Frenzel: So wird aus Gold Geld

 

Doppel-Olympiasieger Eric Frenzel setzt auch bei der Vermarktung Maßstäbe. Foto: Marion Grumbd

Eric Frenzel: Neue Dimension der Vermarktung

Von Sven Günther
Region. Rund 800 für Sportler abgeschlossene Werbeverträge, 25 TV-Spots in den letzten Jahren! Unternehmensberater Stephan Peplies, der Manager unseres Doppel-Olympiasiegers Eric Frenzel, ist Deutschlands erfolgreichster Sportvermarkter. Er machte Frenzel, Martina Ertl oder Magdalena Neuner zu Einkommens-Millionären, er hat ein einfaches Geheimnis: Komplettbetreuung. Peplies: „Es geht darum, aus Sportlern Persönlichkeiten zu formen, die auch außerhalb des Sports anerkannt sind. Deshalb gehe ich mit ihnen schon mal ins Franz-Marc-Museum oder wandere im Karwendelgebirge. In der Sportlerbetreuung decken wir von Vermarktung über Pressearbeit, Abiturvorbereitung bis zur Sportmedizin alles ab.“
Jetzt, nach den Olympischen Spielen, ist er im Vollstress. Er koordiniert Termine, legt Vermarktungsstrategien fest – gibt Interviews. Auf www.wochenendspiegel.de verrät er, wie aus Gold Geld wird.

WochenENDSpiegel: Gold in PyeonChang bringt wie viel Geld?
Stephan Peplies: Ob ein Olympiasieger mit seinem Gold Geld verdienen kann, hängt davon ab, wie bekannt er im Vorfeld gewesen ist. Sympathiewerte, Medienpräsenz von Sportler und Sportart, Werbemöglichkeiten und weiteren Kriterien kommen hinzu. Im Bereich Print, TV und Radio sollten die Sportler einen Bekanntheitsgrad von 60 bis 80 Prozent haben, damit ein Werbeeffekt erzielt werden kann. Ein Olympiasieger, den vor den Spielen nur Insider kannten, schafft das nicht. Sein Sieg wird vermarktungstechnisch verpuffen.

WochenENDSpiegel: Aber Überraschungssieger lösen doch Emotionen aus, sind jung, erfolgreich und unverbraucht.
Stephan Peplies: Natürlich kann es gelingen, einen Shootingstar und ein Unternehmen vermarktungstechnisch zusammenzubringen, wenn die Chemie zwischen Sportler und Marketing-Verantwortlichen stimmt. In der Branche spricht man von Sweatheart-Deals, Herzens-Entscheidungen, ohne nachhaltige Wirkung.

WochenENDSpiegel: Und kommt der Kopf hinzu?
Stephan Peplies: „Wird man wirkliche Sachargumente abwägen. Für einen bekannten Sportler, der in einer populären Sportart Gold gewonnen hat, kann der Olympiasieg einen Katalysator-Effekt für die Vermarktung haben.

WochenENDSpiegel: Also lieber Biathlon als Snowcross?
Stephan Peplies: „Ja, leider ist das so. Biathlon läuft auch nach Olympia im TV, Snowcross nicht. Den Goldmedaillen-Gewinner im Tontaubenschießen von Rio, Anton Glasnovic aus Kroatien, kennt keiner. Usain Bolt jeder.

WochenENDSpiegel: Wozu zählt Ihr Klient Eric Frenzel als Olympiasieger in der Nordischen Kombination?
Stephan Peplies: Dank der Erfolge von Eric Frenzel und Co. entwickelt sich der Sport zum Quotenhit. Der Abstand zum Biathlon wird kleiner. Johann Rydzek wurde „Sportler des Jahres“. Das sagt alles. Eric Frenzel wirbt aktuell weltweit für OMEGA, mit Akito Watabe im TV für die Bank Mizuho. Nach dem Sieg in PyeonChang werden wir wahrscheinlich in eine neue Dimension der Vermarktung mit Eric vorstoßen.

Stephan Peplies mit Julia Görges. Der Manager, der in seiner Freizeit Latein-Nachhilfen erteilt, Gedichte von Reiner Kunze rezitiert, zeitgenössische Keramik sammelt und mit Sportökonomie-Studenten schon mal über Platon diskutiert, betreut auch die Weltklasse-Tennisspielerin. Foto: Peplies Consult

WochenENDSpiegel: Das Schlüsselwort ist Glaubwürdigkeit?
Stephan Pepies: „Unbedingt. Hätte Magdalena Neuner das Stricken nicht ihr Hobby nennen können, wäre ihre Kampagne mit dem Wollgarnhersteller Lana Grossa nicht so erfolgreich gewesen. Eric Frenzel wirbt für „eins energie in sachsen“, einem Unternehmen, mit dem er sein Haus energieeffizient geplant hat und Martina Ertl wirbt aktuell für die innovative Alpinsonnencreme der Firma paediprotect, die sie ihren Kindern selbst ins Gesicht schmiert.“

WochenENDSpiegel: Halten Sie das IOC-Werbeverbot für Sportler bei Olympia zeitgemäß?
Stephan Peplies: Olympia ist die durchkommerzialisierteste Sportveranstaltung der Welt, bei der erheblich Geld fließt. Dass die Sportler, ohne deren Leistung die Spiele nicht stattfinden würden, nicht persönlich werben dürfen, ist ein heuchlerischer Anachronismus. Schließlich muss man sehen, dass Spitzensportler in der Regel nur eine kurze Zeit viel Geld verdienen können.

WochenENDSpiegel: Wenn Sie richtig vermarktet werden…
Stephan Peplies: Sie müssen einfach Erfahrung für den Bereich der Vermarktung und zudem Netzwerke in der Wirtschaft haben. Sie müssen die Honorarkorridore kennen und bestehende Marketingstrategien von Unternehmen antizipieren können. Sie müssen Unternehmen kreative Vorschläge für die Umsetzung eines Sponsoringprojekts entwickeln.

WochenENDSpiegel:  Was verdient man als Sportler mit einem TV-Spot?
Stephan Peplies: Im nationalen Raum pro Vertragsjahr zwischen 100.000 bis 500.000, international zwischen 500.000 und 2,5 Mio.Euro

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