Grundschule Lauterbach wird komplett saniert

Das Lauterbacher Schulgebäude wird derzeit einer Grundsanierung unterzogen.
Foto: Jana Kretschmann

 

Lauterbach. Das neue Schuljahr hat begonnen und die Lauterbacher Grundschülerinnen und Grundschüler machen sich täglich auf den Weg in den Marienberger Ortsteil Gebirge, um zu lernen.
Die dortige frühere Schule wurde für die Mädchen und Jungen der Klassen 1 bis 4 hergerichtet, um die Zeit zu überbrücken bis die Lauterbacher Bildungseinrichtung grundlegend saniert wieder ihrer Bestimmung übergeben werden kann. Die Bauarbeiten werden aller Voraussicht nach bis ins Frühjahr 2018 andauern. Fußböden, Decken und Wände sowie alle technischen Einrichtungen werden erneuert und instand gesetzt, um den neuesten Sicherheitsstandards zu entsprechen. Die Kosten belaufen sich in etwa auf 1,3 Millionen Euro und werden über das Programm „Brücken in die Zukunft“ zu 66 Prozent gefördert.

Unterricht seit 1617

Schule ist in Lauterbach seit 1617 ein Thema. Seit dieser Zeit ist eine  Knabenschule nachweisbar. Die Mädchenschule wurde 1838 errichtet. Aus der Chronik geht außerdem hervor, dass 1880 die Gesindestube des Erbgerichtes als dritte Schule eingerichtet wurde. 1882 befand der Bezirksarzt allerdings, dass alle drei Einrichtungen für völlig ungenügend und untragbar eingestuft werden mussten.
Man entschied sich schließlich zum Bau einer neuen Schule.
Die Einweihung dieser schönen, modernen und den Ansprüchen gerecht werdenden Zentralschule, in welcher auch Lehrerwohnungen untergebracht waren, fand am 1. September 1885 statt. Die Kosten schlugen mit 63.000 Mark zu Buche. Nach 37 Jahren Unterricht dann ein großer Schreck: Am 22. September des Jahres 1922 brach nachts in den Bodenräumen des Gebäudes ein Brand aus, verursacht durch das Abstellen glühender Asche in einem defekten Eimer und verschuldet durch eine dort wohnende Gemeindeschwester.
Der gesamte Dachstuhl wurde ein Raub der Flammen und auch das übrige Gebäude erlitt durch das Löschwasser große Schäden. Es dauerte Wochen bis das Haus wieder ein Dach hatte und genutzt werden konnte. In der Zwischenzeit wurden die Kinder in Gasthäusern und dem Konfirmandenraum der Pfarrei unterrichtet.

Schulwesen in früheren Zeiten

Das Schulwesen in früheren Zeiten ist natürlich in keinster Weise mit dem der Gegenwart vergleichbar. Schulpflicht gab es nicht und die Kinder wurden anfangs in einem primitiv eingerichteten Raum unterrichtet. Meist übten die Lehrkräfte neben der Lehrtätigkeit noch einen anderen Beruf aus. Sie waren oftmals Schneider. Neben Nadel und Zwirn lag der Stock. Doch es gab auch andere Beschäftigungen. 1617 fungierte beispielsweise ein Christian Wild als Lehrer, der nebenher in der ganzen Umgebung noch Kirchenuhren reparierte. Das Thema „Nebenjob“ war also schon damals hochaktuell.
Als Hauptfach stand die religiöse Unterweisung auf dem Plan. Lesen, Schreiben und Rechnen zählten eher zu den nebensächlichen Dingen. Spurten die Kinder nicht, gab es Schläge mit dem Stock.
Was die Schülerzahlen anging, sind 1617 ganze 20 – nur Knaben – verzeichnet. Im Jahre 1828 besuchten schon 274 Kinder – 130 Knaben und 144 Mädchen – die Schule.
1898 gingen in Lauterbach 364 Kinder zur Schule und an die 6. Klasse wurde eine 7. angegliedert. Aus dem Jahre 1918 ist bekannt, das 296 Kinder von drei Lehrern unterrichtet wurden.
Aus dem Jahr 1845 ist ein Stundenplan überliefert: Montags standen Religion, Lesen im Gesangbuch und Rechnen auf dem Plan. Dienstags das Überhören der Sprüche, Schönschreiben und ebenfalls Lesen im Gesangbuch. Am Mittwoch mussten die Kinder Bibellesen und sich im Gesang üben, gefolgt von Religion, Schönschreiben und Rechnen am Donnerstag. Am Freitag forderte der Lehrer Biblische Geschichte, Hersagen der Hauptstücke und Lesen und am Sonnabend nochmals Bibellesen und Gesang.

Aufgaben und Bezahlung der Lehrer

Auch was das Amt des Lehrers anging, gibt es auch hier Interessantes zu berichten. Der Hauptlehrer war zugleich Kirchenlehrer, Kantor, Organist und Kirchner in einer Person. Er musste bei Taufen, Begräbnissen und beim Gottesdienst behilflich sein, Orgelspielen und die Kirchenuhr aufziehen. Sein Einkommen setzte sich also aus verschiedenen Tätigkeiten zusammen und kam meist nicht regelmäßig.
Aus dem Jahre 1842 ist überliefert, dass das monatliche Einkommen eines Hauptlehrers 558 Taler und 14 Neugroschen betrug. Gar nicht so schlecht für damalige Zeiten möchte man meinen. Doch es ist zu bedenken, dass der Hauptlehrer von diesem Geld zuerst folgendes begleichen musste.
180 Taler waren allein für die Pension seines Vorgängers zu zahlen. Außerdem mussten vom verbliebenen Geld noch 1 bis 2 Hilfslehrer, Kost, Wohnung, Feuerung der Schulzimmer und anderes mehr beglichen werden. Allzu viel dürfte für den Hauptlehrer dann nicht mehr übrig geblieben sein.
Erst viel später wurde die Bezahlung geregelter.

Schule und Krieg

Durch den Krieg erlitt der Schulbetrieb schwere Schäden. Lehrerwechsel, Abzug der Lehrer zum Kriegsdienst sowie Benutzung schulischer Dinge zu nichtschulischen Angelegenheiten wirkte sich sehr negativ auf den Unterricht aus. Kurz vor Ende des 2. Weltkrieges war Schule kaum mehr möglich, da Flüchtlinge und Umsiedler in den Klassenzimmern untergebracht waren. In einem Falle ist bekannt, dass eine 14köpfige Flüchtlingsfamilie wochenlang in einem Schulzimmer hauste, dass zum Schluss voller Ungeziefer war und von Grund auf gesäubert und desinfiziert werden musste. Nach dem Krieg war aller Anfang schwer. Es gab keine Lehrbücher, Lehrmittel und Stifte. Es mangelte an Kleidung und die Kinder kamen hungrig. Doch es ging langsam bergauf.
1950 wurde die Schule in „Gerhard-Hauptmann-Schule“ umbenannt. Ab 1959 erfolgte der schrittweise Übergang zur zehnjährigen Schulbildung.

Grundschule seit der Wende

Seit der Wende fungiert die Lauterbacher Einrichtung als Grundschule für die 1. bis 4. Klasse. Wie eingangs erwähnt, wird diese gegenwärtig einer grundlegenden Schönheitskur unterzogen. Wie toll das Haus nach dem Umbau sein wird, soll nach der Fertigstellung im Rahmen eines „Tages der offenen Tür“ den Interessenten präsentiert werden.

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