Helden des Alltags: „Auch wir sind systemrelevant“

Katharina Kronfeldt, Praxisinhaberin der Ergotherapie Koch, und ihre Kollegen sind auch jetzt für ihre Patienten da, natürlich unter noch strikterer Eingaltung der Hygienemaßnahmen.
Foto: privat

Zwickau. „Ich bin richtig stolz auf mein großartiges 16-köpfiges Team“, sagt Katharina Kronfeldt. Die Praxisinhaberin der Ergotherapie Koch betreibt zwei Praxen in Zwickau und eine in Neumark. Stolz ist sie vor allem deshalb, weil jeder ihrer Mitarbeiter in der Corona-Krise hinter dem Unternehmen steht. „Wir praktizieren weiter, sind für unsere Patienten da und halten die ohnehin schon durchgeführten Hygienemaßnahmen noch strikter ein“, sagt die Ergotherapeutin.

So heißt es nun desinfizieren, desinfizieren und nochmals desinfizieren. Doch Desinfektionsmittel sowie Schutzkleidung sind kaum zu bekommen und dazu mit erheblichen Mehrkosten verbunden.

Die Praxis bleibt weiterhin geöffnet. Denn das ist wichtig, nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht. „Für alle meine Mitarbeiter und auch für die Patienten ist es notwendig, dass die Therapien fortgesetzt werden. Eine längere Unterbrechung der Behandlung bedeutet für viele unserer Klienten  eine Verschlechterung ihres Zustandes und damit auch eine Beeinträchtigung ihrer Selbständigkeit und ihres Alltagslebens.“

Ergotherapeuten, genauso wie Logopäden und Physiotherapeuten sind systemrelevant. Das heißt sie dürfen und müssen sogar weiterhin Patienten behandeln. Auch jetzt, während den verstärkten Ausgangseinschränkungen, dürfen Patienten notwendige medizinische Behandlungen wahrnehmen. Also alle Behandlungen, die vom Arzt verordnet wurden. „Nicht umsetzbar für uns ist momentan leider das Arbeiten in Pflegeheimen sowie die Zusammenarbeit mit Behindertenwerkstätten, Schulen und Kindegärten. Dazu kommen zahlreiche Patientenabsagen aufgrund von Verunsicherung und Angst vor Ansteckung. Dadurch brechen uns mindestens 60-70 Prozent der Einnahmen weg .Deshalb haben fast alle Praxen der Heilmittelerbringer Kurzarbeitergeld angemelden müssen. Trotzdem muss man bedenken, dass der Verdienst dieser Berufsgruppen sowieso schon im Niedriglohnsektor liegt. “

Umso glücklicher sind Katharina Kronfeldt und ihr Team, dennoch für die großen und kleinen Patienten da sein zu können, die keiner Risikogruppe für das Coronavirus angehören. Nicht zuletzt sind die Ergotherapie KOCH und de Logopädie Jana Trültzsch die einzigen ambulanten Praxen in Zwickau, die in Kooperation mit der Paracelsus-Klinik auf der Stroke Unit Station Schlaganfallpatienten innerhalb der ersten 72 Stunden intensiv betreuen. Auch weiterhin.

Einiges Positives kann die Ergotherapeutin der jetzigen Situation trotzdem abgewinnen: „Die extreme Situation schweißt mein Team noch mehr zusammen und uns eröffnen sich neue Wege der Behandlung. So arbeiten wir uns gerade in die  Videotherapie ein. Der Patient kann so eins zu eins via Live-Stream über ein geschütztes Portal, wie z.B. Sprechstunde.Online,  mit uns kommunizieren. So muss seine Behandlung, etwa weil er Risikopatient ist, nicht über Wochen ausgesetzt werden. Es ist jedoch nur ein Medium,  um die aktuelle Situaltion zu überbrücken. Der direkte Kontakt zum Klienten ist und bleibt enorm wichtig.“

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