Fundtiere im Erzgebirge

Seline Meier absolviert im Tierheim ihr FÖJ. (Foto: Natalie Scheffler)

Der Tierschutzverein Aue-Schwarzenberg erklärt, was bei Fundtieren zu tun ist

Von Natalie Scheffler
Region. Immer wieder kommen Menschen auf die Mitarbeiter vom Tierschutzverein Aue-Schwarzenberg und Umgebung e.V. zu, weil sie beispielsweise bemerkt haben, dass in ihrer Gartenanlage wilde Katzen leben. Gerade dieses Jahr hätten sie sehr viele wilde Katzenmamas samt Kitten bekommen. Woran das liegt kann Seline Meier, die im Tierheim ihr FÖJ absolviert, nur mutmaßen: „Menschen sind wahrscheinlich aktuell aufmerksamer und bemerken herrenlose Katzen eher, da sie während Corona mehr Zeit zuhause verbracht haben. Und sie sind auch öfter in der Natur, dadurch treiben sie die sonst versteckten Tiere mehr in die Städte.“
Viele dieser Hilferufe erreichen das Tierheim in regelmäßigen Abständen. Die Bürger hoffen dann, dass jemand vom Tierheim die Tiere mitnehmen kann. Doch so einfach ist es meistens nicht, wie Ulrike Schubert vom Vorstand des Vereins erklärt: „Wilde Katzen, die seit Jahren ohne menschliche Kontakte leben oder frei geboren wurden, kann man nicht so einfach im Tierheim unterbringen. Selbst wenn man sie einfangen kann, leiden sie im Tierheim unter der Gefangenschaft. Manche Tiere versuchen sogar die Wände hochzuklettern oder verfallen in eine tiefe Depression.“

Vor allem in ländlichen Regionen seien wilde Katzen ein Problem. Denn Katzen, die nicht kastriert werden, vermehren sich sehr schnell und unkontrolliert. Sie werden mindestens zweimal pro Jahr rollig und können dann jeweils drei bis fünf Katzenjunge zur Welt bringen. Dabei ist die Kastration aber häufig eine Kostenfrage, denn diese ist sehr teuer. „Hinzu kommt, dass Kitten, die frei geboren werden, häufig sehr krank sind. Sie leiden dann unter Katzenschnupfen oder Herpes-Infektionen. Die Folgen sind für die Vierbeiner ganz schlimm. Daher ist es sehr wichtig, jede Freigängerkatze – egal ob weiblich oder männlich – kastrieren zu lassen“, so Ulrike Schubert.
Wild lebende Katzen werden in der Regel eingefangen, kastriert und nach einigen Tagen Erholung wieder dorthin gebracht, wo sie ihr bisheriges Leben verbracht haben und wo es tierliebe Menschen gibt, die sie versorgen. Wenn das aber nicht möglich ist, weil sich beispielsweise der Fundort an einer Straße befindet, dann kommen die Katzen in einen Katzenfreilauf, der räumlich begrenzt ist. Häufig sind sie aber zu wild, um vermittelt zu werden.

Ulrike Schubert vom Vorstand mit Katze Lucy. (Foto: Natalie Scheffler)

Bei Kitten und jungen Kätzchen ist das jedoch anders. Diese können noch nicht kastriert werden und werden im Tierheim aufgenommen. Mit viel Liebe und Geduld werden sie zu zahmen Stubentigern, die die Chance auf ein schönes Zuhause bei einer Familie bekommen. Zunächst kommen die wilden Kätzchen aber auch erst einmal in Quarantäne und werden geimpft, da sie Krankheitserreger in sich tragen könnten.
Aktuell ist das Tierheim sehr gut ausgefüllt mit mehr als 60 Katzen. Viele der jungen Katzenkinder warten auf eine Vermittlung. Ulrike Schubert weißt jedoch darauf hin, dass Katzenkinder immer nur zu zweit vermittelt werden können: „Die Kleinen wollen nicht allein in einer Wohnung leben. Sie brauchen Spielgefährten zum Toben und Kuscheln. Daher werden Kätzchen nicht einzeln in Wohnungshaltung vermittelt. Sollte bereits eine Katze im Haushalt leben und ist noch nicht zu alt, dann ist das auch in Ordnung. Kann die Katze nach angemessener Eingewöhnungszeit Freigang genießen, dann ist Einzelvermittlung selbstverständlich möglich.“

Vor der Kastration einer wilden Fundkatze ist es wichtig, die Kostenfrage zu klären. Wenn Tieren kein Besitzer zugeordnet werden kann, geht der erste Weg ins Ordnungsamt, um dort eine Fundtieranzeige mit konkreten Angaben zu machen. Dann kommt die Katze ins Tierheim. Anders verhält es sich, wenn die Bürger die Tiere bereits über einen längeren Zeitraum gefüttert haben, ohne sie kastrieren zu lassen. Dann gehen sie automatisch in Privateneigentum der jeweiligen Person über und die Kosten müssen entsprechend selbst gedeckt werden.
Doch nicht jede Freigängerkatze muss eine wilde Katze sein. Eine gute Beobachtung der Situation und ein Gespräch mit den Nachbarn bringt oftmals schnelle Klärung. Ulrike Schubert fasst zusammen, was zu tun ist: „Eine frühzeitige Kastration weiblicher und männlicher Katzen kann viel Tierleid verhindern und eine unerwünschte Katzenpopulation eindämmen. Seien Sie aufmerksam und reagieren Sie, wenn Sie Tierleid beobachten. Informieren Sie das Veterinäramt in Aue oder nehmen Kontakt zu uns auf.“

Jobs in Deiner Region

Facebook