Freiberger Runde 4: Kein Verständnis für EU-Embargo und Putin-Bashing

Freiberg. Auch in 2016 gibt es wieder das Politforum „Freiberger Runde“ – eine konzertierte Aktion der Agentur „WortReich“ und WochenENDSpiegel Feiberg. Nach Timtschenko,  Sarrazin und Ruge  präsentierte sich nun am 1. Februar dem politisch interessierte Zuschauer der Journalist und Publizist Hubert Seipel. In den Mittelpunkt stellte Seipel sein neuestes Buch „Putin – Innenansichten der Macht“.

Erste Überraschung: Nachdem der Vorverkauf schleppend verlief, war man ins Loft des Tivoli ausgewichen – und dort drängten sich dann 80 Zuschauer, mehrheitlich Putin-Fans, eng aneinander. Sie brauchten ihr Kommen nicht zu bereuen, denn Seipel präsentierte Details nicht um die Person des russischen Präsidenten, sondern auch um das Thema UdSSR/Russland allgemein.

Hubert Seipel, interviewt von Viktor Timtschenko, war durch einen Dokumentarfim näher an Putin herangekommen, und hatte diesen später mehrmals auf Reisen begleitet. Der Publizist warnte vor der weiteren Dämonisierung Putins, „der im Westen abwechselnd als Superreicher, Autist, Lügner oder Alkoholiker gebrandmarkt wird“.

Das Problem mit Russland begann schon nach den Abmachungen im 2+4-Vertrag . 1990 hatte der US-Außenminister Baker offiziell erklärt: „… die Nato werde sich keinen Inch Richtung Osten ausweiten.“ Des Rest ist bekannt.

Des Weiteren würden auch manche Zusammenhänge im Ukrainekonflikt klar, wenn man das Buch des früheren US-Sicherheitsberaters Zbigniew Brzezinski „Die einzige Weltmacht – Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ von 1999 lese. Brzezinski prognostizierte damals: „… Irgendwann zwischen 2005 und 2010 sollte die Ukraine für ernsthafte Verhandlungen sowohl mit der EU als auch mit der NATO bereit sein.“

Bei der Fragerunde kamen natürlich die Negativauswirkungen von Ukrainekrise / EU-Embargo zur Sprache. Ein Vertreter der Nossener Firma Peschke & Hegewald sagte: „Der Handel mit den Russen lief doch völlig fair und problemlos. Durch das Embargo müsste ich eigentlich 5 … 6 Leute entlassen. Sollen wir vielleicht jetzt mit dem bessergestellten Iran handeln?“

Viele der Zuschauer empörten sich auch über das Russland-Bashing im deutschen Fernsehen, ein Student fragte: „Glauben Roth oder Kleber eigentlich, was sie da über Putin bzw. Russland reden? Seipel: „Ja, das sind schon Überzeugungstäter. Insgesamt ist Deutschland in dieser Frage in West-Ost gespalten. Sie haben hier ganz andere Erfahrungen und Ansichten.“

Die Freiberger Runde Nr. 5  findet dann am 12. April statt.

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