Gedankenaustausch unter Charakter-Köpfen

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Müller-Rosentritt besuchte im Erzgebirge Unternehmern und Politiker. Besonders das Gespräch mit Jürgen Huss hat ihn beeindruckt. Foto: André Kaiser

Hut trifft Glatze

Von Sven Günther
Erzgebirge. Der eine spricht, der andere hört zu, erwidert, stimmt zu, äußert seine Gedanken. Wir sehen ein Foto mit zwei Charakterköpfen. Der eine ohne Haare, der andere mit Hut. Bundestagsabgeordneter Frank Müller-Rosentritt (links) von der Freien Demokratischen Partei aus Chemnitz traf während einer Rundreise durch das Erzgebirge Jürgen Huss (rechts).

Nicht die einzige Station. Müller-Rosentritt besuchte den Porsche-Werkzeugbau in Schwarzenberg, sprach mit dem Auer Oberbürgermeister Heinrich Kohl. Termine mit OB Rolf Schmidt (Annaberg-Buchholz), Landrat Frank Vogel und dem Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft mussten krankheitsbedingt verschoben werden.

Zu seiner ersten „großen Erzgebirgs-Tour“ und dem 1. Bundespolitischen Abend erklärt Frank Müller-Rosentritt:
„Als für das Erzgebirge zuständiger Abgeordneter und selbst aus der Region stammend, möchte ich erfahren, wie sowohl Bürger als auch kleine und mittelständische Betriebe, größere Unternehmen sowie Vertreter politischer Institutionen und Bildungseinrichtungen, aber auch Vereine und Verbände im Erzgebirge den Arbeitsalltag meistern.”

90 Minuten sprach Müller-Rosentritt mit Jürgen Huss. Themen: Fachkräftemangel, Lohngefälle zum Westen, verfehlte Familien- und Bildungspolitik.

Dem WochenENDspiegel gab Frank Müller-Rosentritt ein Interview.

Ein FDP-Bundestagsabgeordneter unterwegs im schwarzen Erzgebirge. Wie haben die Menschen auf GELB/MAGENTA reagiert?

Sehr positiv! Mit dem langjährigen MdB Heinz-Peter Haustein verfügt das Erzgebirge über eine lange liberale Tradition, an die ich gern anknüpfen möchte. Einige waren schon verwundert, dass es neben Alexander Kraus von der CDU einen weiteren Erzgebirger gibt, der im Bundestag sitzt und sich für die Belange der Bürger unserer Heimat engagiert. Auch wenn ich in Chemnitz angetreten und wohnhaft bin, so liegen meine Wurzeln im Erzgebirge.

Sie waren als Banker in New York, sind jetzt im Bundestag, sitzen im wichtigen Auswärtigen Ausschuss. Ist für Sie das Erzgebirge nicht der Miriquidi, der Dunkelwald, die Provinz?

Selbstverständlich nicht! Mein Vater stammt aus Crottendorf und meine Mutter aus Annaberg. Ich verbrachte seine Kindheit in Gersdorf und bin seit vielen Jahren Trompeter bei den Heidelbachtal-Musikanten, der erfolgreichsten Blaskapelle im Erzgebirge. Das Erzgebirge ist meine Heimat und gerade der wichtige Blick von außen, ob in meiner Zeit in New York, während meines Studiums in Stuttgart oder meiner Tätigkeit in Dresden, haben mich in meinen Wurzeln gefestigt. Ich kenne so viele innovative Menschen und Firmen, ob aus dem Schwarzwald, aus München oder eben aus unserem Erzgebirge kommend. Das macht für mich keinen Unterschied. Das Erzgebirge ist weltoffen und die Kunden vieler unserer Firmen sind in der Welt zu Hause. Grundsätzlich würde ich mich jedoch freuen, wenn wir das Erzgebirge noch mehr in die Welt bringen könnten, denn wir brauchen uns vor anderen nicht verstecken. Im Gegenteil! Wenn es uns dann noch gelingt, dass Chemnitz sich ganz offen zu seinem wunderbaren Umland bekennt, ist viel gewonnen.

Können Sie die Sorgen der Bürgermeister, die z.B. ein Protestpapier unterzeichnet haben, nachvollziehen und werden Sie sie unterstützen?

JA! Das sollten wir sehr ernst nehmen, denn keiner hat so einen intensiven Kontakt zu den Belangen der Bürger wie der Bürgermeister. Die Forderungen nach besserer Ausbildung zur Bekämpfung des Fachkräftemangels kann ich nur unterstützen. Ebenso sollte eine leistungsfähige Infrastruktur im Erzgebirge vorhanden sein, um die Menschen und die Industrie im ländlichen Raum zu befördern.

Welche Begegnungen haben sie besonders beeindruckt?

Das Gespräch mit dem Neudorfer Jürgen Huss ist mir in Erinnerung verhaften geblieben. Er hat – wie viele andere auch – mit den eigenen Händen seine Existenz aufgebaut und hat mir berichtet, wie schwer es sei, im oberen Erzgebirge Arbeitskräfte zu bekommen und zu halten. Doch mit cleveren Ideen, Erfindungen und einem ausgeklügelten Marketing kann er sich behaupten. Das Familienunternehmen Huss ist auch überregional bekannt und steht für mich stellvertretend für das kreative, mittelständische Handwerk und Präzisionsmaschinenbau im Erzgebirge.

Welches Fazit ziehen Sie? Was lehrt Sie die Reise durch das Erzgebirge?

Die Menschen im Erzgebirge bewegen etwas – sowohl in den Unternehmen als auch im Politischen. Leider sind es oftmals äußere Umstände, wie z.B. bürokratische Irrwege oder fehlende Infrastruktur, die sie daran hindern und es der Wirtschaft im Erzgebirge unnötig schwer machen noch erfolgreicher zu sein. Insbesondere der demografische Wandel und der Sog der Städte stellen die Region und die Unternehmer vor riesige Herausforderungen. Daher ist es mir wichtig, den Leuten zuzuhören und gemeinsam mit diesen Lösungen zu erarbeiten und diese wiederum durch Initiativen in Berlin zu befördern.

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