Helden des Alltags: Birgit Menzl kocht eigentlich Schulessen

Birgit Menzl kocht normalerweise Portionen für mehrere Hundert. Foto: Nicole Schwalbe

Zwickau. Seit 1992 besteht der Kantinenbetrieb von Birgit Menzl, in den letzten 10 Jahren hat sich die Inhaberin als Catering Unternehmen für Speisen ohne Zusatzstoffe für diverse Schulen in der Region einen Namen gemacht. Mit damals knapp 30 Mitarbeitern war es eine große Herausforderung, für fünf Schulen, und damit für Hunderte von Schul- und Kita-Kindern, zu kochen. 2011 stand die dreifache Mutter kurz vor einem Burn Out, eine Kur wurde als Selbständige von der Krankenkasse nicht bezahlt. Die Unternehmerin war gezwungen, die Firma auf eine Angestellte zu verkleinern und gab bis auf zwei Schulen alle Aufträge ab. „Damals musste ich mich aus meinem Tief wieder herauskämpfen. Ein zweites Mal stehe ich das nicht durch“, sagt Birgit Menzl verzweifelt. Ihre Großküche steht seit Mitte März still, da durch die Schul- und Kita-Schließungen sämtliche Aufträge weggebrochen sind. Natürlich könnte sie rein theoretisch für die wenigen Firmen kochen, die noch am Start sind. „Aber meine Küche ist als Großküche ausgestattet mit Kochtöpfen für 500 Portionen, nicht für zwanzig“, sagt Menzl, während sie demonstrativ den Deckel eines „Kochtopfes“ anhebt.

„Ich habe jetzt null Einnahmen, aber Lohnkosten, Miete, Nebenkosten und die Rückzahlung der Essengelder für rund zwei Wochen. Ich befürchte, die Hilfsprogramme der Politik kommen für mich zu spät“, so Menzl. Die versprochenen Kredite für Kleinunternehmen und Freiberufler seien ebenfalls keine Lösung. „Ich könnte die Kredite niemals zurückzahlen. Dann müssten die Eltern nach der Krise für mehrere Monate zwei Essen für ihre Kinder pro Tag bestellen“, bedauert Menzl. Wie sie trifft es auch andere Unternehmen in der Region, deren Existenz noch in den Sternen steht. Lediglich große Cateringfirmen wie der 20-jährige RWS Cateringservice aus Leipzig mit 44 Kochstandorten in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg kann sich auf das zweite Standbein mit der Belieferung von Altenheimen und Kliniken stützen. Wie viele andere auch, bangt nun Birgit Menzl in den nächsten Wochen während er staatlich angeordneten Maßnahme, ob und in wie weit Hilfspakete ihr Unternehmen retten können. sch

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