Freiberg: Akuminöse Fragen

Spannende Diskussion im städtischen Festsaal Freiberg. Von links: OB Sven Krüger (SPD), Baubürgermeister Holger Reuter (CDU), Dr. Matthias Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Falk Neubert (DIE LINKE), Dr. Simone Raatz (SPD), Philipp Hartewig (FDP), Prof. Dr. Heiko Hessenkemper (AfD) und Steve J. Ittershagen (CDU)
Foto: Peter Kuckenburg

Spannende politische Diskussion in Freiberg

Von Sven Günther
Freiberg. Es gibt Worte, die führen im Seitendickicht des Duden das Dasein eines Grottenolm: kaum beachtet, kaum gebraucht, meist überlesen. Das Adjektiv „akuminös“ ist ein Vertreter dieser Art, die in Zeiten von Facebook, WhatsApp, Twitter & Co. leider drastischen Zuwachs erfährt.

Akuminös. Kundige wissen, dass das Wort als Synonym für „zugespitzt“ verwendet werden kann. Und zugespitzt waren die Fragen, die der Freiberger Oberbürgermeister Sven Krüger (SPD) und Baubürgermeister Holger Reuter (CDU) am Mittwoch (20. September) im städtischen Festsaal den mittelsächsischen Bundestagskandidaten stellten. 200 Gäste besuchten die politische Diskussion unter dem Motto „Es geht um unser Land“, die vom WochenENDspiegel Freiberg organisiert wurde und Wahlunentschlossenen eine Entscheidungsfindungshilfe sein sollte.

Bissige Moderatoren: Sven Krüger (links) und Holger Reuter.
Foto: Peter Kuckenburg

 

Gut zwei Stunden malträtierten Krüger/Reuter die Politiker mit ihren bohrenden, beißenden, insistierenden Fragen und Dr. Simone Raatz (SPD), Philipp Hartewig (FDP), Falk Neubert (DIE LINKE), Prof. Dr. Heiko Hessenkemper (AfD), Dr. Matthias Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Steve J. Ittershagen (CDU) gaben meist erfrischend kurze und prägnante Antworten. Ittershagen, der CDU-Landtagsabgeordnete, war kurzfristig eingesprungen, weil die CDU-Bundestagsabgeordnete und – kandidatin Veronika Bellmann einen anderen Termin wahrnehmen musste.

Oberbürgermeister Sven Krüger: „Holger Reuter hat viele Fragen ausgesucht, sie dann mit mir abgestimmt. Am Ende haben wir das gefragt, was auch wir in den Bürgersprechstunden gefragt werden, Themen angeschnitten, die die Menschen wirklich beschäftigen.“ Kein Wischiwaschi, kein Blablabla. Die Moderatoren setzten auf die Abteilung Attacke, was der Lebhaftigkeit der Diskussion gut tat. Im Publikum wurde getuschelt: „Die beiden hätten mal das TV-Duell zwischen Merkel und Schulz moderieren sollen, dann wäre es auch dort spannend geworden.“

Auch die Fragen der Leser des WochenENDspiegels, vorgetragen von Erich Fritz, dem Geschäftsführer der SAXONIA Standortentwicklungs- und -verwaltungsgesellschaft mbH Freiberg, trugen dazu bei, die Debatte spannend werden zu lassen. Punkt für Punkt griffen Reuter und Krüger die Wahl-Aussagen der Parteien auf, gaben sie dann, verknüpft mit einer provokanten Frage, an die Kandidaten zurück.

Sie wollten von Philipp Hartewig (FDP) wissen, ob die Probleme Deutschlands zukünftig allein mit dem Handy zu lösen seien.
Vom GRÜNEN Dr. Matthias Wagner wollten sie eine Antwort auf die Frage, ob unsere Natur wirklich so krank ist, dass man nicht mehr alles essen kann.
Prof. Dr. Hessenkemper wurde gefragt, ob seine Partei zu feige sei, Regierungsverantwortung zu übernehmen.
CDU-Politiker Steve J. Ittershagen sollte beantworten, ob Angela Merkels Entscheidung, so viele Flüchtlinge aufzunehmen, wirklich klug und besonnen war.
Ob die LINKE die Konzerne und Banken verstaatlichen wolle, musste Falk Neubert beantworten und Dr. Simone Raatz wurde damit konfrontiert, dass Spitzenkandidat Martin Schulz von 2014 bis 2017 EU-Präsident war, die Partei aber jetzt dafür wirbt, endlich die Probleme Europas zu lösen.

Die Moderatoren fragten nach Burka-Verbot, sprachen die mangelnde Abschiebe-Praxis an, wollten wissen, ob die Diesel-Technologie (unter Ausblendung wissenschaftlicher Daten) ideologisch verteufelt wird. Thematisiert wurden die Einführung eines Zuwanderungsgesetzes, die Tatsache, dass Deutschland beim Ausbau des Internets international hinterherhinkt, die Frage, ob man nicht den Zugang zu akademischer Bildung begrenzen müsse, um mehr Fachkräfte zu bekommen.

An die Aussage, eine Zuwanderung wie 2015 dürfe sich nicht wiederholen, wurde die Frage gekoppelt, was passiert, wenn der Druck durch Asylbewerber immer größer wird. Und: Wie geht man damit um, dass Sprachkurse mit 15 Asylbewerbern beginnen und mit drei enden? Russland-Sanktionen, Flüchtlinge mit schlechter Bildung, Asyl und Integration, die Frage, ob wirklich keine typisch deutsche Kultur zu identifizieren sei und ob der Islam zu Deutschland gehöre oder nicht, ob Cannabis legalisiert werden sollte, die Sicherheitsmaßnahmen bei Volksfesten und ob die Bundeswehr auch im Inland eingesetzt werden sollte: Alles wurde kritisch hinterfragt und die Fragen zum Teil überraschend offen beantwortet.
Antworten auf akuminöse Fragen von Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger, Baubürgermeister Holger Reuter und den Lesern des WochenENDspiegel Freiberg.

Was die mittelsächsischen Kandidaten gesagt haben, können Sie im Audio-Mitschnitt der Veranstaltung nachhören.

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