Heimkehr von Heym: Witwe schenkt Bibliothek des Schriftstellers der Stadt Chemnitz

Das Originalarbeitszimmer von Stefan Heym. Fotos/Projektierungen: Stadt Chemnitz/Atelier n.4

Chemnitz. Der gebürtige Chemnitzer Stefan Heym kehrt heim. In der 3. Etage des Tietz soll die Stefan-und-Inge-Heym-Arbeitsbibliothek einen Platz finden. Das teilten Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, Dr. Ulrike Uhlig, Vorsitzende der Stefan-Heym-Gesellschaft und Ferenc Csák, Leiter des Kulturbetriebes der Stadt Chemnitz, heute Vormittag auf einer Pressekonferenz mit.

Möglich wird das durch eine Schenkung der Heym-Witwe Inge. Bei Besuchen im Haus der Witwe des Schriftstellers lernten Vertreter des Vorstandes der Heym-Gesellschaft die Arbeitsbibliothek Inge und Stefan Heyms kennen. Im Laufe der vergangenen Jahre wurde gemeinsam mit der Stadt Chemnitz die Idee geboren, diese wertvollen Buchbestände mit dem dazugehörigen Mobiliar des Arbeitszimmers eines Tages in die Geburtsstadt Stefan Heyms zu bringen und damit in Chemnitz einen Ort des lebendigen Gedenkens an diesen Autor mit Weltgeltung zu schaffen.

Rund 2000 bis 3000 Bücher aus dem Privatbesitz von Stefan und Inge Heym sowie Bücherregale und persönliche Gegenstände werden damit in den Besitz der Stadt übergehen. Im Tietz wird auf rund 300 Quadratmetern Fläche das Arbeitszimmer von Stefan und Inge Heym nachgebildet. Der Bereich wird in die Stadtbibliothek integriert und wird durch Glasscheiben einsehbar sein. Doch damit nicht genug: Auch zwei Arbeitsplätze für Recherchen und Forschungsarbeiten sind geplant, um Interessierten einen Zugang zu den bibliothekaren Schätzen Heyms – darunter auch viele Bücher mit Widmungen anderen Autoren und seltene Editionen – zu ermöglichen. Außerdem sollen auch Aufzeichnungen zugänglich gemacht werden, die mit Inge Heym aufgezeichnet wurden. In diesen erzählt sie in vielen Anekdoten Hintergründe und gibt Einblicke in die Lebens- und Gedankenwelt des Autors.

„Wir sind sehr, sehr dankbar“, war Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig die Begeisterung heute förmlich anzusehen. Sie sprach von einem unendlichen Fundus und pries vor allem den ideellen Wert der Schenkung an. Damit erfahre die Stadt auch eine große Aufwertung, denn zahlreiche Heym-Forscher nach Chemnitz pilgern. Ludwig hatte Stefan Heym im Jahr 2001 selbst noch kennen gelernt. „Das war ein großes Glück“, sagt sie rückblickend. Die Auszeichnung mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Chemnitz habe Heym sehr viel bedeutet. Damals habe es auch Gespräche über einen angedachten Stefan-Heym-Preis gegeben. Diesen verleiht Stadt Chemnitz seit 2008 alle drei Jahre an herausragende Autoren und Publizisten, „die sich in gesellschaftliche wie politische Debatten einmischen, um für moralische Werte zu streiten.“

Am 11. Dezember muss der Stadtrat darüber abstimmen, ob dem Schenkungsvertrag, und der Verortung des Stefan-Heym-Zentrums mit der Stefan-und-Inge-Heym-Arbeitsbibliothek im Tietz zugestimmt wird. Der Vertrag regelt unter anderem, dass die Bücher im angemessenen Rahmen der Öffentlichkeit zugänglich in Form gemacht werden sowie der Charakter als persönliche Arbeitsbibliothek zu erhalten ist.

Nach Aussage von Kulturamtsleiter Ferenc Csák sei es das Ziel, bis April 2020 – dann wird der nächste Stefan-Heym-Preis verliehen – schon erste Flächen zugänglich zu machen.

So soll die Stefan-und-Inge-Heym-Bibliothek einmal aussehen.

Zur Person

Stefan Heym zählt zu den bedeutenden deutschen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1913 unter dem Namen Stefan Flieg als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Chemnitz geboren. Schon früh engagierte er sich als Antifaschist und wurde aufgrund seiner Einstellung vom Gymnasium verwiesen und holte seinen Abschluss deshalb in Berlin. Nach dem Reichstagsbrand 1933 floh er in die Tschechoslowakei, wo er den Namen Stefan Heym annahm.

1935 ging er mit dem Stipendium einer jüdischen Studentenverbindung in die USA, wo er sein Studium an der Universität von Chicago fortsetzte, das er 1936 mit einer Magisterarbeit über Heinrich Heines Atta Troll abschloss. Von 1937 bis 1939 war er in New York Chefredakteur der deutschsprachigen Wochenzeitung Deutsches Volksecho, die der Kommunistischen Partei der USA nahestand. Nachdem die Zeitung im November 1939 ihr Erscheinen eingestellt hatte, arbeitete Heym als freier Schriftsteller in englischer Sprache. Bereits sein erster Roman Hostages, der im Jahr 1942 veröffentlicht wurde, war ein großer Erfolg.

Heym verließ zeitgleich mit Charlie Chaplin, Bertolt Brecht und Thomas Mann, die als linke Intellektuelle und Künstler in der McCarthy-Ära zum Auswandern veranlasst wurden, 1952 die USA. Er zog zunächst nach Prag, von wo er 1953 in die DDR übersiedelte.

Stefan Heym starb 2001 in Isreal. Im gleichen Jahr hatte ihm seine Heimatstadt Chemnitz die Ehrenbürgerschaft zu Teil werden lassen.

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