Grenzerfahrung

Foto: A. Krauß, A. Kaiser

Region. Nach wie vor sind die Grenzen zu Tschechien dicht, gelten für Berufspendler verschärfte Regeln. Dennoch gibt es Signale einer gewissen Entspannung, da die Regelungen seitens unserer Nachbarn ein Stück weit gelockert wurden. So dürfen tschechische Arbeitnehmer, die in Deutschland arbeiten, künftig mit einem maximal vier Tage alten negativen Covid-19-Test, dem sogenannten PCR-Test, sowie einer gültigen Pendlerbescheinigung ihres Arbeitgebers über bestimmte Grenzübergänge pendeln, ohne danach auf tschechischer Seite in Quarantäne zu müssen. Allerdings muss alle 14 Tage so ein Test vorgelegt werden.

Auf etwas Erleichterung können auch Geschäftsreisende und Montagearbeiter aus Deutschland hoffen, da sie seit dem 27. April, ebenfalls mit einem maximal vier Tage alten, negativen PCR-Test und einem Nachweis der Geschäftstätigkeit in Tschechien, künftig bis zu 72 Stunden (unter Einhaltung gewisser Beschränkungen in der Bewegungsfreiheit) einreisen dürfen, ohne in Tschechien in Quarantäne genommen zu werden. Bei einem Aufenthalt von über 72 Stunden muss die Einreise vorher angemeldet werden.

Alexander Krauß, CDU-Bundestagsabgeordneter, erklärt hierzu: „Tschechien hat deutlich strengere Corona-Schutzmaßnahmen getroffen. Zufrieden bin ich mit der Gesamtsituation noch nicht. Die Regelungen müssen für die deutschen Unternehmen vor allem praktikabel sein. Deswegen bin ich mit der deutschen Botschaft in Prag im ständigen Austausch, um weitere Verbesserungen zu erreichen.“

„Weitere Verbesserungen…“, ein Satz, den deutsche Unternehmer sicher gern hören, der ihnen Hoffnung machen sollte. Gerade für Unternehmer, deren Betriebe sich auf tschechischer Seite befinden, ist die Situation nicht leicht.

Unternehmer Wilmar Schmiedel
Foto: André Kaiser

Wilmar Schmiedel beispielsweise, dessen Firma seit 25 Jahren in Tschechien produziert, musste seit der Grenzschließung seine Geschäfte vom Schreibtisch von zuhause aus führen. „Geschäftsführende Eigentümer wurden bisher wie Pendler behandelt. Da wurde nicht einmal ein Handelsregister-Auszug akzeptiert. Das erschwert natürlich den Ablauf. Kunden- und Bankgeschäfte müssen wir vorrangig postalisch abwickeln. Anfangs, als sich der Landrat noch eingesetzt hatte, funktionierte es ganz gut. Jetzt seit ungefähr zwei Wochen ist es für uns auf Grund der verschärften Regelungen seitens unserer tschechischen Nachbarn zunehmend schwerer geworden. Wir mussten im März sowohl auf dem deutschen, als auch auf dem tschechischen Markt einen Umsatz-Rückgang von 30 Prozent verkraften. Trotzdem versuchen wir bis jetzt aus eigener Kraft ohne staatliche Hilfen durchzukommen. Wir akzeptieren die Richtlinien, keine Frage. Aber wenn von einem Tag auf den anderen plötzlich alles anders ist, trifft es einen automatisch, und das ohne dass man selbst etwas dafür kann. Ich weiß nicht, was wird, wenn diese Situation wirklich noch ein Jahr anhalten sollte, da man heute nie weiß, was morgen bei unseren tschechischen Nachbarn beschlossen wird. Daher wünsche ich mir mehr Transparenz von der tschechischen Regierung speziell gegenüber den deutschen Unternehmern. Zudem sollten grenzüberschreitende Maßnahmen zur Erleichterung von Speditionen, Dienstleistern und eben Unternehmern, deren Betriebe in auf tschechischer Seite ansässig sind, zwischen Sachsen und Tschechien behandelt werden. Die Grenze in Oberwiesenthal muss offen bleiben. Wir brauchen dringend Planungssicherheit. Sonst wird es schwierig.“

Eine Sicht, die auch Jürgen Burkert teilt. Der Geschäftsführer der Hugo Stiehl GmbH Kunststoffverarbeitung: „Den Informationsfluss speziell der sächsischen Staatsregierung kann man angesichts der Problematik im Moment jedenfalls nur als mangelhaft bezeichnen. Gerade in solchen schweren Zeiten wäre es doch wichtig, den bis vor der Corona-Krise eingeschlagenen guten Weg der Partnerschaft mit Tschechien weiter zu führen und auszubauen. Stattdessen müssen wir, was aktuelle Beschlüsse und Maßnahmen jenseits der Grenze betrifft, mühsam selbst recherchieren, weil solche Informationen bisher weder über die IHK, noch über andere Wirtschaftsorganisationen gesammelt und zeitnah an die betreffenden Unternehmen kommuniziert werden. Wir würden uns wünschen, dass explizit für diese Thematik eine Institution auf deutscher Seite als zentrale Anlaufstelle für all die betroffenen Unternehmen fungiert und diese zeitnah und transparent informiert. Zudem muss es doch machbar sein, dass Entscheidungsträger Abläufe in ihren Unternehmen in Tschechien lenken können, und nicht von Deutschland aus. Daher wäre gerade für die Leitungsebene das unkomplizierte Passieren der tschechischen Grenze, natürlich unter Einhaltung der entsprechenden Vorgaben, eine echte Erleichterung. Wir wollen ja nicht tagelang verweilen, sondern lediglich unsere Firmen auf tschechischer Seite ordentlich leiten.“
Bleibt zu hoffen, dass unsere tschechischen Nachbarn den Weg der schrittweisen Lockerungen der Regelungen jetzt konsequent weiter geht und die Politik auf deutscher Seite ihren Teil dazu beiträgt.

Informationen zu den aktuellen Regelungen unserer tschechischen Nachbarn finden Sie hier

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