was haben Sie in Japan und Südkorea erlebt?
Wir waren drei Tage in Asien, nur eine Nacht haben wir im Hotel verbracht, den Rest im Flugzeug. Es war also sehr stressig. Zunächst waren wir in Tokio, wo wir den Außenminister getroffen und uns mit Abgeordneten ausgetauscht haben. Außerdem gab es Besuche an der Universität und an Forschungsinstituten. In Südkorea haben wir den Wiedervereinigungsminister und den Außenminister getroffen und waren auch in der entmilitarisierten Zone. Das war schon alles ein bisschen surreal. Wir sind auch in der Firmenzentrale von LG gewesen. Es ist schon unfassbar, was dort alles produziert wird.

Wie war die Resonanz auf Ihren Besuch?
Sehr gut, aber die meist gestellte Frage war: Wo ist Deutschland?

Wie ist das gemeint?
Nun, Frankreich zündet im asiatischen Raum gerade ein diplomatisches Feuerwerk. Durch die starke militärische Ausstattung wird Frankreich sehr stark wahrgenommen.

Und Deutschland?
Japans Außenminister Taro Kono hat uns gesagt, dass er sich von Europa und vor allem Deutschland eine deutlich aktivere Rolle im südpazifischen Raum wünscht. Die USA haben da ein Vakuum gelassen, was wir aufgrund der gemeinsamen Wertevorstellung gut füllen könnten. Auch der Botschafter von Japan wünscht sich eine Ausweitung der strategischen Spannweite Deutschlands über Afghanistan hinaus.

Was muss aus Ihrer Sicht hier vor Ort passieren?
Die Beschäftigung mit Ländern wie Japan und Südkorea ist in Deutschland viel zu gering. Das zeigt sich schon daran, dass sich im Auswärtigen Amt nicht einmal 100 Leute mit Asien beschäftigen. Mein Wunsch ist es, hier eine Debatte anzuschieben. Wichtig dabei ist es, erst mal eine Bestandsaufnahme zu machen und dann auch zu fragen: Reicht das aus, was wir hier tun?

Was denken Sie?
Ich denke, dieses Thema muss bei uns eine ganz andere Rolle spielen, zum Beispiel auch bei den Sprachangeboten in der Schule. Immerhin sprechen weltweit 1,3 Milliarden Menschen Chinesisch – in unseren Schulen ist das aber kaum ein Thema. Asien ist für viele ein Dritte-Welt-Thema. Dabei waren die Chinesen viele Jahrhunderte fortschrittprägend. China hat schon viele Jahrhunderte vor uns den Buchdruck gehabt, aber in unseren Schulbüchern steht zum Großteil immer noch, dass er von Gutenberg erfunden wurde.

Wie nachhaltig sind solche kurzen Reisen überhaupt? Kann man da was bewegen?
So eine Reise kann immer nur ein Impuls sein, sich mit verschiedenen Dingen zu beschäftigen. Man muss aber vor Ort sein, um sich überhaupt ein Bild von der tatsächlichen Lage zu machen und nicht nur das aus den deutschen Medien zu sehen.

Unterscheidet sich das so stark?
Teilweise schon. Hier in Deutschland bekommt man ja den Eindruck, als ob die Südkoreaner unbedingt alle eine Wiedervereinigung wollen. Das ist aber nicht so. Sie wollen vor allem eine friedliche Koexistenz mit Nordkorea. Wiedervereinigung ist da kein Thema. Sollte es irgendwann doch mal dazu kommen, kann man sicher von den deutschen Erfahrungen – und dort vor allem von den gemachten Fehlern – lernen.

Welches Fazit und welche Hoffnungen ziehen Sie aus Ihrer Asienreise?
Es ist der Beginn eines Arbeitsprozesses. Man macht ja auch ständige Werbung dabei für seine Stadt. Ich möchte ein Stück weit auch die Welt nach Sachsen und Chemnitz holen. Wir müssen gemeinsame Chancen in Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft ausloten. Nach meiner Rückkehr hatte ich ein zweieinhalbstündiges Gespräch mit dem Japanischen Botschafter in Berlin. Es ging auch darum, wie man die Beziehungen von Sachsen zu Japan verbessern kann. Er wird 2019 zwei Tage nach Chemnitz kommen. Der Großteil der Außenpolitik wurde in der Vergangenheit von Westdeutschen gemacht. Dadurch sind dort viele Kontakte entstanden. Warum soll uns das nicht für Sachsen jetzt auch gelingen?

Vielen Dank für das Gespräch!

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