Grenzüberschreitende Germanistik

Der Rektor der Westböhmischen Universität in Pilsen Doc. Dr. RN Dr. Miroslav Holecek übergibt an Professorin Elke Mehnert die Ernennung zum Ehrendoktor der Universität.  Foto: privat

Der Rektor der Westböhmischen Universität in Pilsen Doc. Dr. RN Dr. Miroslav Holecek übergibt an Professorin Elke Mehnert die Ernennung zum Ehrendoktor der Universität. Foto: privat

Aue. Wenn jemandem der Titel eines Ehrendoktors verliehen wird, hat er für diese Einrichtung über Jahre ganz besondere Verdienste erworben. Professor Dr.paed.et phil.habil Elke Mehnert aus Aue ist zur Ehrendoktorin der Westböhmischen Universität in Pilsen ernannt worden. Es ist das erste Mal, dass die Pädagogische Fakultät diesen Titel vergab, und eine ganz besondere Würdigung ihrer intensiven Arbeit.
Elke Mehnert arbeitete viele Jahre im Auer Stadtrat mit, ist Professorin für Germanistische und Vergleichende Literaturwissenschaft. Wikipedia schreibt, Letztgenanntes sei die Wissenschaft von den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Literaturen verschiedener Kulturen in grenzüberschreitender Perspektive. Man könnte sagen, seit Jahren hat sich Elke Mehnert, unter anderem als Professorin an der TU Chemnitz und als Rektorin der Pädagogischen Hochschule Zwickau, diesen interkulturellen Beziehungen verschrieben. Waren es früher eher Verbindungen in die damalige Ostblockländer ( sie ist seit 2004 auch Ehrenprofessorin der Pädagogischen Universität Wolgograd), sind es heute vor allem die Verbindungen mit Tschechien, denen sie in der Germanistik Stabilität und Zukunft geben möchte. Die Kontakte, welche bis 1968 (Prager Frühling) bestanden, wurden nach der Wende wieder intensiviert. Die Germanistik lag zu diesem Zeitpunkt in unserem Nachbarland am Boden. Es gab kaum noch Deutschlehrer.

Die Germanistik erhält neuen Aufschwung

Als Gastdozentin und in Kooperation mit der TU Chemnitz half Professor Elke Mehnert, eine neue Generation von Germanisten in Pilsen auszubilden. Zwei Studentinnen führte sie bis zum Doktortitel. „Eine ist jetzt sogar meine Chefin“, erklärt sie schmunzelnd. Um die Zusammenarbeit beider Länder zu intensivieren, organisierte sie deutsch-tschechische Konferenzen auf verschiedensten Interessengebieten, bei denen sich unter anderem Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, Juristen, Offiziere, Lehrer und Architekten beider Länder trafen. Schwerpunkt ihrer Arbeit blieben aber die Germanistik-Studiengänge in Chemnitz und Pilsen. Sie brachte Lehrkräfte beider Universitäten miteinander ins Gespräch, sorgte dafür, dass tschechische Studenten einen Teil ihres Studiums in Sachsen absolvieren konnten, organisierte Studienreisen für tschechische Studenten nach Berlin. Im März fahren z.B. Pilsener Studenten zu einem Schnupperaufenthalt nach Chemnitz. „Ich wollte einfach, dass auf diesem Gebiet mehr passiert“, sagt die Professorin. „Vielleicht kommen einige der Pilsener Absolventen auch als Lehrer für Deutsch als Fremdsprache zu uns zurück. Sie könnten dann als Deutschlehrer für Migranten arbeiten und Sachsen eine große Hilfe leisten.“
Obwohl sie sich längst etwas Rentenruhe gönnen könnte, fährt Mehnert einmal pro Woche zu ihren Studenten nach Pilsen, hält Vorlesungen, schreibt Gutachten und tut all das andere, das eben zur Arbeit eines Hochschullehrers gehört. An der TU Chemnitz hat sie den Angehörigenstatus behalten, der es ihr erleichtert, deutsch-tschechische Hochschulkontakte auf dem „kleinen Dienstweg“ zu pflegen.
Elke Mehnert wünscht sich, dass die langjährigen, mit viel Engagement auf beiden Seiten aufgebauten Kontakte zwischen den Universitäten, einzelnen Fakultäten und Lehrstühlen auf tschechischer und deutscher Seite zum Nutzen beider Länder fortgesetzt werden. Zehn bilaterale Seminare „Gute Nachbarn- schlechte Nachbarn?“ haben bisher stattgefunden. „Das Fragezeichen hat schon heute keine Berechtigung mehr. Wir sind gute Nachbarn und wollen es bleiben“, so die deutsche Professorin an der Westböhmischen Universität.hb

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