Herr Dulig, der Einzelhandel stirbt!

Letzte Woche gab es die Aktion „Wir machen auf…merksam“, jetzt folgt ein Brief an den Wirtschaftsminister. Foto: André Kaiser

Sterben billigend in Kauf genommen?

Annaberg-Buchholz. Die Lager sind voll, die Läden sind leer. Wie in Annaberg-Buchholz wissen die Einzelhändler in den Innenstädten nicht mehr, wie sie ihre laufenden Kosten begleichen sollen, sehen auf der anderen Seite, wie die Kunden massenhaft zu den Discountern strömen.

Der Werbring der Bergstadt hatte sich letzte Woche an er Aktion „AUF….merksam“ beteiligt. Jetzt schrieben die Mitglieder einen offenen Brief an Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig, werfen ihm vor, dass er billigend in Kauf nimmt, dass der innerstädtische und nicht lebensmittelbasierte Handel stirbt.

Sehr geehrter Herr Wirtschaftsminister, werter Herr Dulig,

bisher sind Sie uns als kompetenter, sachlich argumentierender und klar entscheidender Minister bekannt. Dieses positive Bild hat sich in den letzten Wochen leider immer stärker zum Negativen gewandelt und droht durch einen nochmals verschärften Lockdown gänzlich zu kippen.
Was in Ihrem Ministerium als Reaktion auf die Corona-Pandemie im Blick auf den innerstädtischen und nicht lebensmittelbasierten Handel in den letzten Wochen entschieden wurde, können wir nur mit einem billigend in Kauf genommenen Sterben der deutschen Innenstädte vergleichen.

Wie Ihnen bekannt sein dürfte, drohen im nicht lebensmittelbasierten Handel Insolvenzen in Größenordnungen. Das Wasser steht vielen Händlern nicht nur bis zum Hals, sondern läuft bereits in den Mund. Zehntausende Existenzen, Ausbildungs- und Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Wie Sie wissen, sind aktuell ca. 65 % des stationären Einzelhandels betroffen. Der tote Warenbestand reißt täglich größere Löcher in unsere Kassen. Ausgleichszahlungen decken unsere Verluste kaum ab, Sonderabschreibungen sind bei ausbleibenden Umsätzen und Gewinnen kaum hilfreich. Hauptprobleme sind die durch den Lockdown verursachten hohen Warenbestände, der fehlende Absatz sowie die damit verbundene, mangelnde Liquidität.

Gravierende Probleme sehen wir außerdem in mangelnder Gerechtigkeit und Gleichbehandlung. Während innerstädtischen Geschäften, die mit Industrieartikeln handeln, die Ladenöffnung verboten wird, werden vergleichbare Artikel in Supermärkten und bei

Discountern nach wie vor in Größenordnungen gehandelt. Damit ziehen diese Großmärkte zusätzliche Kunden an und erhöhen die Infektionsgefahr weiter. Teilweise zählten wir in Supermärkten über 100 Kunden gleichzeitig, die allesamt dort ihre Aerosole hinterließen. Selbst Ministerpräsident Michael Kretschmer äußerte zu Beginn des Lockdowns seine Bedenken zu dieser Regelung.
In kleinen innerstädtischen Geschäften, in denen aufgrund der Quadratmeter-Regelung nur wenige Kunden einkaufen können und in denen in den letzten Monaten detaillierte Hygieneregelungen erarbeitet und umgesetzt wurden, ist die Infektionsgefahr schon rein statistisch deutlich geringer.

Um diese Ungerechtigkeit sowie eine staatlich verordnete Umverteilung im Handel von unten nach oben endlich zu beenden oder zumindest zu begrenzen, um Insolvenzen zu verhindern sowie Arbeitsplätze und attraktive Innenstädte zu erhalten, fordern wir:

1. Ausreichende und kostendeckende Ausgleichs- und Entschädigungszahlungen
2. Eine Gleichbehandlung aller Geschäfte beim Verkauf von Industrieartikeln
3. Einen sinnvollen Ausgleich im Handel zwischen Gewinnern und Verlierern der Corona-
Pandemie
4. Die Gesprächsbereitschaft von Politikern, um zu sinnvollen und tragfähigen Lösungen zu
kommen
5. Die ständige Beteiligung von Kommunalpolitikern und kommunalen Dachverbänden, da die Innenstädte in Städten und Gemeinden in besonderer Weise betroffen sind

Mit freundlichen Grüßen

Jens Wangler Jürgen Thiele
Vorstand stv. Vorstand

Werbering Annaberg e.V. im Namen zahlreicher innerstädtischer Händler

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