Geld schießt eben doch Tore!

FCE-Prädsident Helge Leonhardt blickt auf die Hinserie zurück. Foto: Archiv

FCE-Präsident: Ich hebe jetzt warnend den Finger!

Von Sven Günther
Aue. Er war angefressen, verärgert und sein Lächeln war gequält. FCE-Präsident Helge Leonhardt erlebte man mürrisch im Gespräch mit MDR-Journalist Rene Kindermann und die Fans am TV spürten, dass der Macher nach der 0:3 Heimniederlage gegen Düsseldorf geladen war. „Das war ein gebrauchter Tag für uns. Ich will gar nicht darauf rumreiten, dass Düsseldorf den besseren Kader hat. Die waren einfach ekliger, haben Philipp Riese quasi rausgetreten und klargemacht, dass die gewinnen wollen.“
Das hat er, Leonhardt, bei seiner Mannschaft gerade in der ersten Halbzeit vermisst: „Da müssen wir nachhaken, fragen, warum wir den Gegner nicht so angenommen haben wie wir es geplant hatten . Ich hebe jetzt bewusst den warnenden Finger, damit wir nicht in eine unangenehme Situation kommen. Bislang haben wir noch keine Baustelle und wollen auch keine haben .”

Keine Baustelle. Das sagte Leonhardt auch im Gespräch mit dem WochenENDspiegel zur Hinserienbilanz. Leonhardt: „Ich bin zufrieden. Wir hatten kaum Rückschläge, eine hohe Disziplin und einen absolut wettbewerbsfähigen Kader mit dem besten Torhüter der 2. Bundesliga, der uns natürlich auch einige Punkte gerettet hat. Genau wie Krüger und Testroet im Angriff. Der Zusammenhalt ist einzigartig.“

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Auch vor dem Spiel gegen Düsseldorf zeigte sich, dass der FC Erzgebirge Aue mehr ist, als ein Profifußballverein. Angestellte und Fans schoben massenhaft Schnee vom Spielfeld, ermöglichten erst, dass die Partie angepfiffen werden konnte. Leonhardt: „Es macht mich stolz, wenn ich sehe, wie Mitarbeiter, Fans und Sponsoren uns unterstützen. Hier zeigt sich, dass der Name Kumpelverein nicht ausgedacht, sondern tief in den Herzen verankert ist.“

Aus diesem Zusammenhalt, aus dieser Unterstützung, leitet der Präsident eine Forderung ab, sagt: „Wir müssen immer wieder vorleben, was es heißt, für den Kumpelverein tätig zu sein, müssen Demut zeigen und müssen uns jede Woche freuen, dass wir in der 2. Bundesliga Fußball spielen dürfen. Dass wir in der Region solch eine Unterstützung finden, eine derartig hohe Anerkennung genießen, darf von KEINEM leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Wie schon vor der Saison gilt die Formel FCE = 100 Prozent! Immer! Alle!“

Um so mehr ärgern Leonhardt Spiele wie gegen Düsseldorf oder beim Pokalaus in Ulm. Wobei das Pokalaus wiegte viel schwerer .Der Präsident: „Auch damals habe ich Tacheles geredet, weil wir da auch jede Menge Geld liegengelassen haben, was gerade jetzt in der Corona-Krise dringender denn je benötigt wird. Wir sind ein Profiverein, bei dem der Leistungsgedanke im Vordergrund steht und keine Feierabend-Mannschaft. Deshalb achte ich sehr genau auf die Entwicklung in der Mannschaft.“

Eine Mannschaft, die er realistisch einschätzt. „Profifußball ist ein kapitalisiertes System. Leider kann man nicht alles mit Mentalität erreichen, es muss auch die entsprechende Qualität hinzukommen. Aber ich erwarte, dass ALLE IMMER an ihre Leistungsgrenze gehen.
Die 2. Liga ist sehr eng, das zeigt ein Blick auf die Tabelle. Wir haben eine gute Mannschaft, aber wenn man sich die Kader anschaut, gibt es eben einfach Teams, die besser besetzt sind und sich über eine Saison gesehen durchsetzen werden. Man kann den Steigermarsch noch so oft spielen – am Ende schießt das Geld eben oftmals doch die Tore.“

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